Di, 24. April 2018

Unterwegs in Asien

02.04.2018 06:00

Taiwan bietet das Beste beider Welten

Taiwan ist eine ideale Mischung aus Ost und West. Jetzt rückte die Insel uns noch ein Stückchen näher: Eva Air bietet ab sofort Direktflüge aus Wien an. Ilha Formosa, „schöne Insel“, nannten die Portugiesen Taiwan. Recht hatten sie! Trotzdem gilt die Republik China noch immer als touristischer Geheimtipp. Gewiss: Wer weiße Strände sucht und am Meer faulenzen will, ist hier fehl am Platz. Für alle anderen hat die Insel das Beste beider Welten - Ost und West - zu bieten. 

„Taiwan ist sicher, hat eine hohe Lebensqualität, eine gute Infrastruktur“, sagt die österreichische Unternehmerin Gabriele Seewald, die seit neun Jahren auf der Insel lebt: „Und die Bevölkerung ist extrem freundlich und hilfsbereit.“ Das gilt auch für Taipei. Die Hauptstadt beeindruckt mit ihrer Mischung aus modern und traditionell. Sie ist sehr grün und sauber, der Verkehr stark, aber nicht chaotisch, U-Bahn und Busse bringen ihre Passagiere pünktlich ans Ziel. Wer mag, kann rund um die Uhr einkaufen, sei es in Shoppingmalls im US-Stil, in kleinen Geschäften oder bei den Ständen an den vielen Nachtmärkten.  

Über der Stadt, die niemals schläft, thront - von überall gut sichtbar - der Wolkenkratzer Taipei 101. Mit 508 Metern ist er so hoch, dass seine Spitze oft in den Wolken verschwindet. Die rasante Liftfahrt zur Aussichtsplattform im 89. Stock lässt so manchen Besucher mit einem flauen Gefühl im Magen zurück, dafür entschädigt der spektakuläre Rundumblick. Im Einkaufszentrum in den untersten Stockwerken des Gebäudes liegt eines der originellsten Restaurants der Millionenmetropole: Im Din Tai Fung werden Xiaolongbao serviert - mit Köstlichkeiten gefüllte Teigtaschen in Bambus-Dampfkörben. Durch eine Glasscheibe kann man den wie Wissenschafter in einem Labor für chemische Waffen gekleideten Angestellten bei der Zubereitung zuschauen.  

Wer die chinesische Küche mag, schwebt in Taiwan im siebenten Himmel. Egal, ob Garküche, winziges Straßenlokal oder Haubenrestaurant - hier gibt es überall und für jede Brieftasche kulinarische Köstlichkeiten zu entdecken. Den Feuertopf zum Beispiel, eine Art chinesisches Fondue, bei dem jeder Gast auf seiner eigenen Herdplatte von ihm ausgewählte Zutaten in einem Suppentopf kocht. Und Österreichisches ist auch vertreten: In Taipei gibt es ein Geschäft mit Julius-Meinl-Kaffee. Sonst bekommt man hier vor allem köstlichen grünen, schwarzen oder Oolong-Tee.  

Gestärkt wirft sich der Besucher ins Gewühl bei der Wachablöse an der überdimensionalen Gedenkstätte für Chiang Kai-shek (1887-1975). Er hatte nach der Niederlage im chinesischen Bürgerkrieg die Republik Taiwan ausgerufen, die von der Volksrepublik China als Provinz betrachtet und nicht als souveräner Staat anerkannt wird. Aufgrund der schwierigen Situation folgen auch die meisten anderen Staaten der Welt bis heute dieser Politik.  

chiang Kai-shek verdankt die „schöne Insel“ ihre größte Sehenswürdigkeit, das Nationale Palastmuseum. Als er sich 1949 nach der Niederlage gegen Maos rote Truppen mit seinen Kuomintang-Gefolgsleuten nach Taiwan zurückzog, hatte Kai-shek bereits die wertvollsten Schätze des Chinesischen Nationalmuseums nach Taiwan „exportieren“ lassen. Für die Chinesen auf dem Festland ist das der größte Kunstraub der Geschichte. Andere sprechen angesichts der Vernichtungswut während der chinesischen Kulturrevolution von der größten Kunst-Rettungstat.  

Jedenfalls kommen alljährlich Heerscharen von Chinesen vom Festland ins Museum in Taipei, um die größten Schätze ihres Landes bewundern zu können. Und auch für Touristen ist der Besuch ein Muss! Zu sehen ist nur ein kleiner Teil der fast 700.000 Einzelstücke, darunter mit 34.000 Bänden aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch die größte Enzyklopädie der Welt. Hier finden sich annähernd 24.000 Gegenstände aus Porzellan, fast 4500 Bronzen, rund 4600 Kostbarkeiten aus Jade, die ältesten davon mehr als 3500 Jahre alt, Tausende seltener Bücher, Miniaturen und kostbare Elfenbeinschnitzereien.  

In den vergangenen Jahren hat sich Taiwan zu einem Paradies für Radler gemausert, überall gibt es Fahrradverleihe, eine der schönsten Strecken führt wohl um den Sonne-Mond-See südöstlich von Taichung, das mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Taipei aus in exakt 47 Minuten bequem zu erreichen ist. Das von dicht bewaldeten Bergen umgebene größte Binnengewässer Taiwans ist ein beliebtes Ziel Hochzeitsreisender. Zu den besonderen Reizen zählen ein überwältigender Panoramablick über den See vom riesigen Wenwu-Tempel, ein Ureinwohnerdorf, aber auch Bootsfahrten, Wanderwege sowie eine grandiose Aussicht von der Tze-en-Pagode („Pagode der kindlichen Pietät“). Außerdem gibt es in dem Gebiet heiße Quellen, die die Hotels zu Wellness-Oasen machen. Eine weitere Sehenswürdigkeit hat Österreich-Bezug: Die Seilbahn, deren Gondeln teilweise mit Glasboden bestückt sind und tolle Ausblicke auf den See bescheren, wurde von der heimischen Firma Doppelmayr erbaut.  

An der Südwestküste liegt das ab 1621 als niederländische Kolonialstadt errichtete Tainan, das von 1684 bis ins 19. Jahrhundert Taiwans Hauptstadt war. Die Überreste der Forts Zeelandia und Provintia erinnern noch heute an die Herrschaft der Niederländer. Ein lohnendes Fotomotiv ist das an den Indiana-Jones-Tempel Ta Prohm in Angkor Wat erinnernde Anping-Baumhaus, ein ehemaliges Lagerhaus, in das im Laufe der Jahrzehnte Banyan-Bäume gewachsen sind - die Natur hat sich das Gebäude quasi zurückgeholt.  Apropos Tempel: Davon gibt es auf Taiwan jede Menge. Vor dem Konfuzius-Tempel in Tainan kann man jeden Vormittag Gruppen beim Tai Chi beobachten, das längst auch in unseren Breiten viele Anhänger gefunden hat. Der Longshan-Tempel in Taipei ist der älteste des Landes und wird „Treffpunkt der Götter“ genannt. Tatsächlich werden hier mehr als hundert verschiedene Gottheiten verehrt, denen Opfergaben wie Früchte, Blumen, Kekse oder Raucherstäbchen dargebracht werden. Täglich beten Tausende Gläubige um einen liebevollen Ehepartner, ein gesundes Kind oder darum, eine besonders schwierige Prüfung an der Universität zu bestehen. Mein Wunsch kommt mir im Vergleich dazu eher bescheiden vor: „Bitte, lass mich bald wieder nach Taiwan kommen“

Eva Lehner, Kronen Zeitung

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