Fr, 17. November 2017

Lenker verärgert

14.10.2009 21:37

Massen-Crash: Mütter und Babys froren stundenlang

Nach der Massenkarambolage auf der A1 bei Thalgau kritisieren viele Autofahrer das Notfall-Management der Exekutive. Die Lenker mussten dreieinhalb Stunden bei eisiger Kälte im Stau stehen. Der Verkehr konnte nirgends abgeleitet werden. Vor allem Mütter mit Kindern froren, sie hatten Durst und Hunger.

„Ich war nur kurz in Mondsee einkaufen. Meine kleinen Töchter warteten alleine zu Hause auf mich. Ich wusste ja nicht, dass ich stundenlang nicht mehr von der Autobahn wegkomme. Es war ein Wahnsinn“, schildert eine Mutter (34) aus Thalgau. Sie war ebenso wie alle anderen Lenker nicht auf das Chaos und das lange Warten vorbereitet.

Nun kritisieren viele der knapp 2.000 Betroffenen, die von 16.55 bis 20.30 Uhr auf der A1 kurz vor Thalgau festsaßen, dass es keinen ordentlichen Notfallplan gab. Man hätte doch die Autos irgendwo ab- oder umleiten müssen. Außerdem klagen sie über fehlende Informationen.

„In einer Tour gescheppert“
„Es ist schon klar, dass niemand gerne im Stau steht. Aber die Wracks lagen kreuz und quer über alle Fahrbahnen verstreut und in der Böschung“, erklärt eine Beamtin der zuständigen Autobahnpolizei Anif. Sie und ein Kollege hatten den Massenunfall durch Zufall sogar als Zeugen mitbekommen. „Wir waren ursprünglich zu einem Crash auf der Fahrtrichtung Wien gerufen worden. Dort gab es nur Sachschaden. Dann sahen wir auf der anderen Seite eine riesige Rauchwolke. Danach hat es in einer Tour gescheppert“, berichtet die Polizistin. Die Beamten liefen sofort zum Unglücksort.

„Zuerst haben wir Hilfe organisiert. Die Rettung und ein Hubschrauber waren binnen Minuten da. In der Folge haben wir uns mit dem Sachverständigen sofort an die fotografische Dokumentation gemacht. Wir mussten gründlich arbeiten. Immerhin gab es zwei Schwer- und drei Leichtverletzte“, sagt die Beamtin. Sie klagt, dass viele Autolenker auf den Pannenstreifen gefahren sind. „Die wollten irgendwie entkommen und haben in Wirklichkeit nur die Einsatzkräfte behindert.“

Oberst Friedrich Schmidhuber, Chef der Verkehrsabteilung beim Landespolizeikommando, verteidigt das Vorgehen der Anifer Polizisten. „Das war keine Kleinigkeit. Es gab gewaltige Personen- und Sachschäden. Da muss die Schuldfrage schon genau geklärt werden. Hätten wir nur irgendwo die Möglichkeit gehabt, eine Betriebsausfahrt oder ähnliches zu nützen, dann hätten wir das auch getan. Es gab aber in dem Abschnitt nichts Derartiges“, so Schmidhuber zur „Krone“.

Windeln mitten im Chaos gewechselt
Der Mutter aus Berchtesgaden, die mit ihren zwei Kleinkindern in ihrem Auto fror, nützen diese Beteuerungen leider nichts. Sie musste inmitten des ganzen Chaos im Auto die Windeln wechseln und die beiden trösten, als sie vor Hunger und Durst zu schreien begannen.

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