Mo, 23. April 2018

1300 Seelen, 1 Beisl

04.04.2018 16:54

Jeddeloh II: Dorfklub klopft an Profifußball-Tür!

Jeddeloh II ist 20 Kilometer von Oldenburg entfernt. Außer in der Welt des Fußballs hat wohl noch kaum jemand von dem 1.307-Seelendorf gehört, das über exakt ein Beisl, einen Supermarkt und einen Friseur verfügt. Wie die Mannschaft eines Wohnviertels es in die Profiwelt des deutschen Fußballs schaffen kann, ist für viele schleierhaft. Im Video sehen Sie die Eindrücke ihres Trainers Key Riebau!

Jeddeloh II spielt in der Regionalliga. Also in der Klasse, in der Traditionsteams wie der VfB Lübeck, der VfB Oldenburg oder die Hamburger Legende FC Altona auftreten. Ganz zu schweigen von anderen Regionalligateams aus anderen Zonen in Deutschland: Die Liste ist lang, von 1860 München und Lok Leipzig über Waldhof Mannheim bis zu den Stuttgarter Kickers. Und Jeddeloh hat sogar unter solchen Kapazundern reale Aufstiegschancen.

Der SSV Jeddeloh II, wie der Verein offiziell heißt, schaffte es innerhalb von 15 Jahren von der Kreisliga in die Regionalliga. Die Bewohner der benachbarten Siedlungen, wie Tütjenbarg, Petersfehn, Wildenloh und Jeddeloh I, trauten wohl ihren eigenen Augen nicht, als sie diesen kometenhaften Aufstieg verfolgen durften. Und vor, allem als richtige Fußballfans mit dem einzigen Bus der Umgebung, dem 910er in Jeddeloh II ankamen und die Gegend „unsicher machten“. Davor war hier ein Rasenmäher-Rennen das größte Highlight der Saison.

Sponsor der Mannschaft ist die Bley Fleisch- und Wurstwaren GmbH. Geschäftsführer Rolf Bley (im Bild unten 1. von links) ist gebürtiger Jeddeloher und unterstützt und leitet den Verein seit gut 15 Jahren. Wie er zum Klub kam? Seine Frau riet ihm, sich nicht nur mit Wurst und Fleisch zu beschäftigen, sondern mal zum Sportplatz zu gehen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Der von ihm engagierte Trainer Olaf Blancke holte die abgewanderten lokalen Talente zurück und es begann eine ruhmreiche Zeit.

In der Oberliga wurden die Spiele des SSV Jeddeloh II im Schnitt von 432 Zuschauern besucht. Jetzt kommen über 800, gegen Oldenburg sogar 2000 - mehr passten nicht auf den Sportplatz. Die Mannschaft ist sogar in der kommenden Saison im DFB-Cup mit dabei. Man ist auf dem fünften Platz der Regionalliga Nord und es scheint noch höher raufzugehen, in die dritte Liga, wo die Spieler und Teams professionell sind, und wo einstige Kaliber wie Karlsruhe, Osnabrück und Rostock mit von der Partie sind. Ein Märchen, das länger dauern könnte, denken sich die Fußballfans. Außer in Oldenburg: Die nennen ihre Rivalen „Red Bull Ammerland“.

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