Di, 22. Mai 2018

Kauften Anteile

11.05.2018 06:00

USA: Nonnen zwingen Waffenkonzern in die Knie

Christopher Killoy, Chef des US-Waffenriesen Sturm, Ruger & Co., hatte sich die Hauptversammlung seines Konzerns wohl anders vorgestellt: Eine von Nonnen angeführte Aktivistengruppe gegen Waffengewalt hatte nämlich Anteile an dem Konzern erworben - und mit ihrem Stimmrecht auch andere mächtige Investoren auf ihre Seite gezogen. Jetzt muss Ruger die Öffentlichkeit über die Gefährlichkeit seiner Produkte informieren. Treibende Kraft hinter der Initiative ist eine Gruppe Nonnen von den Adrian Dominican Sisters, angeführt von Schwester Judy Byron. 

Für Ruger ist das Votum eine enorme Niederlage, zuvor hatte die Firma wochenlang Stimmung dagegen gemacht. „Die Anteilseigner haben gesprochen, und wir werden unsere Pflicht erfüllen und zu gegebener Zeit einen Report vorbereiten“, sagte der sichtlich erboste Ruger-Chef Christopher Killoy. Das Unternehmen muss nun erklären, ob es Pläne hat, sicherere Produkte zu entwickeln und mehr gegen Waffengewalt zu tun.

Killoy machte aus seiner Abneigung keinen Hehl: „Der Vorschlag kann nicht ändern, was Ruger ist und wofür wir stehen.“ Er könne das Unternehmen auch nicht zwingen, sein Geschäft zu verändern, das „legal und von der Verfassung geschützt“ sei. Killoy sprach von „fehlgeleiteten Prinzipien von Gruppen“, die keine Waffen besäßen und am liebsten hätten, dass Ruger sein Geschäft aufgebe.

Die Aktionäre stimmten aber nicht allen Anträgen der Aktivisten zu. Sie sprachen sich zum Beispiel dagegen aus, die Verbindung zur National Rifle Association (NRA), dem Lobbyverband der US-Waffenindustrie, zu lockern. 

Nonnen kaufen sich bei Waffenkonzernen ein
Treibende Kraft der Abstimmung war die Organisation Interfaith Center on Corporate Responsibility (ICCR), die Aktionärsrechte bündelt, um Konzerne zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung zu drängen. Hier hatten sich Ordensfrauen wie die Sisters of the Holy Names of Jesus and Mary oder Adrian Dominican Sisters engagiert, allen voran Schwester Judy Byron. Sie hatten vor rund zwei Jahren angefangen, Aktien von Waffenherstellern zu kaufen, um dort über ihre Stimmrechte Einfluss nehmen zu können. Das Votum der Aktionäre sei ein Zeichen wachsender Sorge der Investoren und eine „starke Botschaft“ an Rugers Managament, das bisher keine Mühen gezeigt habe, sicherere Waffen zu produzieren, teilte das ICCR mit.

Byron selbst war Lehrerin und Direktorin an mehreren Grund- und Mittelschulen gewesen. Die Massaker, die in den USA immer wieder unzählige Tote fordern - besonders aber jenes an der Sandy-Hook-Grundschule im Jahr 2012 -, hatten Byron dazu bewegt, die Waffenindustrie in die Pflicht zu nehmen. Mit den Mitteln, die teils aus Spenden und teils von der Kirche stammen, hatten sie sich bei Ruger eingekauft: „Die müssen endlich anfangen, Teil der Lösung zu werden, anstatt Teil des Problems zu sein“, so die Ordensfrau gegenüber „Buzzfeed News“.

US-Waffenindustrie immer stärker unter Druck
Im Zuge des Parkland-Massakers, bei dem im Februar 17 Menschen an einer High School im US-Bundesstaat Florida erschossen wurden, ist die Waffenindustrie in den USA stark unter Druck geraten. Die Protestwelle hat nicht nur die Hersteller, sondern auch Investoren und Geldgeber wie Fondsgesellschaften und Banken erfasst. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock etwa, der auch größter Aktionär bei Ruger ist, hatte kürzlich eine Reihe von „waffenfreien“ Anlageprodukten angekündigt. Auch große Geldhäuser wie Bank of America und Citigroup gaben Maßnahmen gegen Waffengewalt bekannt. Die US-Waffenlobby ist aber stark und wehrt sich nach Kräften.

Vor allem in der republikanischen Partei hat die Industrie großen Einfluss, wie sich zuletzt erneut bei einem Auftritt von US-Präsident Donald Trump zeigte. „Eure Rechte aus dem zweiten Verfassungszusatz stehen unter Beschuss, aber sie werden niemals unter Beschuss stehen, solange ich euer Präsident bin“, erklärte Trump am vergangenen Freitag auf der Jahresversammlung der NRA.

Mitglieder der Republikaner sollen laut US-Medien auch schon Druck auf die Bank of America und Citigroup ausgeübt haben, die angekündigten Verschärfungen bei Geschäften mit Waffenherstellern zurückzunehmen.

 krone.at
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