Fr, 23. Februar 2018

Arbeitstier

10.02.2018 22:34

SsangYong Rexton: Möge die Macht günstig sein!

Es gab Zeiten, da war der Multipla Fiat ein Schönheitskönig im Vergleich zu einem SsangYong. Dann kam das Designstück SsangYong Tivoli - und jetzt schmeichelt sogar das mächtige Flaggschiff, der Rexton, dem Auge. Dem Bankkonto sowieso, denn er bietet eine geradezu monolithische Menge Auto zu einem Preis, der zwei Klassen darunter liegt.

Der praktisch vollausgestattete Testwagen kommt auf lediglich gut 50.000 Euro - ein Hammer in der Größenklasse von Mercedes GLE oder auch BMW X5! Da darf man sich natürlich keine Hightech-Sänfte mit Edelanmutung erwarten. Der auf 4,85 Meter Länge und 1,83 Meter Höhe gewachsene Koreaner hat zwar beim Modellwechsel an Flair gewonnen, dennoch ist er eher das kernige Arbeitstier, trotz Nappaleder, das am Armaturenbrett in großen Karos versteppt ist.

Robustes Zugpferd
Technisch stammt der Rexton aus einer Zeit, als Allradautos noch echte Offroader waren: Sein Stahlleiterrahmen macht ihn robust, der optionale Allradantrieb ist per Drehknopf zuschaltbar und ein Dreh weiter aktiviert sogar eine Geländeuntersetzung. So muss man am Ende der Straße also noch lange nicht Halt machen, sondern kann entspannt die Bodenfreiheit von 22,4 Zentimeter auskosten, jedenfalls wenn das manuelle Sechsganggetriebe verbaut ist. Mit der von Mercedes-Benz zugelieferten Siebengangautomatik sind es nur 20,3 Zentimeter, allerdings erhöht diese Kombination die Zuglast auf satte drei Tonnen - und früher oder später werden es auch in Österreich 3,5 Tonnen sein, denn das ist der Wert, der jetzt schon in Deutschland und der Schweiz gilt.

In Anbetracht seiner Konstruktion ist das SUV relativ leicht: Der Testwagen wiegt 2105 kg (nach DIN).

Leiterrahmen, nicht Leiterwagen
Auf der Autobahn geht es so robust zu, wie man es mit Leiterrahmen erwartet. Die Assoziation ist eher Leiterwagen als Oberklasse, so wie der Wagen über Bodenunebenheiten hoppelt, obwohl die Allradler grundsätzlich über eine Multilink-Hinterachse mit Einzelradaufhängung verfügen. Ich möchte gar nicht wissen, wie sich das in der Heckantriebsversion mit Starrachse anfühlt.

Die Lenkung hinterlässt einen durchwachsenen Eindruck. Sie ist leichtgängig und bei gemächlicher Fahrt "eh okay", aber kein Wunder an Rückmeldungsfreude. Bei schnellerer Autobahnfahrt neigt sie jedoch dazu, eine Art Eigenleben zu entwickeln, das sich nicht sonderlich vertrauenerweckend anfühlt. Grobe Unebenheiten, wie auf tschechischen Autobahnen erlebt, können dem Fahrer das Lenkrad aus der Hand schlagen.

Ladehalle als Kofferraum
Hinter der (optional automatisch aufschwingenden) Heckklappe verschwinden fast zwei Kubikmeter Ladung, wenn die Rückbank umgeklappt ist. Bei Fünfsitzerbestuhlung passen 820 Liter in den Kofferraum. Es gibt auch die Option, den Rexton mit einer zusätzlichen, einklappbaren Sitzbank für zwei weitere Mitfahrer zu bestellen.

Auf den Plätzen in Reihe zwei gibt es eine 220-Volt-Steckdose, aber angesichts der Fahrzeuggröße relativ wenig Platz: Es mangelt an Kniefreiheit. In einem BMW X1 beispielsweise ist es hinter den Vordersitzen auch nicht enger. Vorne kommen auf den bequemen Sesseln hingegen keine Klagen auf, wozu auch beiträgt, dass SsangYong für jede Menge Ablagemöglichkeiten gesorgt hat.

