Di, 17. Oktober 2017

"Nicht mit mir!"

03.11.2009 12:25

Pröll sagt ÖBB den Kampf an: „Bin der Anwalt der Pendler“

Verspätungen, überfüllte Garnituren, Zugausfälle – im Landhaus in St. Pölten laufen die Telefone heiß. Täglich beklagen sich Hunderte Betroffene. Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) wird nun mit den Verantwortlichen der Bahn Klartext reden: "Es muss Schluss sein mit der ÖBB-Misswirtschaft auf dem Rücken der Pendler!" Zudem will Pröll die Schmalspurbahnen vor dem "Aus" bewahren. Am Dienstag musste der Landeshauptmann aber selbst Kritik einstecken - und zwar von der SPÖ, die sich auf die Seite der Bundesbahnen schlägt.

Auf den Nebenlinien geht oft gar nichts mehr. "Wegen defekter Gleise bummeln die Züge mit zehn Stundenkilometern dahin. Fahrgäste verpassen ihre Anschlüsse, kommen viel zu spät zum Arbeitsplatz", weiß Pröll aus den zahllosen Klagen der Betroffenen. Und auch auf Süd- oder Westbahn sind Verspätungen alltäglich.

"Nicht mit mir!"
Der Landeschef: "Für weniger Leistungen wollen die ÖBB mehr Geld. Nicht mit mir!" Als Anwalt der Pendler drängt Pröll auf rasche Verbesserungen: Die Pünktlichkeit müsse passen, guter Service geboten und das Schienennetz auf Vordermann gebracht werden.

Scharfe Kritik übt der Landeshauptmann an den Kalkulationen der Bahn: "Ein Kilometer Zugfahrt kostet viermal so viel wie mit dem Bus. Es kann nicht sein, dass die Misswirtschaft der ÖBB mit Steuergeld aus Niederösterreich finanziert wird." Klarer Auftrag: Bis Jahresende muss es Lösungen geben, sonst werden weitere Zuschüsse gestrichen. "Die Pendler müssen sich auf die Bahn verlassen können", fordert Pröll.

"Kahlschlag uninteressiert zugesehen"
Die Sozialdemokraten schlagen sich auf die Seite der Bahn. "Kein Bundesland zahlt so wenig wie Niederösterreich für den Nahverkehr, kein Bundesland hat in den letzten Jahren beim Kahlschlag bei den Nebenbahnen oder den Fahrplänen derart uninteressiert zugesehen", sagte SPNÖ-Verkehrssprecher Gerhard Razborcan am Dienstag. Nicht die ÖBB, sondern Bund und Land seien für den öffentlichen Nahverkehr zuständig, so Razborcan. Seine Forderung: "Niederösterreich muss mehr Geld in die Hand nehmen."

Auch Anton Heinzl, Verkehrssprecher der Bundes-SPÖ, betonte, dass das größte Bundesland am wenigsten für seine Pendler zahle - der Bund investiere jährlich rund 530 Millionen in den Pendlerverkehr, Niederösterreich nur 17 Millionen Euro. Gemessen an der Einwohnerzahl zahle Tirol sogar rund viermal so viel wie Niederösterreich. Würde das Land 40 Millionen mehr für den Nahverkehr aufbringen, wären alle Probleme gelöst, meinte Heinzl.

Schmalspurbahnen vor dem "Aus" retten
Der Mariazellerbahn sowie den Linien im Kamptal und Waldviertel könnte bald das Schicksal der Ybbstalstrecke drohen. "Die ÖBB haben diese Linien so lange abgewirtschaftet, bis der Betrieb unrentabel wurde“, poltert Pröll. Er ist aber überzeugt, dass die betroffenen Bahnen für Pendler sowie den Tourismus in den Regionen wichtig sind. "Wir wollen diese Strecken übernehmen, weil wir sie besser führen können", so der Landeschef.

Als Beispiel nennt Pröll die Schneebergbahn: Mit einer Million Euro Defizit und alten Dampfzügen vom Land übernommen, gilt der "Salamander" nun als moderne Gästeattraktion, die schwarze Zahlen schreibt. Aber ehe auch Mariazeller-, Kamptal- sowie Waldviertler Schmalspurbahn unter blau-gelber Flagge fahren, müssen die ÖBB die Gleise sanieren.

von Christoph Weisgram (Kronen Zeitung) und noe.krone.at

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