Sa, 26. Mai 2018

Schmerz im Kreuz

14.05.2018 06:00

Nicht immer sind die Bandscheiben schuld

Wenn es heftig im unteren Rücken schmerzt, steckt als Übeltäter oft das Kreuz-Darmbeingelenk dahinter. Ein Implantat stabilisiert es wieder, wenn konservative Maßnahmen nicht helfen.

Probleme mit dem Kreuz gehören zu den häufigsten Plagen der Österreicher. Der erste Gedanke: Schäden an der Wirbelsäule, Verspannungen oder Abnützung der Hüfte. Häufig kommt es zu Fehldiagnosen wie Bandscheibenvorfällen. Was viele nicht wissen: Becken und Wirbelsäule verbindet das Kreuz-Darmbeingelenk (Iliosakralgelenk, ISG), das sich bei Entzündungen oder Abnützung bemerkbar macht. Bis zu 20 Prozent der Schmerz-Patienten sind davon betroffen! „Das Kreuz-Darmbeingelenk lässt nur minimale Bewegungen zu, kann aber, wenn es verschleißt, massive Rückenprobleme hervorrufen bis hin zur Berufsunfähigkeit“, erklärt OA Dr. Christoph Hartl, Facharzt an der Abteilung Unfallchirurgie im LKH Steyr.

Grundsätzlich handelt es sich um ein stabiles Gelenk. „Aber durch Lockerung des Bindegewebes, z. B. bei Frauen durch Schwangerschaften oder Abnützung im Alter, Verletzung usw. kann es zu unnatürlichen Mikrobewegungen kommen, die letztendlich Beschwerden nach sich ziehen.“ Typisch ist einseitiger, Schmerz, der als tief sitzend im Rücken empfunden wird und in den Gesäßbereich bis in die Oberschenkelrückseite und Leistengegend ausstrahlen und wandern kann. Manual-Therapie hilft, das Gelenk wieder in die richtige Lage zu bringen. Dies strebt auch die Physiotherapie an. Patienten können zusätzlich lindernde Übungen zum Dehnen sowie Mobilisieren erlernen und sollten diese regelmäßig durchführen. Bringen konventionelle Maßnahmen keine (ausreichende) Linderung, kann ein chirurgischer Eingriff helfen: Mit einem speziellen Implantat lässt sich die Instabilität des ISG beheben.

Implantat fixiert das Gelenk
„Die neue Generation sogenannter Distraktionsschrauben weist eine raue Titanoberfläche auf. Diese Beschichtung verspricht eine bessere Einheilung“, so OA Hartl. „Das Darmbein wird aber nicht direkt mit dem Kreuzbein verschraubt, da das Implantat auslockern oder brechen könnte. Vielmehr füllt man in den Hohlraum zwischen Darm- und Kreuzbein Fremdknochen und dreht dann die Schraube ein“, erklärt der Chirurg. „Das Gelenk wird eine Spur weiter gemacht, gleichzeitig aber das Gesamkonstrukt so versteift, dass es zusammenwachsen kann.“

Neben einer klinischen Untersuchung und bildgebender Abklärung kann man gezielt unter örtlicher Betäubung mittels Computertomographie eine Testinfiltration in das Iliosakralgelenk einbringen und herausfinden, ob mit dem Eingriff Beschwerdefreiheit erreicht wird. So lässt sich feststellen, welcher Patient von einer Operation profitieren würde. Der Eingriff wird mittels 3D-Bildgebung und computergesteuerter Navigation für exakte Platzierung des Implantates durchgeführt.

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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