Di, 20. Februar 2018

"Serviced Apartments“

01.02.2018 10:00

Neuer Wohntrend: Kurzzeit-Wohnungen

Geschäftsreisende zieht es immer häufiger in „Serviced Apartments“: Kurzzeit-Wohnungen für ein paar Wochen oder Monate, in denen man sich in der fremden Stadt ein wenig wie zu Hause fühlen kann. Wohnen auf Zeit mit dem gewissen Extra: Auch in Wien werden sogenannte „Serviced Apartments“ immer beliebter.

In der modernen Arbeitswelt ist bekanntlich Flexibilität gefragt. Große internationale Firmen operieren von mehreren Standorten aus, die über die ganze Welt verstreut sind. Dementsprechend mobil müssen Arbeitskräfte heutzutage sein. Mitarbeiter werden für einige Monate zu einer Außenstelle beordert, um dort ihren Job zu machen. Vor Ort brauchen sie natürlich eine Wohnung. Vermutlich ziehen sie in eines der vielen neuen Serviced Apartments, eine – meist ziemlich – kleine möblierte Wohneinheit mit dem gewissen Extra: Zimmerreinigung, Waschküche und moderner Fitnessraum im Haus, gratis W-LAN sowie ein paar weitere Annehmlichkeiten, die für den urbanen Gast von heute eben zum Standard gehören.

Mix aus Wohnung und Hotel
Ein Serviced Apartment ist eine Mischung aus eigener Wohnung und Hotel, mit vielen Vorteilen für die Zielgruppe: All jene Personen, die länger bleiben wollen als ein paar Tage, ohne ihre Zelte gleich ganz in der Stadt aufzuschlagen. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um „Expats“ und Geschäftsreisende. Auch Universitätsdozenten mit einer zeitlich begrenzten Gastprofessur befinden sich unter den Gästen. Oder Handwerker, die bei einer Großbaustelle im Einsatz sind, Künstler mit einem mehrwöchigen Engagement oder Fußballspieler, die bei einem Bundesligaclub unterkommen wollen.

Ein guter Teil der Kurzzeit-Mieter stammt aus dem Ausland, doch es kommen auch viele Gäste aus den Bundesländern. Und dann ist da noch jene Gruppe von Einheimischen, die kurzerhand eine neue Bleibe in der eigenen Stadt suchen – beispielsweise nach einer Trennung. Das sind gar nicht so wenige, erzählen Apartmentvermieter.

Internationaler Trend
Gewerbliches Wohnen ist bereits längere Zeit ein internationaler Trend am Immobilienmarkt – seit einigen Jahren auch in Österreich. Die kurzfristigen Vermietungen sind angesichts der recht zahlungskräftigen Klientel einträglich. Außerdem kann der erhöhte Bedarf nach derartigen Wohnmöglichkeiten über den „normalen“ Immobilienmarkt gar nicht gedeckt werden. Für die meisten Mietwohnungen gilt nämlich eine Mindestmietdauer von ein bzw. drei Jahren. Zudem sind diese Wohnungen meist unmöbliert, zusätzlich fallen Maklerprovisionen an.

Hier kommen die Serviced Apartments ins Spiel – als ideale Lösung für Kurzzeit-Mieter. Ähnlich wie ein Hotelzimmer, ist das Serviced Apartment ohne großen bürokratischen Aufwand sofort bezugsfertig. Egal ob winzige Garçonnière oder luxuriöses Mehr-Zimmer-Apartment: Die Gäste checken ein und erhalten umgehend ihre Schlüssel. Auch kommt ein Hotel als längerfristige Unterkunft meist teurer und kann nur selten die Behaglichkeit einer autarken Wohneinheit bieten.

Tausende Apartments
Das Angebot an Serviced Apartments in Österreich ist mittlerweile beträchtlich. Längst gibt es in allen größeren Städten des Landes zahlreiche Möglichkeiten zum Kurzzeit-Wohnen. Im Internet finden sich eigene Portale zum Trendthema, auf Buchungsplattformen ist diese Wohnform manchmal auch unter der Kategorie „Ferienwohnung“ gelistet.

Die günstigsten Monatsmieten bewegen sich irgendwo zwischen 700 und 800 Euro. Im Regelfall liegen die Preise etwas darüber – um die 1000 bis 1200 Euro monatlich. Strom und Heizung sind normalerweise bereits inkludiert. In vielen Häusern gilt eine Mindestmietdauer von mehreren Tagen. Wer länger bleibt, zahlt weniger. Viele Gäste verweilen für mindestens vier Wochen, einige ziehen erst nach sechs Monaten wieder aus. Aus rechtlichen Gründen vermieten die meisten Häuser ihre Apartments auch gar nicht länger als ein halbes Jahr.

Kampf um die begehrten Plätze
Die Nachfrage nach servicierten Wohnmodellen ist natürlich nicht unbegrenzt, und Experten gehen davon aus, dass der Markt in Wien in absehbarer Zeit gesättigt sein wird. Noch aber ist es nicht so weit und es wird munter gebaut und projektiert.

Die IG Immobilen, eine Tochtergesellschaft der OeNB, hat mit dem Orchideen Park in Döbling eines der ersten Boarding Houses (wie die schicken Business-Apartment-Hotels auch genannt werden) in Wien errichtet. Mit der Campus Lodge in Stadionnähe wurde im Jahr 2013 ein zweiter Standort eröffnet, im März 2018 folgen acht weitere, hochwertig ausgestattete City Apartments in der Wiener Innenstadt bzw. in zentrumsnahen Lagen.

Auch das Österreichische Siedlungswerk (ÖSW) ist ein Pionier auf dem Gebiet – mit einem breiten Angebot an Serviced Apartments für die etwas kleinere Brieftasche an drei Standorten in Wien. Weitere Projekte sind in Planung bzw. stehen unmittelbar vor der Fertigstellung. Darunter rund 100 Apartments im HOCH 33 am Monte Laa oder die sogenannte „Music Box“ am Arsenalsteg mit Wohnstudios speziell für Musikschaffende. Neben einigen kleineren Betreibergesellschaften, haben in jüngerer Zeit auch internationale Unternehmen Wien als interessanten Standort für sich entdeckt. Visionapartments aus der Schweiz zum Beispiel, ein Konzern mit weltweit 9000 Serviced Apartments in 70 Städten. Oder die deutsche GBI AG, deren „Smartments Business“-Haus beim Wiener Hauptbahnhof erst vor wenigen Tagen eröffnet wurde.

Günther Kralicek, wohnkrone.at

 krone.at
Redaktion
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