Skurriler Job

Seit 20 Jahren unterwegs mit dem Nationalparkboot

Das Nationalparkboot feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum. Das Passagierschiff „Skorpion“ fährt ab 2. Mai wieder täglich vom Schwedenplatz in die Lobau. Johann Litschauer vom 1. Wiener Bootstaxi ist ebenfalls bereits seit 20 Jahren der stolze Kapitän. „1991 habe ich mir vor lauter Begeisterung überhastet die ‘Skorpion‘ gekauft. Später habe ich sie dann mit viel Unterstützung zu einem Fahrgastschiff umgebaut“, erzählt der Wiener im Interview mit City4U:

Johann Litschauer hatte schon immer eine Leidenschaft für die Schifffahrt: „Bevor ich mit der ‘Skorpion‘ in Wien meinen Lebensmittelpunkt gefunden habe, war ich mit Segelbooten im Mittelmeer und am Balaton unterwegs.“ Mittlerweile ist der Kapitän aber bereits seit 30 Jahren auf der Donau und am Donaukanal zu Hause. Vier Jahre nachdem er 1991 überhastet die Skorpion, eine Bakasse aus der damaligen UDSSR gekauft hatte, gründete er das 1. Wiener Bootstaxi.

#Das Schiff ist voll

„Am Vormittag sind wir das Nationalparkboot. Das ist eine Co-Organisation mit der Forstverwaltung Lobau, die dann mit den Fahrgästen eine geführte Wanderung durch die Au macht. Das Besondere an dieser Bootstour ist die Kombination von Stadt, Natur und Wasser“, erläutert der 60-Jährige. Und das kommt bei den Wienern und Touristen gleichermaßen an. „Das Schiff ist fast immer voll.“

#Wenig Zeit im Havariefall

Das Nationalparkboot ist täglich von 9 bis 13 Uhr unterwegs. „Herausfordernd ist der Spagat zwischen fixen Buchungen und Schlechtwetter. Wenn das einmal nicht mitspielt oder von einer Sekunde auf die andere umschwenkt, ist rasches handeln und koordinieren gefragt“, weiß der Kapitän. Zudem muss man auch bei schönem Wetter sehr weit vorausschauend fahren, da ganz besonders die Fließgeschwindigkeit der Donau oft sehr stark ist. „Im Havariefall hat man wenig Zeit um zu reagieren.“ In eine gefährliche Situation kam er mit dem Nationalparkboot zum Glück noch nicht. Um ein Schiff auf dem Fluss durch Wien überhaupt führen zu dürfen, braucht man ein Kapitänspatent für die Donau. Ähnlich dem Führerschein muss man Theorie sowie Praxis bestehen.

#Kontrast von Großstadt und Wildnis

Auch nach 20 Jahren kann sich Litschauer noch immer für die Nationalpark-Tour begeistern. Immerhin fährt das Boot von der Innenstadt einer Metropole in einen Nationalpark. „Die Mischung von Großstadt, die man vom Wasser aus beobachten kann und der recht kurzfristige Kontrast mit der Wildnis sind ein echtes Erlebnis. Es ist ein ganz besonderes Feeling am Wasser und dann in der Natur.“ Das merken auch die Passagiere. „Beim Einsteigen granteln oft einige, aber beim Aussteigen sind sie immer bei guter Laune“, schmunzelt Litschauer.

#Kormoran ist klüger als Angler

„Die Gäste sind unterschiedlich gemischt. Angenehm sind jene, die mit mir das Gespräch suchen und Interesse an der Schifffahrt zeigen. Ich tausche mich gerne mit den Gästen aus. Das macht Spaß und die Zeit vergeht dann wie im Flug. Man lernt auch immer Neues und Interessantes dazu.“ Neben Gesprächen mit Passagieren, beobachtet der Kapitän natürlich auch vom Boot aus das Ufer. „Oft sehen wir verbissene Angler, die Angst haben, dass wir ihnen einen Fisch vertreiben. Die gebärden sich oft sehr unfreundlich. Der Kormoran ist da klüger. Der taucht schräg vor uns hinunter und holt sich den Fisch.“

#Polterabend oder Firmenfeier

Am Abend verwandelt sich die ‘Skorpion‘ dann in ein Ausflugsschiff. „Sie passt sich - soweit möglich - allen persönlichen Wünschen der Gäste an.“ Egal ob Polterabend, Mondscheinfahrt oder Geburtstagsfeier - die ‘Skorpion‘ ist für alle Festivitäten gewappnet. Doch es geht auch mal etwas schief: „Einmal irrten wir uns. Wir waren der festen Überzeugung, dass eine Hochzeitsgesellschaft kommt. Wir haben also das Boot und den Steg entsprechend geschmückt und empfingen alle Gäste mit Sekt. Dabei machte ein Abteilungsleiter einen Firmenausflug mit seinem Team“, lacht Litschauer, der trotz der schönen Erfahrungen schon langsam an den Ruhestand denkt. „Ich suche mich langsam, aber keinesfalls überstürzt nach einem Nachfolger um.“

Mai 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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