Sa, 18. November 2017

Programm im Detail

11.11.2009 13:25

Festspiele 2010 stehen unter dem Motto „Mythos“

"Mythen" sind die großen Themen der Salzburger Festspiele 2010. Oper, Schauspiel und auch das Konzert werden versuchen, Ursprünge, Widersprüche in Geschichte und Zivilisation künstlerisch deutlich zu machen. Im Jubiläumsjahr - die Salzburger Festspiele werden von 25. Juli bis 30. August zum 90. Mal stattfinden - steht die Tragödie im Mittelpunkt. Und ihr Bezug zur Gegenwart, wie am Mittwoch bei der Programmpräsentation in Salzburg betont wurde.

Der detaillierte Blick ins Programmbuch der Festspiele zeigt in Sachen Oper allerdings wenig Neues. Erstmals nach 2004 wird es wieder eine Oper des Festspiel-Mitgründers Richard Strauss geben, und zwar "Elektra". Daniele Gatti wird dirigieren, Regie führen wird Nikolaus Lehnhoff. Davor steht eine Gluck-Oper im Großen Festspielhaus auf dem Programm. Riccardo Muti wird bei "Orfeo ed Euridice" am Pult stehen, inszeniert wird dieser Klassiker der Opernliteratur von Dieter Dorn.

Konzertreihe von Rihm
"Dionysos" heißt eine Oper von Wolfgang Rihm. Der Komponist, dem im Konzertprogramm eine zehn Konzerte umfassende "Kontinent"-Reihe gewidmet ist, hat seine Oper im Auftrag der Festspiele komponiert. Pierre Audi wird inszenieren, Ingo Metzmacher ist für die Musik verantwortlich, und Jonathan Meese wird das Bühnenbild für diese Uraufführung entwerfen.

Eine Neuproduktion ist auch "Lulu" von Alban Berg. Dass Stück wird nicht wie geplant von Nikolaus Harnoncourt und Intendant Jürgen Flimm, sondern von Dirigent Marc Albrecht und Regisseurin Vera Nemirova gestaltet.

Schrott und Netrebko am Programm
Claus Guths düsterer Fichtenwald-"Don Giovanni" kommt wieder, Shootingstar Yannick Nezet-Seguin wird ihn dirigieren, und Erwin Schrott singt wie schon 2008 die Hauptrolle. Seine Frau, Anna Netrebko, wird im Opernprogramm 2010 auch nicht fehlen, sie alterniert mit Nino Machaidze in "Romeo et Juliette" - die Bartlett-Sher-Inszenierung aus 2008 wird wieder aufgenommen. Edita Gruberova singt die Titelrolle in der konzertanten Vincenzo-Bellini-Oper "Norma", bei der Friedrich Haider die musikalische Verantwortung trägt.

Drei schauspielerische "Mythos"-Produktionen
Im Schauspielprogramm schlägt sich das Thema "Mythos" in drei Produktionen nieder: Peter Stein kommt nach langen Jahren Salzburg-Abstinenz zurück und inszeniert "Ödipus auf Kolonos" mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle. Der norwegische Autor Jon Fosse adaptiert die Ödipus-Trilogie von Sophokles und führt die drei Klassiker unter dem Titel "Tod in Theben" beim Young Directors Project zu einem Stück zusammen. Und Burgtheater-Intendant Matthias Hartmann inszeniert Racines "Phädra" mit Sunnyi Melles in der Titelrolle.

Verjüngter "Jedermann"
Die neuen Hauptdarsteller im "Jedermann" des Sommers 2010 heißen Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr. "Ich kann einen 'Jedermann' ankündigen, der nicht nur wegen der beiden neuen Hauptdarsteller etwas Besonderes sein wird", so Schauspiel-Chef Thomas Oberender am Mittwoch bei der Programmpräsentation. Zwar bleibt die Christian-Stückl-Inszenierung aus dem Jahr 2002 in der Substanz gleich. Aber sie soll gründlich überarbeitet werden, wie Oberender ankündigte: "Wir werden den jüngsten 'Jedermann' aller Zeiten erleben, nie war der Altersdurchschnitt so niedrig in diesem Stück, das man als Säule, als eine Art Hauptsponsor der Festspiele bezeichnen könnte", so der Schauspielchef.

Begegnungen mit der Geschichte
Claudio Magris kommt als "Dichter zu Gast" nach Salzburg und beschäftigt sich in Lesungen, Diskussionen, Filmen und Begegnungen aller Art mit drei Wendemarken der österreichischen Geschichte: dem Mauerfall 1989 aus der Sicht Wiens, dem Bürgerkrieg 1934 in Linz und der Leni-Riefenstahl-Filmproduktion "Tiefland" mit Insassen eines Salzburger Straflagers im Jahr 1943.

Depardieu spricht Prokofjew im Original
Die Wiener Philharmoniker konzertieren mit Daniel Barenboim, Riccardo Chailly, Riccardo Muti, Christoph Eschenbach und Bernhard Haitink. Anne-Sophie Mutter, Elina Garanca, Tzimon Barto und Gerard Depardieu, der den Text eines Prokofjew-Oratoriums im Original sprechen wird, sind die Stars dieser philharmonischen Konzerte. "Depardieu spricht zwar kein Wort russisch, aber er wird den Text einlernen", so Hinterhäuser. "Es wäre wohl viel zu lokal gedacht, wenn man verlangte, dass ein Schauspieler unbedingt die Sprache können muss."

Die Gastorchester sind die Berliner Philharmoniker, das ORF-Radio-Symphonieorchester Wien, das Gustav Mahler Jugendorchester, das Concertgebouworchester Amsterdam und das Swedish Chamber Orchestra. Als Solisten haben die Festspiele alles engagiert, was Rang und Namen hat in der klassischen Musikinterpretation, darunter Ivo Pogorelich, Ferruccio Furlanetto, Angelika Kirchschlager, Christian Tetzlaff, Martha Argerich, Gidon Kremer, Matthias Goerne, Grigory Sokolov, Maurizio Pollini und Rolando Villazon.

Neue Klimaanlage im Festspielhaus
Wirtschaftlich stehen die Festspiele gut da. 2009 wurde ein Überschuss von 1,1 Millionen Euro erwirtschaftet, der in die veraltete Klimanlage des Großen Festspielhauses investiert werden soll. Der Bau des neuen Daches der Felsenreitschule ist verschoben worden, allerdings soll dafür ein zusätzliches Stockwerk eingebaut werden. Die Gesamtkosten dafür betragen 6,6 Millionen Euro.

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