Mutter-Kind-Heim

Gegen alle Widerstände: Lernen, eine Mama zu sein

20 Mütter leben im Mutter-Kind-Haus Luise der Caritas im 15. Bezirk. Die meisten von ihnen werden zwei Jahre hierbleiben. Eine Zeit in der sie mithilfe von Betreuern lernen, richtig mit ihren Kindern umzugehen, ihre finanziellen Probleme zu regeln, ihren Abhängigkeiten abzuschwören und sich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Die meisten Frauen suchen sich Hilfe in dieser Form jedoch meist erst dann, wenn sie wirklich keinen anderen Ausweg mehr sehen - trotzdem gibt es Wartezeiten.

Alle Frauen leben mit ihren Kindern in einer eigenen Wohnung mit Badezimmer und Küche. Das Besondere am Haus Luise ist, dass auch ganz "normale" Mieter in dem Mehrparteienhaus leben. Dadurch fühlen sich auch die MUKI-Bewohnerinnen wohler. Die häufigsten Gründe für Frauen, in ein Mutter-Kind-Haus zu ziehen sind nach einer Trennung, dem Rauswurf von sehr jungen Mamas bei den Eltern oder wenn sie in prekären Wohnsituationen sind und Angst davor haben, dass das Jugendamt ihnen die Kinder wegnimmt.

#Die gleiche Situation

Sabine ist 41 Jahre alt und lebte vor zehn Jahren schon einmal in einem Mutter-Kind-Haus der Caritas. Für sie wiederholt sich die Geschichte: "Damals war es die gleiche Situation wie heute. Ich habe mich von meinem Mann getrennt und stand ohne Wohnung da. Bevor ich hierherkam war ich zwei Monate lang mit meinen Kindern auf der Flucht", erzählt sie mit starker Stimme. Ihre drei jüngsten Kinder sind drei, zehn und 13 Jahre alt. Auch für sie ist das Haus Luise ihr neues Heim auf Zeit. Alle vier würden sich wohl fühlen. Diesmal wäre es leichter: "Damals wollte ich nicht zugeben, dass ich Hilfe brauchte. Da ich die Erfahrung aber schon gemacht habe, ging ich diesmal viel gelassener an das Ganze heran."

#Die meisten hatten es nie leicht

Dass sich auch die Kinder hier zu Hause fühlen, zeigt vor allem die große Tochter. "Meine 13-Jährige hat sogar schon Schulfreundinnen mit hergebracht", freut sich Sabine. Das ist nicht selbstverständlich. "Viele Mütter und Kinder schämen sich auf Grund der Armut. Da bei uns aber auch andere Mieter leben und jede kleine Familie ihre eigene Wohnung hat, merkt man aber nicht sofort, dass es sich um eine betreute Einrichtung handelt", weiß Claudia Ferner, die das Haus Luise vor acht Jahren mitaufgebaut hat und seit vier Jahren leitet. Welche Eigenschaften braucht man für diesen Beruf? "Reflexionsbereitschaft, Engagement, Freude an der Arbeit mit Menschen und Verständnis. Wir stellen hier nicht die Schuldfrage. Jeder kommt mit unterschiedlichen Bedingungen zur Welt und die meisten Frauen die hier sind, hatten es von Geburt an sehr schwer", spricht Ferner aus Erfahrung.

