Mo, 21. Mai 2018

Alarm im Kreißzimmer

09.05.2018 11:23

Zu wenige ausgebildet: Hebammen suchen Nachwuchs!

„Mehr Hebammen braucht das Land“ - unterstützt vom ÖGB schlagen die Hebammen des Kepler Uni-Klinikums Alarm. Ihnen fehlt der Nachwuchs, gleichzeitig werden sie schlechter bezahlt als ihre Kolleginnen anderswo.

Der Hebammenmangel aufgrund der verabsäumten Ausbildung von genügend Nachwuchs ist ein bundesweites Problem. In Oberösterreich wird dieser Mangel besonders in der Kepler-Uniklinik schlagend. Dort ist die Zahl der Geburten in den vergangenen zehn Jahren von 2748 auf 3957 angestiegen. Das ist der mit Abstand höchste Wert aller oö. Spitäler. Auch die Anzahl der ambulanten Patientinnen hat sich von 2012 bis 2016 von 1631 auf 3025 fast verdoppelt. Die Anzahl der Hebammen blieb hingegen gleich. 85 Frauen arbeiten in der ehemaligen Landesfrauenklinik. „Wir hatten in dieser Zeit Kündigungen und Pensionierungen“, so KUK-Betriebsratsvorsitzender Harald Freudenthaler.

Personalnot im Kepler Uniklinikum
Es wurden zwar sechs neue Hebammenstellen ausgeschrieben, doch keine kommt, weil es zu wenige neue Hebammen gibt. Als Tropfen auf den heißen Stein wurden zumindest drei Pflegeassistenten für Reinigungsarbeiten eingestellt.

Schlechtere Bezahlung
Ein weiterer Punkt, der den Hebammen sauer aufstößt: Ihre Kolleginnen in Niederösterreich und Salzburg werden besser entlohnt.

Mütter leiden
Die dauernde Unterbesetzung wirkt sich auch auf die „Kundschaft“ aus: Weil die Zeit für eine intensive Betreuung fehlt, steigt bei den werdenden Müttern zum Beispiel der Schmerzmittelverbrauch, so Hebamme Ulrike Spinka im  Interview.

„Krone“: Fehlt im Kreißzimmer wirklich so viel Personal?
Ulrike Spinka: Laut Richtlinien sollte der Betreuungsschlüssel auf einer Geburtenstation 1:28 sein, also eine Hebamme sich um 28 Frauen pro Jahr kümmern. Bei uns ist der Schlüssel 1:170 oder 1:180.

„Krone“: Welche Folgen hat der Personalmangel?
Spinka: Teilweise muss sich eine Hebamme gleichzeitig um drei Gebärende kümmern. Die Betreuung reduziert sich auf Kontrollen der Überwachungsapparate. Zuspruch, Bestärkung und Unterstützung bleiben auf der Strecke.

„Krone“: Das wirkt sich aus.
Spinka: Die Frauen fühlen sich allein gelassen, es steigt der Schmerzmittelverbrauch. Es sind mehr medizinische Interventionen nötig, für das System wird es teurer. 

Christoph Gantner/Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden