Mo, 20. November 2017

Klarheit gefordert

21.10.2009 14:42

Spar-Vereinbarung zwischen Ärzten und Kasse wackelt

Auf der sprichwörtlichen Kippe ist am Mittwoch die Vereinbarung zwischen der Salzburger Ärztekammer und der Salzburger Gebietskrankenkasse bezüglich der Verschreibung möglichst kostengünstiger Medikamente gestanden. Nachdem den Apothekern von der SGKK ein Austausch rezeptierter Arzneimittel im Ausnahmefall zugestanden worden war, schaltete die Salzburger Ärztekammer auf "Rot".

"Wenn es eine Klarstellung seitens der SGKK (über diesen "Notfall", Anm.) gibt, ist das o.k. Erfolgt die Klarstellung nicht, wird es dieses Projekt nicht geben", sagte der Salzburger Ärztekammerpräsident Karl Forstner.

Hinter der Affäre stecken zwei verschiedene Diskussionen: Österreichweit hat eine Vereinbarung zwischen SGKK und Salzburger Ärztekammer für Aufsehen gesorgt. Demnach dürfen die Salzburger Kassenärzte nur noch Arzneimittel verschreiben, die sich auf einer ständig aktualisierten - gegenüber dem Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger deutlich eingeschränkten - Liste finden.

Heftige Kritik
Das hatte zu heftiger Kritik von Pharmaindustrie, Generikaherstellern und auch von der Wiener Ärztekammer geführt. Letztere befürchtet, dass in der Öffentlichkeit das Bild entstehen könnte, dass Ärzte aus Rücksichten auf ihre Honorare nicht mehr die beste, sondern nur noch die billigste Therapie verschreiben würden.

Projekt auf der Kippe
Dazu der Generalsekretär des Verbandes der Pharmazeutischen Industrie, Jan Oliver Huber: "Im Moment schätze ich die Lage so ein, dass das Projekt in der Art wie, es jetzt ist, nicht halten dürfte. Man kann ein solches Projekt nicht heimlich verhandeln und über Nacht implementieren. Das ist eine unprofessionelle Vorgangsweise." Gedacht hätte man bereits an eine Plakataktion in Salzburg. Die Pharmig lässt die Sachlage auch rechtlich prüfen.

Viele Medikamente kaum erhältlich
Weil sich auf der ersten Liste der in Salzburg auf GKK-Kosten nunmehr noch verschreibbaren Medikamente aber laut Salzburger Apothekerkammer auch kaum erhältliche Präparate befanden, gestattete die SGKK die Abgabe auch gleichwertiger Medikamente "im Ausnahmefall", wenn der Preisunterschied zum rezeptierten nicht mehr als 35 Cent beträgt.

"Ausnahmefall muss definiert werden"
Die Konsequenz: Pharmig und Salzburger Ärztekammer "witterten" ein "Aut idem"-System durch die Hintertür, der Apotheker greift nach dem bei ihm lagernden Präparat, das beim Wirkstoff dem vom Arzt rezeptierten entspricht. Das will die Salzburger Ärztekammer nicht akzeptieren. Karl Forstner: "Wir verlangen eine Klarstellung von Seiten der SGKK."

Bei der Krankenversicherung wiederum gab man sich zuversichtlich. "Was ein solcher Ausnahmefall ist, werden wir definieren", erklärte eine Sprecherin der SGKK. "Aut idem" sei nicht gemeint gewesen. Man hätte gemeinsam mit den Apothekern bloß eine Sicherstellung der Versorgung gewährleisten wollen.
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