Fr, 23. Februar 2018

Historischer Etat

13.02.2018 09:07

Trump steckt 2000 Millionen $ pro Tag in US-Armee!

US-Präsident Donald Trump hat einen Mega-Etatentwurf für das Finanzjahr 2019 an den Kongress geschickt. Das 4,4 Billionen US-Dollar (rund 3,6 Billionen Euro) umfassende Paket sieht eine weitere erhebliche Steigerung der Ausgaben für die Verteidigung vor. Rund 700 Milliarden will Trump im nächsten Jahr ins US-Militär pumpen - das entspricht rund 2000 Millionen Dollar pro Tag! Im Gegenzug sollen Programme für Ärmere, Ältere und Bedürftige radikal zusammengestrichen werden. Die Demokraten kritisierten die Pläne am Montag scharf.

Der Entwurf ist das Gegenteil von Trumps Wahlversprechen eines ausgeglichenen Haushalts. Selbst wenn alle Streichungen im Sozialbereich in Höhe von zusammen drei Billionen Dollar über einen Zehnjahreszeitraum wirksam würden, würde sich das Defizit sogar noch um sieben Billionen ausweiten. US-Präsidenten legen traditionell eigene Etatentwürfe vor, die aber in erster Linie reine Wunschkataloge sind. Trumps Plan wird in dieser Form nicht umgesetzt werden. US-Medien nannten den Vorschlag in ersten Reaktionen "Science-Fiction" oder "Dead on arrival" - eine Totgeburt.

Das Haushaltsrecht liegt beim Kongress. Dieser hatte erst vor wenigen Tagen den laufenden Haushalt mit einem Plus von 300 Milliarden Dollar über zwei Jahre verabschiedet - mit erheblichen Bauchschmerzen der Republikaner, die bisher traditionell auf Haushaltsdisziplin pochten. Dazu kommt, dass Trumps Entwurf vom Montag den jüngst verabschiedeten Haushalt zum einen noch nicht voll berücksichtigt und ihm zum anderen in Grundzügen widerspricht.

Budgetplan zeigt Schwerpunkt von Trumps Politik
Trotz der geringen Chancen unterstreicht der Plan, auf welche Bereiche die US-Regierung im Wahljahr 2018 ihre Schwerpunkte legen könnte: Verteidigung, Grenzsicherheit, Infrastruktur. Im Herbst stehen die sehr wichtigen Kongresswahlen an, bei denen Trumps Republikaner fürchten müssen, ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren.

Allein das Pentagon soll nach Trumps Haushaltsentwurf rund 700 Milliarden Dollar bekommen, insgesamt umfasst der Bereich der nationalen Sicherheit einschließlich des Grenzschutzes 716 Milliarden oder sieben Prozent mehr. Für die Mauer an der Grenze zu Mexiko sieht das Papier 18 Milliarden US-Dollar vor. Andere Ministerien müssten deutliche Abstriche machen: Das Außenministerium verlöre 27 Prozent seines Etats, die Umweltschutzbehörde EPA 37 Prozent.

Ex-Generäle gegen Pläne des Präsidenten
Vor der Veröffentlichung des Budgets hatten mehr als 150 ehemalige Generäle dazu aufgerufen, von drastischen Kürzungen im Budget des Außenministeriums und der Entwicklungshilfe abzusehen. Die Krisen der heutigen Zeit ließen sich nicht allein mit militärischen Mitteln lösen, hieß es in einem Brief, den unter anderem der frühere CIA-Chef David Petraeus sowie der ehemalige Oberbefehlshaber der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, unterzeichnet hatten.

Kürzen will das Weiße Haus auch bei Sozialprogrammen, etwa bei Medicaid. Das ist eine Gesundheitsfürsorge für Menschen mit geringem Einkommen. Die Republikaner haben seit Längerem Einsparungen bei solchen Programmen und bei Essensmarken im Auge. Das stößt auf erbitterten Widerstand der Demokraten. Die demokratische Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi, erklärte, Trumps Entwurf sei eine "brutale Sammlung" gebrochener Versprechen. Er zeige, dass der Präsident keinen Wert lege auf die Zukunft von Senioren, Kindern und arbeitenden Familien.

Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes aufgegeben
In dem Entwurf gibt Trump das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes auf - das ist eigentlich ein Kernanliegen der Republikaner. Im vergangenen Jahr hatte das Weiße Haus noch ein Plus für das kommende Jahrzehnt vorausgesagt. Mit dem nun vorgelegten Vorschlag würden bis 2028 rund sieben Billionen Schulden auf das Defizit draufgeschlagen. In dem Papier erkennt Trump stillschweigend an, dass sich die zum Jahreswechsel verabschiedete Steuerreform über einen längeren Zeitraum negativ auf die US-Verschuldung auswirkt.

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Redaktion
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