Mo, 21. Mai 2018

Auftakt zu Prozess

08.05.2018 19:30

Missbrauchsopfer klagt Entschädigung von Stift ein

Keine Ruhe um die Missbrauchsfälle im Stift Kremsmünster (OÖ): Eines der Opfer des 2013 zu 12 Jahren Haft verurteilten Ex-Ordensmannes August Mandorfer klagt nun Schadenersatz bei Gericht ein. Das Stift Kremsmünster lehnte bisher Verantwortung und Zahlungen für die Folgen der Schandtaten ab. Eine außergerichtliche Einigung wird jedoch nun auch geprüft.

Pater Alfons, Ex-Priester und nach Auffliegen des Missbrauchsskandales in den Laienstand versetzt, hatte über 30 Jahre lang Schüler des Stiftsinternates sexuell missbraucht und sadistisch verprügelt. Im Prozess war sogar von Züchtigungen mit dem Ochsenziemer die Rede. Derzeit verbüßt er seine 12-jährige Haftstrafe.

60.000 Euro Schadenersatz
Eines seiner Opfer, inzwischen 42 Jahre alt, zieht nun vor Gericht. Und klagt das Stift Kremsmünster auf 60.000 Euro Schadenersatz und 40.000 Euro Verdienstentgang.  „Mir ist ein schwerer Schaden zugefügt worden. Ich möchte eine Entschädigung. Nach jedem Autounfall bekommt man eine Entschädigung.“ Untermauert wird die Klage des ehemaligen Internatsschülers durch ein Gutachten von Gerichtspsychaterin Adelheid Kastner, in dem sie eine posttraumatische Belastungsstörung und eine durch den Missbrauch ausgelöste Borderline-Störung diagnostiziert. Erst mit sechs Jahren Verzögerung habe er sein Studium beginnen können. Ein weiterer Ansatz seiner Klage: Es wäre Aufgabe der Ordensleitung gewesen, die Gefahren für die Internatsschüler abzuwenden,

Studie und Mahntafel
Dem Stift Kremsmünster wirft der Kläger vor, es würde sich aus der Verantwortung stehlen. Auf Anfrage der „Krone“ nahm Abt Ambros Ebhart schriftlich dazu Stellung: „Als 2010 Vorwürfe bekannt wurden, ehemalige Lehrer und der frühere Konviktsdirektor hätten körperliche und sexuelle Gewalt ausgeübt, haben wir sofort gehandelt und transparent Schritte gesetzt. In vielen persönlichen Gesprächen konnten die Vorwürfe ausgesprochen und behandelt werden, was für die Opfer ein wichtiger Schritt zur Aufarbeitung war. Wir haben uns verpflichtet, den Entscheidungen zu Entschädigungen der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft Folge zu leisten; dadurch konnte Opfern unbürokratisch und ohne demRisiko eines Gerichtsverfahrens schnell geholfen werden.“ Auch der Kläger bekam damals von der sogenannten Klasnic-Kommission 35.000 Euro. Im Zuge der Aufarbeitung wurde vom Stift Kremsmünster auch eine Studie zur Opfersicht und den Hintergründe in Auftrag gegeben.  Um eine bleibende Erinnerung an die Opfer im Stiftsgelände sicherzustellen, wurde eine Mahntafel aufgehängt.

„Vernünftige Lösung“
Am Dienstag fand die erste Verhandlung statt. Der Anwalt des Benediktinerstiftes sieht die Ansprüche des ehemaligen Schülers verjährt. Sprach sich jedoch nicht gegen eine außergerichtliche Einigung aus. Diese soll bis zum nächsten Prozesstermin im Juni abgeklärt werden. Aber man wolle eine „vernünftige Lösung“, erklärte Rechtsanwalt Helmut Blum. Dazu gehöre auch, dass sich das Stift beim Opfer entschuldige.

Claudia Tröster, Kronen Zeitung

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