Di, 21. November 2017

Droge Internet

02.11.2009 12:10

Krankenhaus in Rom behandelt Internetsüchtige

Das römische Krankenhaus "Agostino Gemelli" bietet ab sofort psychiatrische Behandlung für Personen, die unter Internet-Abhängigkeit leiden. "Wir behandeln Patienten, die sogar im Urlaub keine zwei Stunden verbringen können, ohne zu kontrollieren, ob sie in Facebook kontaktiert worden sind. Es handelt sich um Menschen, die wie Drogensüchtige vom Computer komplett abhängig sind und die ganze Nacht im Internet surfen", sagte der Psychiater Federico Tonioni, nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Montag.

Viele Patienten leiden an tiefer Eifersucht und kontrollieren heimlich E-Mails und Online-Kontakte ihrer Ehefrau oder Freundin. "Internet ist eine neue Droge, die von der Realität entfremdet. Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren entwickeln eine neue Art zu denken und zu kommunizieren. Die sozialen Kontakte reduzieren sich, und viele junge Menschen sperren sich in ihrer Wohnung mit dem Computer ein", meinte der Psychiater. Die Gefahr sei die Schaffung einer autistischen Welt, in der jeder vollkommen isoliert ist.

Wenn das Handy zur Sucht wird
Auch Mobiltelefone können zu einer Manie werden. Italienische Psychiater haben bereits das sogenannte Handy-Syndrom in die Liste obsessiver Verhaltensstörungen eingetragen. Betroffene leiden unter einer zwanghaften Abhängigkeit von ihren Telefonen. Wenn das Gerät zu wenig Ladung hat oder nicht funktioniert, geraten die Menschen in Panik. "Handy-Syndrom"-Patienten verzichten auf das Kino, weil das Mobilfunktelefon dort nicht eingeschaltet werden darf, sie benutzen die Geräte zur Überwachung des Partners und kontrollieren ihr Handy sogar in der Nacht auf neue SMS.

Das "Handy-Syndrom" wurde von der italienischen Gesellschaft zur Behandlung von Zwangsverhalten als neue Störung eingestuft und damit Shopping-Manie oder der Abhängigkeit von Glücksspielen gleichgesetzt. Hinter dem "Handy-Syndrom" stecke große Unsicherheit und ein zwanghaftes Kontrollbedürfnis, betonte Massimo Biondi, Psychiater an der römischen Universität "La Sapienza".

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