Sa, 26. Mai 2018

Sprengung in NÖ

25.04.2018 13:54

Hier fliegen 10 Tonnen Kriegsmaterial in die Luft

Mehr als zehn Tonnen Kriegsmaterial sind am Mittwoch vom Entminungsdienst (EMD) des Bundesheeres am Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel gesprengt worden. Sichergestellt waren die Granaten, Panzerfäuste und US-Fliegerbomben großteils im Vorjahr in ganz Österreich geworden. Seit 1. Jänner 2013 wurden österreichweit mehr als 5500 Funde von Kriegsrelikten gemeldet, allein heuer gingen bis Ende März 183 Meldungen beim EMD ein.

Nach sorgfältiger Vorbereitung durch die Experten wurden über zehn Tonnen an Kriegsmaterial aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs fachgerecht gesprengt. Der Sprengmeister kurbelte um 13.15 Uhr in einem Bunker, 540 Meter vom Sprengplatz Riegers entfernt, an der Zündmaschine und löste zeitlich gestaffelt mehrere Detonationen aus. Zuerst wurde eine 500 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe mit 220 Kilo TNT aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt, anschließend flogen drei Trichter mit je einer Tonne Handgranaten in die Luft. Journalisten, sprengstoffkundige Polizisten und Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) beobachteten die Detonationen vom sicheren Bunker aus.

Zahlreiche Trümmer wurden in die Luft geschleudert und kamen in einem Umkreis von bis zu 1000 Metern zu liegen. Am Detonationsort blieben bis zu fünf Meter tiefe Löcher zurück, die Druckwelle war noch im Bunker deutlich spürbar. Die freiliegende Bombe wurde „ohne weitere Manipulationen im Originalzustand“ gesprengt, erläuterte Wolfgang Korner, Leiter des EMD. Für die drei Tonnen Kriegsrelikte, die vergraben wurden, wurden je 100 Kilogramm Zusatzsprengstoff benötigt, damit „das ordentlich durchzündet“. Das Eingraben sorgt für „eine gewisse Schalldämpfung“, erklärte Korner.

Kunasek „beeindruckt von der Professionalität“
„Ich bin beeindruckt von der Professionalität der Mitarbeiter des Entminungsdienstes und der Wirkung der Detonationen“, sagte Kunasek, der das erste Mal bei einer Sprengung dabei war. Er betonte einmal mehr, dass weiter ins Bundesheer investiert wird, dass man „den positiven Kurs weiter fortsetzten wird“.

Vernichtungssprengungen wie jene am Mittwoch finden ein bis zweimal jährlich statt, bis zu 30 Tonnen werden dabei jedes Jahr unschädlich gemacht. Kriegsrelikte werden häufig bei Bauarbeiten gefunden, doch auch Seen und Flüsse sowie Waldgebiete, Städte und alpines Gelände zählen zu den Einsatzräumen des Entminungsdienstes. Seit 1945 existiert der Entminungsdienst, seit 1. Jänner 2013 gehört er zum Verteidigungsministerium. Seit der Eingliederung wurden 5555 Funde beim EMD gemeldet, allein im Vorjahr waren es 1067 Meldungen.

Munition, die unsicher in der Handhabung ist, wird von den Experten direkt am Fundort vernichtet. 31 Mal musste der Entminungsdienst im Vorjahr Kriegsrelikte an Ort und Stelle sprengen. Munition, die transport- und lagerfähig ist, wird in einem Lager im südlichen Niederösterreich zwischendeponiert, bevor sie in Allentsteig gesprengt wird. Rund 30 Tonnen wurden allein 2017 geborgen und vernichtet.

Wie viel Kriegsmaterial noch in Österreich vorhanden ist, „lässt sich nicht seriös sagen“, sagte Werner Tobisch, stellvertretender Leiter des EMD.  Ein Ende des Einsatzes des Entminungsdienstes sei jedenfalls nicht absehbar, sagte Korner. Er sei jedenfalls immer „glücklich, wenn es vorbei, die Sprengung ohne Probleme erfolgt ist“. Insgesamt 18 Tonnen Kriegsmaterial werden noch bis Donnerstag vom EMD in Allentsteig gesprengt.

 krone.at
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