Mi, 25. April 2018

Diagonale-Preise:

17.03.2018 21:30

Auszeichnung für „Murer“

Erfolge für das politische Kino bei der Diagonale: Als bester Spielfilm wurde„Murer – Anatomie eines Prozesses“ von Christian Frosch ausgezeichnet. „Die bauliche Maßnahme“ von Nikolaus Geyrhalter erhielt den Preis für die beste Filmdoku. Beide Werke stellen die Frage, wie Österreich auf die Probleme der Zeit reagiert.

Seit Jahren wurde der Eröffnungsfilm der Diagonale nicht mehr so heftig und breit diskutiert wie heuer: In „Murer – Anatomie eines Prozesses“ lässt Regisseur Christian Frosch die Zuseher teilhaben an der Gerichtsverhandlung gegen den Nazi-Funktionär Franz Murer – von seinen Opfern im jüdischen Ghetto wurde er nur „Schlächter von Vilnius“ genannt. Im Jahr 1963 stand er in Graz vor Gericht und wurde trotz erdrückender Beweislast freigesprochen. Nicht nur Ex-Nazis, sondern auch führende VP- und SP-Politiker hatten ihre Hand im Spiel.

Das Resultat ist ein düsterer und aufwühlender Film, der die Frage stellt, wie Österreich nach 1945 mit seiner Mitschuld an den Naziverbrechen umgegangen ist. Wohl auch weil die Antworten auf diese Frage viel weiter in unsere Gegenwart reichen, als uns das recht ist, hat der Film, obwohl er nicht als Anklage konzipiert ist, eine derartige Sprengkraft – und ist somit ein mehr als würdiger Gewinner. Noch einmal zu sehen als Abschlussfilm der Diagonale am Sonntag (20 Uhr im Grazer Schubertkino).

Ein zeitgeschichtlich brisantes Thema hat auch Nikolaus Geyrhalter im Film „Die bauliche Maßnahme“ aufgegriffen, für den er den Preis für den besten Dokumentarfilm erhielt: Darin beleuchtet er die Planungen für den – nie realisierten – Grenzzaun am Brenner, der den befürchteten Flüchtlingsstrom stoppen sollte, der letztlich gar nicht eintrat. Er zeigt darin in der für ihn typischen, vielschichtigen Art die Unverhältnismäßigkeit der Reaktion der Politik in Zeiten der populistischen Angstmacherei ebenso auf wie die grundsätzliche Bereitschaft der Menschen zu helfen. Auch dieser Film ist am Sonntag noch einmal zu sehen: 19.30 Uhr im Grazer UCI Annenhofkino.

Weitere Preisträger:
Innovatives Kino: „*“ von Johann Lurf.
Kurzspielfilm: „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ von Bernhard Wenger
Kurzdoku: „Ars Moriendi oder die Kunst des Lebens“ von Kristina Schranz
Jugendjury: „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ von Bernhard Wenger
Schnitt: Niki Mossböck für „Licht“ und „Life Guidance“ (Spielfilm) und Joana Scrinzi für „Gwendolyn“ und „Nicht von schlechten Eltern“ (Doku)
Bildgestaltung: Mariel Baquiero für „Haguzza“ (Spielfilm) und Serafin Spitzer für „Gwendolyn“ (Doku)
Sounddesign: Niklas Kammertöns für „Haguzza“ (Spielfilm) und Sergey Martynyuk für „Zu ebener Erde“ (Doku)
Ausstattung: Paul Horn (Szenenbild) und Peter Paradies (Kostümbild) für „Phaidros“
Schauspiel: Der Preis geht als Ensemblepreis an die Darstellerinnen und Darsteller von „L’Animale“ und „Cops“
Produktionsleitung: RitzlFilm für „Die beste aller Welten“ und Minifilm für „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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