Infotainment altbacken, aber…
Die durchaus wertigen Materialien im Innenraum versprühen insgesamt dann doch günstigen Korea-Charme. Wenn man nach dem Einsteigen die Kakophonie aus Piepstönen überstanden hat (Türe schließen und anschnallen hilft), dauert es etwas, bis man sich zurechtfindet. das Bediensystem wirkt angestaubt und undurchdacht. Am besten schließt man einfach sein Handy an - Apple CarPlay funktioniert wunderbar und auf dem geteilten 9,2-Zoll-Display (Serie: acht Zoll) sogar parallel neben dem SsangYong-Navigationssystem. Nur zwei Dinge fallen wirklich negativ auf: Der Blinkerhebel ist zu weit vom Lenkrad weg und wenn man die Freisprecheinrichtung benutzt, wird man von seinem Gesprächspartner schlecht verstanden, zumal es während der Fahrt naturgemäß nicht herausragend leise (wenn auch leiser als früher) zugeht. Das wird viele Fahrer dazu verleiten, das Handy ans Ohr zu halten.

Ein Motor für alle
Der 2,2-Liter-Diesel - die einzige Motorisierung - stammt aus dem Vorgänger, leistet aber statt 178 jetzt 181 PS. Damit kann man  zwar kein Rennen gewinnen (Null bis 100 in knapp zwölf Sekunden), aber dank 420 Nm ab 1600/min. Bäume ausreißen. Laut Tacho läuft der Rexton über 190 km/h, er übertreibt aber. Tatsächlich beträgt das Höchsttempo 181 km/h, was sich relativ leicht anhand der im Navi-Display eingeblendeten GPS-gemessenen Angabe feststellen lässt. Der Normverbrauch beträgt 8,1 l/100 Kilometer, zehn Liter sind realistisch.

Ausstattung vielfältig, aber nicht up to date
Der Grundpreis für den manuell geschalteten, heckgetriebenen SsangYong Rexton beträgt 36.900 Euro. Zur Basisausstattung gehören Tempomat, Verkehrszeichenanzeige, Notbremse, Spurhaltepiepser, LED Tagfahrlicht, Xenonscheinwerfer, Zweizonen-Klimaautomtik, Bluetooth oder auch Rückfahrkamera. Und fünf Jahre (oder 150.000 Kilometer) Garantie. Allradantrieb gibt es ab 41.600, mit Automatik ab 44.600 Euro. Der Testwagen in der Topausstattung Icon kostet 50.900 Euro und bringt unter anderem Lenkradheizung, 9,2-Zoll-Navi, Apple CarPlay und Android Auto, vorne und hinten beheizbare Nappaledersitze, Panoramakameras, Querverkehrsassistent, Totwinkelwarner und verchromte 20-Zoll-Felgen mit.

LED-Scheinwerfer, Adaptivtempomat oder einen Parkassistenten sucht man vergeblich, ebenso eine Stopp-Start-Automatik.

Unterm Strich
Wer ein kostengünstiges Arbeitstier fürs Gelände oder den Einsatz mit schweren Anhängern sucht, aber außer den faktischen keine großen Ansprüche stellt, ist beim SsangYong Rexton richtig. Der Sprung, den er beim Modellwechsel gemacht hat, ist beachtlich. Der Werbespruch ist aber übertrieben: "Rexton heißt, das Beste wählen."

Warum?
Richtig viel Auto fürs Geld
Riesiger Kofferraum
Allradantrieb mit Untersetzung

Warum nicht?
Fahrverhalten kann mit anderen Autos seiner Größe nicht mithalten
Allradantrieb sorgt auf trockener Straße für Verspannungen im Gebälk

Oder vielleicht …
… Land Rover Discovery, Hyundai Santa Fe, Ford Edge

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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