Do, 26. April 2018

Anklage wegen Mordes

06.02.2018 06:30

„Trio wollte Krenn ausrauben und töten“

Der Musiker Richard H. (24), seine Ex-Freundin Anna M. (20) und der Wirt Robert S. (29) sollen den reichen Salzburger Roland Krenn (63) getötet haben: Laut der Anklage mit einer Kombination aus Schlaftabletten, Alkohol und den Fesselungen. Offenbar wollten sie mit dem Geld des Mordopfers „ein schönes Leben“ führen.

Mit der Anklageerhebung durch Staatsanwältin Sabine Krünes zieht die Behörde einen Schlussstrich in den Ermittlungen rund um den aufsehenerregenden Mordfall – siehe unten. Im Zentrum der Vorwürfe stehen drei Verdächtige, alle unter 30 Jahren: Der Flachgauer Musiker H. und Verkäuferin M. sollen den Mord an Krenn verübt haben, der oberösterreichische Wirt S. soll der Anstifter gewesen sein. Weiters wird dem Trio versuchter Raub und teils schwerer Einbruchsdiebstahl vorgeworfen.

Die Tötung und die fehlende Todesursache

In den Abendstunden des 19. Juli 2016 dürfte der vermögende Exzentriker, der Steiff-Teddys und Oldtimer sammelte, seinen letzten Atemzug gemacht haben: H. und M. luden Krenn damals zu einem Essen zu sich nach Obertrum ein. Dort servierten sie ihm selbstgemachte mit Schlaftabletten gefüllte Pralinen, sowie  Alkohol. Als Krenn betäubt war, sollen sie ihn in sein Auto – ein Dodge Nitro – geladen und ihn in seine Salzburger Villa gebracht haben. Nachdem sie ihn fesselten und den Mund zuklebten, soll H. seine damalige Freundin heim gebracht und danach wieder zurück nach Hellbrunn gefahren sein. Dort fand H. Krenn laut Anklage tot vor. Einen Stoffsack soll er danach über dessen Kopf gezogen und ihn mit Leinentüchern und Stoffplanen verpackt wieder ins Auto gehievt haben. Tage später soll H. mit S. den leblosen Körper in einem Stall in Haigermoos versteckt haben, zuvor sollen sie noch die Villa ausgeräumt haben: neben Wertsachen auch Teddybären, in denen Gold versteckt war.

Eine nachgewiesene Todesursache gibt es nicht: Diese war „aufgrund weit fortgeschrittener innerer und äußerer Leichenfäulnis höchstgradig erschwert bzw. unmöglich“ festzustellen, so die Gerichtsmedizin. Denkbar: gewaltsames Ersticken. Laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Barbara Fischer, dürfte eine Kombination von Schlaf-Pillen mit Alkohol, den Fesselungen und Knebelungen sowie dem Zurücklassen Krenns dessen Tod bewirkt haben.

Reichtum als Motiv

Die Staatsanwältin sieht Krenns Reichtum – er war ein Erbe des ÖWD-Gründers – als Motiv: H. war offenbar ein derart guter Freund, dass Krenn ihn zum Erben machen wollte. Die schwerwiegendsten Beweise sind die Ruf- und Standortdaten der Handys der Verdächtigen: Jene 109 SMS zwischen H. und S. rund um die vermeintliche Tatnacht,  M.s googeln nach dem Medikament  sowie die Vertuschungs-Nachrichten bzw. Anrufe von H., die er mit Krenns Handy tätigte.

Vor allem H. zeigte sich redselig: Nach seiner Festnahme  verriet er den Leichenfundort, erzählte der Kripo mehrere aber auch widersprüchliche Versionen  und belastete die anderen zwei. Und: Er gab den Plan, Krenn auszurauben, zu.  Er ist auch  der Einzige, dem  – neben einer Haftstrafe – eine Einweisung in eine Anstalt droht: „Psychopathische“ Züge stellte die Neuro-Psychiaterin fest und erklärte ihn für gefährlich.

Sein Anwalt, Franz Essl, widerspricht der Staatsanwältin: „Gemeinsam geplant war ein Raub. Der Tod wurde fahrlässig herbeigeführt, er war  nicht gewollt.“ Der Anwalt von Anna M., Kurt Jelinek, sagt: „Ich bin überzeugt, dass die Unschuld meiner Mandantin rauskommt.“ M. bestreitet (wie auch S.) von Beginn an alles. Ihr drohen 1 bis 15 Jahre Haft, bei H. und S.  reicht der Rahmen von 10 bis 20 Jahre oder  lebenslang.  

Nun folgt der Prozess

Sollten die Verteidiger keinen Einspruch erheben, wird die Anklage rechtskräftig – dann ist das Landesgericht am Zug. Der Akt liegt bei Jugend-Richter Christian Ureutz aufgrund des Alters der Jüngsten. Für den Prozess – ein Termin steht frühestens in zwei Wochen fest – werden  Fischer vier Sachverständige (drei Gerichtsmediziner und Neuro-Psychiaterin Adelheid Kastner) sowie acht Zeugen geladen. Weitere können beim Prozess beantragt werden. Krenns Schwestern haben sich mit ihrem Anwalt Stefan Rieder (Weißer Ring)  angeschlossen.

Antonio Lovric
Antonio Lovric

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