Mo, 23. April 2018

Ostergeschichte

02.04.2018 06:00

Meister Lampe und das Osternest

Sein Name ist Hase, Osterhase, und seine Lizenz zum Eierbringen wurde ihm im romantischen Biedermeier auf den braunen Balg und die langen Löffel geschrieben.

Dass Hasen keine Eier legen, weiß jedes Kind. Also hat Meister Lampe im bunten Ostertreiben keine Produzentenrolle, sondern ist Hauptverantwortlicher für die Veredelung, sprich fürs Eierfärben, und für die Logistik, sprich fürs Zustellen und Verstecken. Die Veredelung erfolgt meist in der putzigen Osterhasenwerkstatt tief drin im Märchenwald, dort, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen.

Viele kleine Langohrkinder mit Pinsel und Palette helfen ihm dabei. Für die Zustellung packt Herr Osterhase seine bunte Fracht in eine Schubkarre oder Buckelkraxe und hoppelt, ganz ohne PS-Unterstützung, nur mit der Hasenstärke seiner langen Läufe, in Haus und Garten. Er ist ein fleißiger Nachtarbeiter, denn am Morgen des Ostersonntags müssen die Eier schon gut versteckt im Osternest liegen, am besten unter Primeln und Veilchen. Die bunte Blumenwiese, das ist Romantik pur und passt wunderbar zum Osterhasen, denn er ist ein Kind des Biedermeier.

In dieser Zeit zogen sich die Menschen ins Häusliche zurück, und den Kindern erzählte man die Mär vom Osterhasen - und tut das, mit Augenzwinkern, bis heute. Doch woher kam die Anregung, gerade Meister Mümmelmann zum Osterbotschafter zu ernennen? Die einen glauben, dass er das seiner sprichwörtlichen Fruchtbarkeit zu verdanken hat, setzt er doch mehrmals im Jahr viele Häschen in die Sasse. Andere meinen, das käme von Ostara, der germanischen Frühlingsgöttin, die gern mit einem Hasen dargestellt wurde.

Die Himmelshenne als Konkurrent
Auch musste sich der Osterhase brauchtumsmäßig gegen starke tierische Konkurrenz durchsetzen. Mancherorts ist ihm das erst durch die globale Kommerzialisierung des Osterfestes gelungen, etwa gegen den Kuckuck in der Schweiz, den Osterfuchs in Westfalen, den Hahn in Böhmen. In Österreich, insbesondere in Kärnten, war die Osterhenne bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts höchst aktiv. Sie kam aus dem Himmelsblau, deshalb nannte man sie auch Himmelshenne. Sie brachte Eier und kleine Geschenke. Manchmal war sie zu müde zum Weiterfliegen und hockte am Ostersonntagmorgen mit Farbe bekleckst im Hühnerstall. Brauchtumsexperte Heimo Schinnerl: „Es war Aufgabe des Bauern, am Karsamstag die Eier zu färben. Mit der Restfarbe beglückte er noch eine Henne. Die saß dann als höchst lebendiger Beweis ihrer selbst auf der Hühnerleiter!“

Und warum werden ausgerechnet bunte Eier zum Fest verschenkt?
Eierseits, Pardon: Einerseits sind diese der Inbegriff für Fruchtbarkeit und neues Leben nach dem Winter. Anderseits gibt es eine profane Erklärung: Die Menschen nahmen einst das Fastengebot, auf tierische Lebensmittel zu verzichten, sehr ernst (frühe Veganer), und so bildete sich bis Ostern ein großer Vorrat an Eiern. Da auch heutzutage kein Mangel an Eiern besteht, wird dem fleißigen Rammler und seiner Häsin die Osterarbeit nicht so schnell ausgehen. Mögen sie noch viele schöne Osternester füllen!

Katharina Messner, Kronen Zeitung

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