Fr, 24. November 2017

Fall neu aufgerollt

30.10.2009 10:10

3 Monate bedingt: Frau ließ Mann auf Parkbank erfrieren

Erfroren ist im Vorjahr ein junger Mann in Landeck. Er hatte in der Wohnung des Freundes einer 18-Jährigen Drogen und Alkohol konsumiert, war kollabiert. Auf Drängen von Bekannten hatte ihn die junge Frau ausgesetzt, ohne sofort Hilfe zu holen. Diese Suppe musste die Frau ganz alleine vor Gericht auslöffeln.

Vor Richterin Beatrix Kiechl wurde der mysteriöse Fall am Oberlandesgericht Innsbruck (OLG) am Donnerstag neu aufgerollt. Tragisch: Der unnötige Tod des Alkokohol- und Drogenkonsumenten. Wie auch der Umstand, dass mit der 18-Jährigen nur die Person angeklagt wurde, die am wenigsten Schuld am Tod des jungen Mannes hat.

Bei Minusgraden auf Parkbank gelegt
Bekannte der Angeklagten, die mittlerweile untergetaucht sind, spielen in dieser Geschichte eine zwielichtige Rolle. Faktum ist: Die 18-Jährige war irgendwie dazu gebracht worden, diesen Teilnehmer an der Drogenparty bei Minusgraden auf einer Parkbank in Landeck auszusetzen, ohne sofort Rettung oder gar Polizei zu verständigen. 20 Kilometer vom Standort des Hauses in Imst entfernt. Obwohl nach exzessivem Konsum einer Alkohol-Drogen-Mixtur dessen Lippen blau angelaufen waren und er in „Tiefschlaf“ gefallen war, aus dem ihn keiner der Gäste hatte aufwecken können.

Mildes Urteil
Ursprünglich war die 18-Jährige sogar wegen Verbrechens der Aussetzung einer hilflosen Person mit Todesfolge angeklagt worden. Strafdrohung bis zehn Jahre Haft. Bereits das Erstgericht revidierte dies und verurteilte die Angeklagte nur wegen unterlassener Hilfe zu drei Monaten bedingt. Das war dem Staatsanwalt zu wenig.

Doch der OLG-Senat bestätigte dieses Urteil. „Davon, dass sie den Tod des Opfers in Kauf nahm, kann man nicht ausgehen“, begründete die Richterin.

von Hans Licha, Tiroler Krone

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