Skurriler Job

Bestatter: „Der Tod ist mein Job“

Für Bestatter gehört der Tod zum Alltag. Kann man den richtigen Umgang mit dem Tod lernen? Abschalten, ohne abzustumpfen? Tagein, tagaus haben Bestatter mit Verstorbenen und den trauernden Hinterbliebenen zu tun, für die meisten Menschen unvorstellbar. Andre Hanser liegt diese Tätigkeit jedoch quasi im Blut. Bereits sein Vater war Bestatter und auch seine Brüder sind in diesem Metier tätig. „Wir behandeln die Verstorbenen immer so, als würden sie selber zuschauen“, sagt der 25-Jährige im City4U-Talk.

„Der Tod muss ein Wiener sein“ heißt es im berühmten Lied von Georg Kreisler. Trotzdem ist das Sterben auch in der österreichischen Hauptstadt noch ein Tabu-Thema. Jedoch nicht für Andre Hanser: Seit einem Jahr ist er bei der Bestattung Himmelblau im Außendienst tätig. „Davor war ich aber schon einige Male mit meinem Vater unterwegs, der diesen Beruf schon lange ausübt. Das hat mir auch sehr geholfen, denn er hat mich gut vorbereitet“, erzählt er.

#Kein Lehrberuf

Bevor die künftigen Mitarbeiter angestellt werden, müssen sie Probetage absolvieren, um zu sehen, ob sie mit dem schwierigen Thema des Sterbens umgehen können. „Neuangestellte Personen fahren immer mit einem erfahrenen Mitarbeiter mit, um direkt am Job zu lernen. Einen Lehrberuf des Bestatters gibt es nämlich nicht“, berichtet Jacob Homan, Chef der Bestattung Himmelblau. Trotz der Vorbereitung gibt es immer wieder Herausforderungen: „Es gibt natürlich sehr schwere Leichen. Bei Hausabholungen sind enge Stiegenhäuser oft schwierig zu bewältigen. Vor allem wird es unangenehm, wenn Verstorbene erst sehr spät aufgefunden werden.“ Pro Tag werden bis zu zehn Leichname abgeholt.

#Respekt und ein guter Magen

Für diese Fälle brauche man dann „einen guten Magen“. Auch gute Umgangsformen und Respekt vor den Verstorbenen sei sehr wichtig. Denn von der Abholung des Leichnams, der Erledigung aller Formalitäten über die Planung und Durchführung der Trauerfeier bis zum Waschen und Anziehen des Toten - der Bestatter ist für alles verantwortlich. „Als ich das erste Mal mit einem Leichnam in Berührung kam, war es schon ein komisches Gefühl“, erinnert sich Hanser und ergänzt: „Vor allem der Geruch war am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Zum Glück habe ich mich langsam daran gewöhnt. Heute ist der Geruch in der Regel kein Problem mehr für mich.“

#Frisur muss sitzen

Eine der schwierigsten Aufgaben des Bestatters ist sicher das Waschen und Bekleiden der Toten. „Für uns macht es keinen Unterschied, ob der Sarg beim Begräbnis offen oder zu ist. Der Verstorbene soll so hergerichtet sein, als ob er selber Gast bei dem Begräbnis wäre. Geschminkt werden die Toten selten, wir schauen aber schon, dass die Frisur ordentlich sitzt und die Augen geschlossen sind“, betont der junge Wiener. Offene Aufbahrungen seien in Österreich ohnehin eher selten.

#Es gibt besonders traurige Fälle

Trotz all der Professionalität, zur Routine wird der Beruf nie. „Es gibt natürlich Fälle, die besonders traurig sind. Vor allem wenn junge Menschen sterben. Ich kann aber relativ gut abschalten“, beschreibt Hanser. Den Fall, den er nie vergessen wird, war der, eines vierjährigen Jungen, der bei einem Unfall ums Leben kam. Durch den Beruf wurde ihm bewusst, wie schnell es gehen kann. „Zum Glück denke ich noch nicht sehr oft an meinen eigenen Tod.“ Was sind die schönen Seiten an einem Beruf, bei dessen Ausübung man die Kunden am schlimmsten Tag ihres Lebens trifft? „Wenn ich sehe, dass die Gäste einer Trauerfeier nicht nur traurig sind, sondern sich über die gelungene Verabschiedung freuen. Natürlich freut man sich auch über ein Trinkgeld.“

März 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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