Mo, 20. November 2017

Bedingte Haftstrafe

29.10.2009 13:33

17-Jährige tötete ihr Baby und legte es in Waldstück ab

Eine 17-Jährige, die ihr Kind nach der Geburt getötet und in einem Waldstück abgelegt hatte, ist am Donnerstag am Landesgericht St. Pölten zu einer bedingten Hafstrafe von 15 Monaten über drei Jahre verurteilt worden. "Das wird dich dein Leben lang begleiten, da brauchst du nicht auch noch ins Gefängnis", begründete der Richter das rechtskräftige Urteil, das wegen dem "Ausnahmezustand der Geburt" milde ausfiel.

Die Jugendliche hatte das Kind am 2. April in ihrem Zimmer ohne jegliche Beteiligung anderer Personen auf die Welt gebracht. Danach tötete sie das Baby, legte es in eine Schachtel und danach in einem Waldstück im Bezirk Amstetten ab. Dort wurde die Leiche drei Tage später von zwei Jägern gefunden.

Verteidiger Gerold Ludwig beschrieb seine Mandantin als schüchternes und introvertiertes Mädchen, das aus Verzweiflung und Angst sich niemandem anvertraute, bis auf ihren Freund und Kindsvater - damals wie die Verurteilte auch 16 Jahre alt. Auch die Mutter der Angeklagten meinte, dass ihre Tochter "schweigsam" sei und "alles in sich hinein frisst". Ihr sei es nach wie vor unverstellbar, wieso ihre Tochter nicht zu ihr gekommen sei, sie hätten ihr "doch geholfen" - immerhin ziehe sie selbst fünf Kinder auf.

17-Jährige bricht vor Gericht in Tränen aus
Die 17-Jährige erklärte vor Gericht, anfangs nichts von ihrer Schwangerschaft gemerkt zu haben. "Ich nahm auch bis zum Ende nur sechs bis neun Kilogramm zu und trug die gleichen Jeans wie heute."  Nachdem sie beim Frauenarzt war und der ihr die Schwangerschaft bestätigte, habe sie gemeinsam mit ihrem Freund im Internet nachgeschaut, was sie für Möglichkeiten hätten: Adoption, Babyklappe - für Abtreibung war es gesetzlich schon zu spät. Der Freund wollte es seinen Eltern sagen, das Mädchen war aber dagegen. Insgeheim hatte sie aber "den Wunsch", dass jemand draufkommen würde, so ihr Verteidiger. "Ich wollte es immer meinen Eltern sagen, hab aber den Mund nicht aufgebracht", meinte die Angeklagte unter Tränen.

In der Nacht zum 2. April setzten dann die Wehen ein. Sie holte "Fetzen und Tücher" sowie ein Kantholz aus der Werkstatt ihres Vaters. "Wofür wollten sie das Holz verwenden", fragte die Staatsanwältin. "Dass ich mein Kind umbringe", meinte die Angeklagte. Nach der Geburt sei das Baby am Boden gelegen. Sie habe mit dem Kantholz einige Male auf den Hinterkopf des Kindes geschlagen und dann mit einer Schere mehrmals zugestochen. Das Gutachten belegte mehr als zwei Dutzend Stichverletzungen. Die Fetzen wurden im Restmüll entsorgt. Laut Obduktionsgutachten wäre das  Neugeborene lebensfähig gewesen.

Freund hat "nur etwas in den Nachrichten gehört"
Nach der Tat rief sie ihren Freund, den sie seit der vierten Klasse Hauptschule kannte, an und sagte ihm, dass das Baby "weg ist". Er fragte nicht nach. Erst vor ein paar Wochen hätte sie ihm erzählt, was passiert sei. Davor hatte er "nur etwas in den Nachrichten gehört", erzählte er.

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