#Keine Kontrolle

Um die Mütter auf ein selbstständiges, gutes Leben mit ihren Kinder vorzubereiten gibt es Regeln, Betreuungsgespräche, Kulturprojekte und -ausflüge, die tägliche Kontrolle der Wohnung und das Wissen, dass 24 Stunden jemand als Ansprechpartner bereitsteht. "Wir wollen nicht zu viel kontrollieren. Zwei Jahre klingt auf den ersten Blick vielleicht sehr lange, aber aus Erfahrung wissen wir, dass es die Zeit ist, die die meisten Mütter brauchen um alles zu regeln", beschreibt Ferner. Ein wichtiger Punkt für das weitere selbstständige Leben ist das "Ansparsystem". Jeden Monat werden Rücklagen gebildet, um später Möbel kaufen oder Kautionen zahlen zu können. Manche Frauen haben aus verschiedenen Gründen jedoch keinen Anspruch auf eine Gemeindewohnung. "Auf dem Privatwohnungsmarkt etwas Leistbares zu finden, ist für Alleinerzieherinnen praktisch unmöglich. Das macht mich traurig, wenn ich sehe, eine Mutter hat zwei Jahre lang engagiert mitgemacht, geht liebevoll mit ihrem Kind um und hat auch fleißig gespart und trotzdem kriegt sie keine Wohnung und es scheitert dann daran." Da mache sich ein Ohnmachtsgefühl breit. Deswegen würde sie sich eine politische Lösung wünschen, sagt Ferner.

#Man glaubt es nicht

Auch nach der langen Zeit als Sozialarbeiterin ist Claudia Ferner "immer noch erstaunt, welche Dramen es gibt. Das würde man nie glauben". Trotzdem ist ihr Team und sie immer positiv gestimmt. "Wenn Mütter nach ein paar Jahren zu Besuch kommen und erzählen, wie gut es ihnen geht, sind das die schönsten Erlebnisse." Aber auch Trauriges passiert. "Einmal wurde einer minderbegabten Mama das Kind abgenommen, obwohl sie eine sehr gute Interaktion mit dem Kind hatte und mit Betreuung hätte sie es geschafft. An der Folgeunterbringung scheiterte es jedoch", berichtet die Sozialarbeiterin. Es gebe sehr liebevolle und verantwortungsbewusste Mütter, leider aber viele Erkrankungen. Wenn es Betreuungseinrichtungen geben würde, in denen die Frauen mit ihren Kindern bleiben könnten, bis sie volljährige wären, müsste man weniger Buben und Mädchen von ihren Mamas trennen, meint Ferner.

#Den Kreis durchbrechen

Sabine, die selbst bis vor zwei Jahren schwer psychisch krank war, hat das Mutter-Kind-Haus sehr geholfen: "Dort habe ich gelernt, dass meine Kinder nicht so aufwachsen müssen wie ich. Der Kreis kann durchbrochen werden." Vor allem hilft ihr das Wissen, dass stets jemand da ist - ein Netz, das sie auffängt. "Auch wenn ich neuen Monate lang niemanden brauche, wenn ich es tue, ist jemand für mich da", sagt Sabine. Auf die Frage nach ihren Zielen im Leben antwortet sie: "Ich lebe von heute auf morgen." Nach kurzer Überlegung aber ergänzt sie: "Wenn die größeren zwei Kinder außer Haus sind, würde ich gerne mit der Kleinsten die Welt anschauen. Zu viert wäre das ja zu teuer." Und wo wollen ihre Kinder hin? "Egal wohin, Hauptsache mit Mama."

#Videoprojekt und Spenden

Damit das Caritas Haus Luise weiterhin wertvolle Arbeit für die Zukunft der Kinder und damit aller leisten kann, ist es neben den öffentlichen Förderungen auch auf Spenden angewiesen. Vor zwei Jahren wurde das Video-Projekt MUVI - Mutter-Kind-Videointeraktionsanalyse ins Leben gerufen, bei denen Betreuerinnen die Interaktion von Mutter und Kind filmen. Anhand der Videoaufzeichnungen kann die Frau sich selbst, sowie ihr Kind genau beobachten und dessen Bedürfnisse erkennen. Zahlreiche Mütter konnten mithilfe dieses Projekts ihren Erziehungsstil verbessern. Nun steht es aus finanziellen Gründen aber kurz vor dem Aus. Das Projekt ist bis Ende des Sommers 2018 über die Gemeinsamen Gesundheitsziele aus dem Rahmen-Pharmavertrag finanziert. Für die Zeit danach sind wir noch auf der Suche nach Weiterfinanzierung. Wenn Sie helfen möchten: 

Spendenkonto:

Erste Bank
BIC: GIBAATWWXXX
IBAN: AT47 2011 1890 8900 0000
Kennwort: Haus Luise

Februar 2018

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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