So, 19. November 2017

Gequälte Kinder?

30.10.2009 13:28

Lungauer Eltern am Landesgericht freigesprochen

Lungauer Eltern, die ihre fünf minderjährigen Kinder laut Anklage in "katastrophalen und lebensgefährlichen Umständen in einem Dachgeschoß" untergebracht hatten, sind am Freitag am Salzburger Landesgericht vom Vorwurf des Quälens oder Vernachlässigen ihrer Sprösslinge freigesprochen worden.

Der 68-jährige Vater wurde aber wegen Körperverletzung an zwei Kindern sowie wegen gefährlicher Drohung und Besitzes verbotener Waffen zu zehn Monaten bedingt verurteilt. Die 42-jährige Kindesmutter erhielt wegen Vergehens nach dem Waffengesetz zwei Monate bedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Müll im Schlafzimmer, kaum fließendes Wasser und Strom
„Die Schlafräume waren stark voll Müll, die sanitären Anlagen funktionierten außer einer Spüle in der Küche nicht, teilweise gab es kein elektrisches Licht und zur Dachwohnung führte nur eine Leiter,“ so schilderte Staatsanwalt Oliver Schoßwohl am 29. Mai, am ersten Prozesstag, die Zustände im Haus der Lungauer Familie.

"Schlechte Wohnverhältnisse sind nicht strafbar"
Nach Ansicht von Einzelrichter Wilhelm Longitsch erfüllten die Wohnverhältnisse im Zeitraum von 1990 bis 2008 zwar nicht den herkömmlichen Standard, sie waren aber "weder katastrophal noch rechtlich unzumutbar. Schlechte Wohnverhältnisse sind nicht strafbar". Die Beschuldigten hätten den Kindern keine körperlichen oder seelischen Qualen nachweislich zugefügt, begründete er den Freispruch vom Vorwurf des "Quälens oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen".

Allerdings stand für den Richter fest, dass der Vater, entgegen dessen Beteuerungen, eine Tochter und einen Sohn geschlagen hatte. Beide seien verletzt worden. Zudem habe der Mann einer Lernbetreuerin eines Sohnes gedroht, er werde Amok laufen, genau so wie ein 36-jähriger Lungauer, der am 20. November 1997 sechs Personen erschossen hatte. Der 68-Jährige hatte diesen Vorwurf allerdings als "infame Lüge" bezeichnet.

Eltern besitzen Waffen und Kriegsmaterialien
Den Besitz von verbotenen Waffen und Kriegsmaterialien (u.a. Fliegerabwehrkanonen und Sprenggranaten) gab er wie seine Lebensgefährtin zu. Die beiden Angeklagten nahmen die Urteile heute an, die Staatsanwaltschaft gab hingegen keine Erklärung ab. Die Familie ist mittlerweile umgezogen

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden