Fr, 23. Februar 2018

„Beweise entlasten“

03.02.2018 07:40

Knalleffekt: Ex-Botschafter aus U-Haft entlassen

Diese Familientragödie hat ganz Österreich erschüttert: Am 3. Jänner tötete eine 37-Jährige im Wiener SMZ Ost ihren acht Monate alten Sohn. Vermutlich in einem psychotischen Zustand – die Frau dachte, ihre Tochter (4) sei vom Opa, einem Ex-Botschafter, missbraucht worden. Nach einem Monat in U-Haft kam der Mann jetzt frei.

Nach einem Familienweihnachtsessen soll das Mädchen seiner Mutter von den Übergriffen erzählt haben. Der Großvater hätte die Kleine mit einer Art Stab zu sexuellen Handlungen genötigt und dabei gefilmt, so dann die Annahme der Frau. In dieser seelischen Ausnahmesituation ließ sie sich mit ihren Kindern in das Spital einweisen – wo sie ihren Buben erstickte und einen Suizidversuch beging.

Hinweise auf suggestive Befragung
Der mit massiven Vorwürfen konfrontierte Opa hatte immer seine Unschuld beteuert. Jetzt steht fest: Sämtliche Ermittlungen bestätigen seine Angaben. Auf keinem der in seiner Wohnung sichergestellten möglichen Tatwerkzeuge wurden DNA-Spuren des angeblichen Opfers gefunden, gynäkologische Untersuchungen brachten kein belastendes Ergebnis, auch Videos existieren nicht. Und die Justiz hat Hinweise, dass die 37-Jährige ihre Tochter suggestiv befragt hat – wodurch der Verdacht gegen den Ex-Botschafter entstand.

Am Donnerstag durfte der 69-Jährige seine Zelle in der Justizanstalt Josefstadt verlassen. "Meinem Mandanten war immer klar, dass letztlich alle Beweise für ihn sprechen werden", so sein Anwalt Rudolf Mayer. "Die Zeit in der Haft hat er gut überstanden. Was ihm schwer zu schaffen macht, ist der Tod seines Enkelsohns." Die Mutter des Buben befindet sich in einer Psycho-Klinik, Gerichtsgutachter Peter Hofmann soll nun klären, ob sie bei ihrer Tat zurechnungsfähig war.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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