Fr, 23. Februar 2018

Adrian Goiginger:

03.02.2018 17:47

Als nächstes verfilmt er Leben seines Urgroßvaters

Adrian Goiginger räumte gerade beim Österreichischen Filmpreis mit „Die beste aller Welten“ groß ab: Und er arbeitet schon längst an einem neuen Drehbuch. Es wird eine Zeitreise zurück in den Pinzgau der Zwischenkriegszeit: Sein Uropa lebte in Saalfelden in bitterer Armut. Er interviewt dafür gerade auch Zeitzeugen.

„Ich habe mit 14 Jahren begonnen meinen Urgroßvater mit einem Diktiergerät aufzunehmen“, erzählt Adrian Goiginger, dass ihn die Geschichten immer schon bewegten. Je älter Franz Streitberger wurde, desto lieber erzählte er vom Krieg und vom schweren Leben damals. Er starb erst 2017 im Alter von 99 Jahren.

Und Adrian Goiginger beschäftigt sich nach „Die beste aller Welten“ (seine eigene Mutter war drogenabhängig) wieder mit den eigenen Wurzeln.

Als sechsjähriger Bub war der Uropa von seinen Eltern an einen Bauernhof in Saalfelden abgegeben worden, weil sie bitterarm waren und neun Geschwister nicht ernähren konnten. Bewegend: In einem Gespräch erzählte er ihm einmal über seinen ungewöhnlichen Begleiter, der ihm Kraft gab: Als junger Soldat war ihm ein Fuchswelpe zugelaufen. Im Film will Goiginger mit einem echten Fuchs arbeiten. „Das ist möglich. Es gibt eigene Tiertrainer.“

Zusätzlich führt er gerade viele Gespräche mit Zeitzeugen (die älteste war 102 Jahre), sammelt Fotografien aus den Zwischenkriegsjahren, Zeitungsausschnitte und Tagebucheinträge. Es kommt in den Gesprächen auch Erstaunliches zu Tage: „Die Erinnerungen an Hitlers Einmarsch sind bei den meisten noch sehr lebendig.“ Es sei der Blick aus dem zeitlichen Kontext heraus wichtig. „Wir wissen heute ja, dass es ein unglaublicher Verrat war. Damals hatten alle Hoffnung.“

Die Nationalsozialisten waren schon vor dem Anschluss im Pinzgau aktiv: Einmal soll sogar stundenlang ein Hakenkreuz in der Schneegrube am Steinernen Meer gebrannt haben. Er hat mit Zeitzeugen gesprochen, die das selbst beobachtet haben. Und dann gibt es auch die vielen persönlichen Betroffenheiten: Die unglaubliche Armut der Knechte und Mägde. „Eine Frau hat mir erzählt, dass sie nicht einmal einen eigenen Löffel hatte.“

Er plant keinen Kriegsfilm, keine Action, sondern ein „emotionales Drama“.

Adrian Goiginger zählt jetzt schon zu den bekanntesten Salzburger Filmemachern überhaupt: „Seit ,Die beste aller Welten’ werde ich ernster genommen“, lacht er und schafft in seinen Filmpropjekten den Spagat aus persönlicher Betroffenheit und gesunder Distanz.

Die Drehorte für seinen neuen Film sind noch offen. Wenn es die Filmförderung des Landes möglich macht, ist der Pinzgau erste Wahl.

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann
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