Mi, 23. Mai 2018

U-Boot-Krimi

08.03.2018 16:35

Letzte SMS von Opfer: „Ich lebe übrigens noch“

In Dänemark hat am Donnerstag der aufsehenerregende Prozess rund um den Erfinder und U-Boot-Bauer Peter Madsen begonnen. Er wird beschuldigt, die schwedische Journalistin Kim Wall sexuell missbraucht und ermordet zu haben. Der Angeklagte bestreitet die Tat und präsentierte der Öffentlichkeit eine neue Theorie zum Tod des Opfers: Wall sei im U-Boot erstickt, weil sich Kohlenmonoxid darin gebildet habe. Erst danach habe er sie zerstückelt und über Bord geworfen, so der 47-Jährige. Es ist eine neue von vielen Versionen, die der Verdächtige schon verkündet hatte.

Er habe etwas reparieren wollen, deshalb einen Kompressor und zwei Motoren gestartet und sei durch eine Luke nach draußen geklettert. Die Luke habe er nicht wieder öffnen können, wohl weil sich ein Unterdruck im Boot gebildet habe. „Ich konnte Kim da unten rufen hören“, sagte er. Erst nach einer Weile habe er die Luke wieder öffnen können. Ihm sei warme Luft entgegengekommen.

Angeklagter laut Gutachten „hochgradig sexuell abartig“
Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen hält diese Version – wie auch jene zuvor – für unglaubwürdig. Die Bildung von Kohlenmonoxid sei zwar möglich, aber Spuren durch die rasche und heftige Erwärmung hätte man auch an der Leiche finden müssen. Er zitierte vor Gericht aus einem psychologischen Gutachten, wonach Madsen „extrem unzuverlässig“ und „hochgradig sexuell abartig“ sei. Der 47-Jährige weise narzissistische und psychopathische Züge auf, sei manipulativ und habe einen „schweren Mangel an Mitgefühl und Reue“.

Sperma auf Unterhose von Madsen entdeckt
Auch ein weiteres Indiz wirft kein gutes Licht auf Madsen: Ermittler fanden nach dem Tod Spermaspuren in der Unterhose des Angeklagten. Auf die Frage, wie er sich diesen Umstand erkläre, antwortete der Erfinder, dass dies eine sehr private Frage sei, „aber es ist nichts Ungewöhnliches, dass man Sperma in meiner Unterwäsche findet.“ Er hätte vor dem Ausflug mit Wall erotische Begriffe auf Google gesucht.

Der Staatsanwaltschaft zufolge suchte Madsen in der Früh des 10. August - wenige Stunden vor Walls Tod - mit den Stichworten „geköpftes Mädchen Todeskampf“ im Internet, woraufhin ein entsprechendes Video zu finden sei. Wenige Tage vorher, am 26. Juli, habe er ähnliche Videos angesehen, sagte Buch-Jepsen.

Letzte SMS des Opfers an Freund: „Ich lebe noch“
Der Staatsanwalt las am Donnerstag die letzten Nachrichten vor, die das Opfer an ihren Freund geschrieben hatte. „Ich lebe übrigens noch“, schrieb sie am 10. August um 20.15 Uhr augenzwinkernd. „Wir gehen jetzt runter. Ich liebe Dich!!!!!!“ Eine Minute später schickte sie eine letzte Nachricht: „Er hat Kaffee und Kekse mitgebracht.“

In dem Prozess sollen 37 Zeugen gehört werden, das Urteil wird für den 25. April erwartet.

Mysteriöser Todesfall und viele Unfallversionen
Der Todesfall gab den Ermittlern von Anfang viele Rätsel auf. Die schwedische Journalistin war im Sommer mit Madsen auf dessen U-Boot gegangen, um ein Interview mit ihm zu führen - und nicht mehr zurückgekehrt. Einen Tag später sank das U-Boot in der Köge-Bucht vor Kopenhagen. Madsen wurde gerettet und gab zunächst an, die Journalistin am Vorabend wohlbehalten an Land abgesetzt zu haben. Später sprach er bei Verhören von einem Unfall und erklärte, die Frau sei gestorben, weil ihr die 70 Kilogramm schwere Luke seines U-Boots auf den Kopf gefallen sei.

Journalistin vor ihrem Tod gefoltert
Laut der Anklageschrift, die am 21. Jänner komplett veröffentlicht wurde, soll Madsen Wall vor ihrem Tod gefoltert haben. Der 47-Jährige soll den Mord an seinem Opfer demnach geplant und vorbereitet haben. Madsen selbst machte in Verhören widersprüchliche Äußerungen zum Schicksal der Journalistin.

Madsen habe unterschiedliches Werkzeug mit an Bord des U-Boots genommen, darunter eine Säge, Messer und spitze Schraubenzieher. Er habe die 30-jährige Schwedin an Kopf, Armen und Beinen gefesselt, sie geschlagen, auf ihren Unterleib eingestochen und sie dann getötet, schreiben die Ermittler.

Monatelange Suche nach der Leiche
Die Polizei suchte mehrere Monate nach der toten Journalistin und fand erst den Torso, dann Kopf und Beine. Zuletzt fanden dänische Taucher Ende November in einer Bucht bei Kopenhagen einen menschlichen Arm, bei dem es sich um einen Teil der Leiche der Frau handelte. Eine Autopsie der zerstückelten Leiche brachte keine Klarheit über die Todesursache. Die Ermittler gehen davon aus, dass Madsen Wall erwürgte oder ihr die Kehle durchschnitt. Der Prozess ist bis zum 25. April angesetzt. Insgesamt 37 Zeugen sind geladen, unter ihnen Gerichtsmediziner und andere Experten.

Kim Wall arbeitete als freie Journalistin und war stets auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten. Nach ihrem Tod gründeten ihre Familie und ihre Freunde eine Stiftung in ihrem Namen. Sie soll Journalistinnen bei Auslandseinsätzen unterstützen und für deren Sicherheit sorgen. Ein erstes Stipendium soll am 23. März ausgezahlt werden, Kim Walls Geburtstag.

 krone.at
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