Do, 23. November 2017

10 Feuer im Februar

30.09.2009 12:53

Prozess um Brandstiftungen in Hirschwang

Wochenlang hatte im Februar eine Serie von Brandstiftungen Hirschwang im südlichen Niederösterreich (Bezirk Neunkirchen) in Atem gehalten, nun steht der Tatverdächtige am Landesgericht Wiener Neustadt dafür vor Gericht. 20 Zeugen waren am Mittwoch geladen, zahlreiche Besucher fanden sich im Schwurgerichtssaal ein.

Die Anklage warf dem Arbeiter jedoch zehn Brandlegungen im Zeitraum vom 7. bis 23. Februar vor, darunter ein Großbrand einer Lagerhalle mit einem Schaden von etwa acht Millionen Euro. Motiv war laut Staatsanwaltschaft Kummer über das Ende einer eineinhalbjährigen Beziehung im November 2008. Der Frust sei dann durch Provokationen jenes Arbeitskollegen, um dessentwillen ihn seine Freundin verlassen hatte, weiter angewachsen.

Erste Brände mit geringen Schäden
Um aufgestaute Aggressionen abzubauen, habe er beschlossen, Brände zu legen. Die Serie begann vom 7. auf 8. Februar mit Bränden einer Mülltonne, in einem Keller und im Dachgeschoß von Wohnungen, die sich aber durch den raschen Einsatz der Feuerwehr nicht weiter ausdehnten und relativ geringen Schaden verursachten. Nach dem Großbrand der Lagerhalle am 10. Februar, den 280 Feuerwehrleute aus dem ganzen Bezirk zu bekämpfen versuchten, wurde der Fahndungsdruck stärker, die Firma setzte eine Belohnung für sachdienliche Hinweise auf den Täter aus.

Richterin ergründet Stimmungsbild im Ort
Richterin Borns ging es in ihrer Zeugenbefragung ab Mittwochmittag darum, das damalige Stimmungsbild im Ort zu ergründen. Zunächst seien die Feuer natürlich ständiges Gesprächsthema gewesen, man hatte ein "ungutes Gefühl", aber niemand konkret in Verdacht, meinte ein Zeuge. Nach dem Großbrand der Lagerhalle habe sich ein gewisser Zorn in der Bevölkerung breit gemacht, man hatte Angst um die Jobs in der Firma, einem großen Arbeitgeber in der Region.

Feuerwehrkommandant: "Er war Supermann"
Der stellvertretende Feuerwehrkommandant gab an, den Angeklagten "von Kind auf" zu kennen. "Er war ein Supermann", sagte er über dessen Einsatz für die Feuerwehr. Verdächtiges sei ihm im Zuge der Brandserie nicht aufgefallen, der Angeklagte war bei allen Einsätzen dabei, beim Großbrand sogar mit Atemschutz einer der ersten, die die verqualmte Lagerhalle in Augenschein nahmen. Dass der 23-Jährige dann als mutmaßlicher Brandleger ausgeforscht wurde, "hat mir wehgetan", sagte der Zeuge. "Warum?" wollte Borns wissen. "Weil's ein Feuerwehrmann war."

Arbeitskollege brach nach Vorfällen mit Angeklagtem
Ein 24-Jähriger war nicht nur ein Arbeits- und Feuerwehrkollege des Angeklagten, sondern auch dessen Freund – "zumindest bis zu dem Vorfall", meinte er. Auch ihm sei von den Löscharbeiten nichts Auffälliges in Erinnerung, erst nach dem Brand im Feuerwehrhaus habe er gehört, dass der 23-Jährige dessen Verursachung zugab. Der Angeklagte habe ihm in dieser Zeit leidgetan, weil er von den Ermittlern gleich mehrmals einvernommen wurde. Der Zeuge selbst wurde von der Polizei damals nur einmal befragt.

23-Jähriger verfolgt Prozess ruhig und emotionslos
Nach seiner Ausforschung hatte sich der Verdächtige zu den "kleineren" Bränden geständig gezeigt. Tage später gab er nach damaligen Polizeiangaben auch zu, für das Feuer in der Lagerhalle verantwortlich zu sein. Heute verfolgte er ruhig und emotionslos wirkend die Zeugenaussagen. Seitens des Gerichts war geplant, die Befragungen am Nachmittag abzuschließen. Ein Urteil wird dennoch erst für den Donnerstag erwartet.

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