Do, 19. Oktober 2017

Quelle vor Konkurs

08.11.2009 09:09

AMS-Chef Obrovski: „Es gibt kein unsinkbares Schiff“

Einen allerletzten Strohhalm versucht Quelle Österreich-Chef Wolfgang Binder bis Mittwoch noch zu ergreifen – gelingt’s doch nicht mehr, einen Investor zu sichern, dann ist die Pleite des Linzer Versandhauses fix. Dann gibt’s einen neuen „Mann der Stunde“ aus der Sicht der Beschäftigten und des Linzer Arbeitsmarktes, nämlich Dr. Roman Obrovski, Chef des Arbeitsmarktservice Oberösterreich. Für ihn ist Quelle zwar kein Einzelfall, aber doch speziell.

"Krone": Jetzt ist der „Worst Case“ bald da – die Insolvenz.
Obrovski: Ja, so schaut’s aus. Ab Montag werden unsere Leute in der Quelle die technischen Voraussetzungen schaffen, damit wir den Quelle-Beschäftigten Service vor Ort geben können.

"Krone": Kommen da nun schlagartig mehr als 1.000 Leute in die Arbeitslosigkeit?
Obrovski: Wenn die Insolvenz geordnet läuft, besonders die Lohnzahlungen, dann sollte sich der Personalabbau über Monate staffelweise abspielen.

"Krone": Viele an- und ungelernte Leute arbeiten bei Quelle.
Obrovski: Gerade für diese Menschen wäre es wichtig, dass sie die Angebote der Insolvenzstiftung zu Berufsorientierung und Qualifizierung annehmen. Zum Beispiel, um einen Lehrabschluss nachzuholen – das senkt das Arbeitslosigkeitsrisiko gegenüber nur Pflichtschulabschluss um ein Drittel!

"Krone": Eine Krise wie bei Quelle ist auch eine Chance?
Obrovski: Ja, das sagen immer die, die nicht unmittelbar betroffen sind. Aber es gibt viele Beispiele von Menschen, die danach einen besseren Job fanden. Wir möchten die Menschen unterstützen, dass sie mit diesen großen Veränderungen zurechtkommen – und für sich selbst das Beste dabei herausholen können.

"Krone": Das braucht auch Zeit.
Obrovski: Natürlich könnte man schlecht qualifizierte Leute schnell auf den nächsten schlecht qualifizierten Job vermitteln. Für ein paar Monate? Das wollen wir nicht!

"Krone": Ist Quelle ihr bisher größter Fall als AMS-Chef?
Obrovsky: Keineswegs! Denken Sie an die Stahlkrise Mitte der Achtziger. Oder an die Carrera-Optyl-Pleite Mitte der Neunziger, wo auch Hunderte betroffen waren.

"Krone": Aber Quelle ist auch eine sehr emotionelle Sache.
Obrovski: Quelle ist eine Marke, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Und wo man nicht angenommen hätte, dass so etwas passiert. Aber es gibt kein unsinkbares Schiff.

"Krone": Traurig.
Obrovski: Wissen Sie, was mich mit Zuversicht erfüllt? Dass wir schon andere Strukturkrisen in Oberösterreich erfolgreich bewältigt haben.

"OÖ-Krone"

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