So, 22. April 2018

Aus den USA nach Tirol

17.04.2018 09:00

Neue Lehrmethode soll eigene Meinung fördern

„Wir denken viel, aber betrachten kaum“, sagt Angelika Jung. Dabei kann über die Beschreibung eines Bildes mehr erlernt werden, als man voerst glauben mag. Selbstbewusstein zum Beispiel, oder kreatives Denken und eine eigene Meinung. 

Schauen, wischen, klicken und weiter. Nur einen Bruchteil einer Sekunde verharrt das Auge auf einem Bild, bevor das Gehirn schon mit der nächsten Information gefüttert wird. Das Bild hat den Text - vor allem im Internet - weitgehend überholt. Aber können wir damit überhaupt umgehen?

Die eigene Meinung
Wenn Angelika Jung ihre Studenten vor ein Bild holt und sie fragt, was sie darauf sehen, bleibt es häufig still im Raum. Die Frage ist für die Studierenden oft nicht einordenbar. „Was wollen Sie denn hören, Frau Professor?“ „Nichts weniger als Ihre Sicht der Dinge“, lautet die Antwort. Aber wie sieht die eigentlich aus?

Wissen vermitteln, Sinne stärken
In der Schule wird den Kindern in erster Linie Wissen vermittelt. Referate werden vorbereitet, Texte auswendig gelernt, Vokabeln studiert. Am Ende wird alles anhand standardisierter Tests abgefragt. Kreatives Denken, kritisches Hinterfragen, ein gesundes Selbstbewusstsein und eine eigene Meinung bleiben dabei manchmal auf der Strecke. „An der Vermittlung von Wissen ist ja auch nichts Falsches“, schildert Angelika Jung, „allerdings ist es an der Zeit, dass auch die Sinne wieder geschärft werden.“

Wieder sehen, zuhören & vernetzen lernen
Denn über die Betrachtung eines Bildes kann vieles entdeckt und auch erlernt werden, wie Jung erklärt: „Wenn viele verschiedene Menschen auf ein und dasselbe Bild schauen, sieht doch jeder etwas anderes. Über die verschiedenen Beschreibungen lernt man viel über die eigene Wahrnehmung, kreatives und vernetztes Denken wird gefördert, die Sprache trainiert und in weiterer Folge auch das Selbstbewusstsein gestärkt.“

Methode aus den USA
Diese Herangehensweise hat den Namen „Visual thinking strategies“ und kommt aus den USA, von wo sie Jung auch mitgebracht hat. Das Spannende an der Methode: Sie belehrt nicht, sondern fördert das eigenständige Beobachten und somit Denken - und sie schafft eine transkulturelle Plattform. Denn ein Bild zu beschreiben ist für jeden Menschen möglich - völlig unabhängig von Alter, Herkunft, Kultur und Erziehung.

Positive Resonanz
Christian Biendl vom Landesschulrat für Tirol hat Angelika Jung eingeladen, ein Seminar für Tiroler Lehrpersonal zu halten, damit die Methode auch einen Weg in die heimischen Klassenzimmer findet. Die Resonanz fiel ausnahmslos positiv aus.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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