So, 22. Oktober 2017

Erfolgreiche Bilanz

08.10.2009 10:49

Rikschas erobern in der ersten Saison die Stadt Salzburg

Vieles ist machbar im Leben, es gehört nur eine Portion Mut dazu: Die 31-jährige Sportwissenschafterin Claudia Seidl wurde anfangs belächelt, als sie ab Mai "Rikscha"-Fahrten durch die Stadt Salzburg anbot. Doch kurz vor Saisonschluss zeigt die Bilanz, dass die Fahrrad-Taxis sowohl von Touristen als auch von Einheimischen gut angenommen werden. Im nächsten Jahr werden die umweltfreundlichen Dreiräder bis in die späten Abendstunden durch Salzburg rollen.

Auf dem Residenzplatz, wenige Meter neben den Pferdekutschen, warten bis zu fünf Rikscha-Fahrer auf Kundschaft. Sie sind auch telefonisch abrufbereit. Nur wenn es den ganzen Tag über wie aus Kübeln schüttet, bleiben die durchtrainierten Pedalritter zu Hause. "Wir sind Nischenanbieter, eine Art Funtaxi, und weder für Fiaker noch für Taxis eine Konkurrenz", erzählt der 24-jährige Grafiker Lukas Schafflinger beim Lokalaugenschein: "Für uns Rikscha-Fahrer ist der Weg das Ziel."

Abends schmerzen die Beine
Dass der Weg mitunter anstrengend ist, vor allem dann, wenn zwei schwergewichtige Fahrgäste Platz nehmen und es bergauf geht, stecken die jungen Chauffeure mit sportivem Idealismus locker weg. Auch wenn am Abend die Beine schmerzen, wie die 22-jährige Publizistik-Studentin Veronika Dobler schilderte, und der Hunger kaum zu stillen ist. Lukas isst fünf- bis zehnmal am Tag.

Vor allem Kinder lieben die Rikscha
Mittlerweile hat sich schon eine Stammklientel herauskristallisiert: Da gibt es den Vater, der fast jeden Sonntag mit seinen zwei Töchtern eine Runde zieht. Oder den Kellner, der sich nach Hause radeln lässt. Ältere Salzburger mieten das wendige Gefährt als Gehersatz. "Manche haben ein schlechtes Gewissen, weil sie glauben, sie sind zu schwer für uns. Wir beruhigen sie und sagen: Das schaffen wir leicht mit unserer Muskelkraft", sagt Lukas. Am Ruperti-Kirtag lief das Geschäft besonders gut. Vor allem jüngere Besucher nutzten die Dreiräder als Taxi: "Für Kinder sind wir ohnehin ein Magnet."

Idealer Studentenjob
Der Nachahmeffekt zieht Kunden an. Sitzt man gemütlich in der "Loge" und lässt die Stadt zur Bühne werden, noch dazu beschallt mit Mozart-Musik, kommen Passanten auf den Geschmack. Sobald die gepolsterte Bank frei wird, sind die Nächsten zur Stelle. Zwei Italienerinnen steigen lachend beim Makartsteg ein. Sie wollen zum Hotel Europa. "Es fahren eigentlich nur lustige Leute mit. Wir selbst sind ja extrovertiert und offen", so Lukas. "Ein idealer Studentenjob", ergänzt Veronika. Die Arbeitszeit ist flexibel, der Verdienst ein gutes Taschengeld.

Überschaubare Kosten
Die Rikschas bewegen sich vorwiegend in einem Umkreis von fünf Kilometern zum Residenzplatz. Das Angebot reicht von der Minitour (zwölf Euro) und Taxifahrten (15 Euro bis zum Bahnhof) über individuelle Routen und Stadtrundfahrten (Dreiviertelstunde zu 39 Euro) bis zu Ausflugsfahrten nach Hellbrunn (25 Euro). In vielen Europäischen Städten gehört das alternative Fortbewegungsmittel bereits zum Alltagsbild.

Positive Bilanz
Claudia Seidl ist mit der ersten Saison in Salzburg "sehr zufrieden", auch wenn der Weg bis zur Genehmigung ein steiniger war und sie immer wieder an ihre Leistungsgrenze gestoßen ist. "Ich habe ein lässiges Team. Das Feedback ist positiv, wir sind in der Altstadt willkommen. Wir wollen uns auf sympathische Art in die Stadt integrieren, achten auf ein defensives Fahren ohne viel zu hupen und verzichten auf Elektromotoren."

Auch wenn die Alleinerzieherin einer dreijährigen Tochter weiß, dass in den ersten zwei Jahren nichts von ihren Investitionen übrig bleibt, hofft sie doch, dass sich der Betrieb "irgendwann lohnen wird". "Ich hab' mich hier nie zu Hause gefühlt. Jetzt ist mir die Innenstadt sehr ans Herz gewachsen. Ich bin gerne da." Ihre Zweifler hat sie längst eines Besseren belehrt. "Träum' nicht dein Leben - Lebe deine Träume!", steht auf ihrer Homepage.
(Den Link findest du in der Infobox!)
Nächstes Jahr werden die Rikschas bereits ab April bis Ende Oktober unterwegs sein, im Schichtbetrieb von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr.
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