Do, 23. November 2017

Waffe als Belastung

29.09.2009 14:28

Jeder 4. Salzburger Polizist ist Burn-out-gefährdet

23 Prozent der Salzburger Polizisten sind Burn-out-gefährdet. Das ist das Ergebnis einer Studie des unabhängigen Marktforschungsinstituts Karmasin, die von der Polizeigewerkschaft in Auftrag gegeben wurde. Noch vor Kurzem hatte das Innenministerium die Durchführung einer solchen Studie verboten. Nun sollen die Zuständigen die Dramatik der Situation erkennen und endlich reagieren, forderten am Dienstag Polizeigewerkschafter und Personalvertreter bei einer Pressekonferenz in Salzburg.

Im Gegensatz zu anderen Berufen sei bei Salzburger Exekutivbeamten das Risiko, an diesem psychosomatischen Leiden zu erkranken, überdurchschnittlich hoch, erklärte Motivforscherin Sophie Karmasin. Der durchschnittliche Anteil an Burn-out-gefährdeten Personen liege hingegen bei 19 Prozent." Als besonders gefährdet bezeichnete sie Polizisten, die bereits mehr als 20 Jahre im Dienst beziehungsweise in einer nicht leitenden Position sind.

Mehr Krankenstände
Fast 90 Prozent der gefährdeten Beamten fühlen sich am Ende des Tages verbraucht. Jeder fünfte Betroffene geht mit mehr als 20 Tagen auch länger in den Krankenstand. "Viele wollen diese Krankheit nicht preisgeben und melden sich mit anderen Symptomen", erklärte Hermann Greylinger, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft Österreich.

Seit fast drei Jahren forderten die Gewerkschafter eine Burn-out-Studie für das Bundesland Salzburg. Doch dann kam ein negativer Bescheid aus dem Innenministerium, hieß es. "Endlich liegt die Wahrheit auf dem Tisch. Jetzt wissen wir, warum Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) uns verbieten wollte, selbst eine Studie in die Wege zu leiten", sagte Greylinger. Die Online-Befragung an 1.400 Salzburger Polizisten - 577 Fragebögen wurden anonym zurückgeschickt - könne zwar österreichweit nicht eins zu eins umgelegt werden. "Den Polizisten in den anderen Bundesländern geht es auch nicht besser. Die Alarmglocken schrillen mehr als je zuvor."

Die Studie wurde nach dem "Maslach Burn-out Inventory" (MBI) evaluiert, "das bis heute gängigste Messinstrument zur Erfassung dieser Krankheit", erläuterte Karmasin. Als Burn-out-gefährdet werden alle Personen eingestuft, die in hohem Ausmaß erschöpft und zynisch sind - laut Karmasin zeigt hier schon jeder zweite Polizist eine hohe Ausprägung - und deren berufliche Leistungsfähigkeit gering ist.

Zu den wesentlichsten Faktoren für Burn-out zählen die unterschiedlichen Anliegen, mit denen sich die Polizisten konfrontiert sehen, weiters das Einschreiten bei Problemen, um für Ruhe zu sorgen, sowie die vielen unvorhergesehen Situationen und die hohe Verantwortung. "Der Alltag eines Polizisten hat vorwiegend mit unerfreulichen Dingen zu tun. Umso mehr braucht es eine Wertschätzung als Gegengewicht", sagte Franz Ellmauthaler, Vorsitzender der Polizei-Personalvertretung in Salzburg.

Waffe als hohe Belastung
92 Prozent der Burn-out-Gefährdeten fühlen sich durch den bürokratischen Aufwand belastet, ebenfalls 92 Prozent bezeichneten ihre Bewaffnung als hohe Belastung. Eine Waffe zu tragen sei an sich nicht das Problem, sondern das Gefühl, sie einsetzen zu müssen. "Seit Mai gab es 27 tätliche Angriffe auf Polizisten in der Stadt Salzburg, dabei sind 16 verletzt worden", zeigte Ellmauthaler auf. Die Gewerkschafter forderten einmal mehr die personelle Aufstockung der Dienststellen: Im Bundesland Salzburg würden 150 bis 200 Polizisten fehlen, dieser Fehlstand ziehe sich quer durch ganz Österreich, wurde betont.

Symbolbild

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