So, 17. Dezember 2017

Falsche Erwartung

30.09.2009 13:00

Tankstellenshops um bis zu 30 Prozent teurer

Einkaufen in Tankstellenshops für den täglich Bedarf kann mitunter sehr teuer sein. In Salzburg verglich die Arbeiterkammer die Preise von vier Shops, die mit Spar und Billa kooperieren und wo die Lebensmittel angeblich so preiswert sind wie im Supermarkt. "Das stimmt nicht. Viele Artikel sind um ein Drittel teurer", betonte Salzburgs AK-Präsident Siegfried Pichler am Mittwoch.

Unter die Lupe genommen wurden in der Vorwoche zwei von Spar und zwei von Billa eingerichtete Tankstellenshops. Das Ergebnis: Nur die Eigenmarken von Spar kosten genau so viel wie im normalen Lebensmittelhandel. Markenprodukte sind allerdings bis zu 20 Prozent teurer, in den Shops von Billa/Jet gar bis zu 30 Prozent. Dort kostet auch die Eigenmarke "Clever" mehr als in den Rewe-Supermärkten.

Vor allem Getränke teurer
Erhoben wurden 14 Artikel von Kaffee über Milch und Brot bis zu Tierfutter. Vor allem für die Getränke muss der Kunde tiefer in die Tasche greifen: Bei Billa/Jet ist Bier bis zu 30 Prozent teurer, das Mineralwasser kostet bis zu rund 20 Prozent mehr, die Coladose immerhin noch bis zu 18 Prozent. Grundnahrungsmittel wie Butter sind ebenfalls teurer. Sie kostet in den Spar-Tankstellenshops mit 1,99 Euro um 30 Cent mehr als im Supermarkt.

Beschäftigte unterbezahlt
"Wer bei den Tankstellenshops einkauft, muss sich bewusst sein, dass Bequemlichkeit ihren Preis hat", resümierte Pichler. Es sei auch eine Frage der Fairness und Gerechtigkeit. Obwohl diese neuen Shops mittlerweile rund um die Uhr einen Greißlerladen ersetzen würden und der Geschäftsbereich überwiegend im Handelsbetrieb liege, werden die Beschäftigten nach dem Kollektivvertrag für das Tankstellengewerbe entlohnt und damit schlechter bezahlt als nach dem Kollektivvertrag für Handelsangestellte, kritisierte Gerald Forcher, von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Die Differenz beim Einstiegsgehalt liege immerhin bei 330 Euro brutto.

Gewerbeordnung verletzt
Der Verkauf von Lebensmitteln bei Tankstellen sei ein Nebenrecht, die Verkaufsfläche sei auf 80 Quadratmeter begrenzt und die Shops dürften nur während der zulässigen Öffnungszeiten offen haben - von Montag bis Samstag seien das 72 Stunden, erklärte Forcher. Grundsätzlich habe man ja nichts gegen diese Shops, aber es werde schon allein die Gewerbeordnung verletzt, wenn es zum Beispiel statt löslichen Kaffee nun auch Bohnenkaffee gebe.

Unzumutbare Bedingungen in der Schweiz
Für den AK-Präsident ist "der Preisaufschlag nicht nachvollziehbar, wenn die Beschäftigten weniger verdienen". In Zukunft seien weit mehr Arbeitnehmer von dieser Ungerechtigkeit betroffen. Spar plane österreichweit hundert Shops und es sei naheliegend, dass Rewe und auch Hofer nachziehen würden. Damit würden flächendeckend Hunderte Shops dazukommen. Laut Pichler wurde wegen der unzumutbaren Arbeitsbedingungen bei Spar-Tankstellenshops im Frühjahr in der Schweiz gestreikt.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden