Di, 21. November 2017

Großer Zweikampf

20.09.2009 10:07

Zwei Partei-Generäle im Doppelinterview

Sie führen ihre Parteien in die große Landtagswahlschlacht: Der 46-jährige Michael Strugl managt die ÖVP-Truppe, der 47-jährige Christian Denkmaier die „rote Garde“. Die „Krone“ traf das Duo zum Doppelinterview. Was überwiegt? Kollegialität oder Härte?

„Krone“: In wenigen Tagen endet der große Landtags-Wahlzirkus – sind Sie schon froh, wenn es endlich vorbei ist.
Denkmaier: Es ist eine herausfordernde, schöne Zeit. Aber es ist auch wichtig, wenn sie ein Ende findet.
Strugl: Ganz ehrlich? Ich bin froh, dass wir im Finale sind. Es ist ein politischer Ausnahmezustand, der auch sehr anstrengend ist.

„Krone“: Wenn man beim „Zirkus“ als Metapher bleibt – wie fühlt man sich als Dompteur?
Strugl: Ich fühle mich eher als Organisations-Verantwortlicher, der schaut, dass der Zirkus gut geheizt ist. Ich dressiere niemanden.

„Krone“: Also sind Sie eher der Zirkus-Direktor?
Strugl: Nein, ein Zirkus-Direktor tritt als Programm-Verkünder selbst auf, steht in der Öffentlichkeit.

„Krone“: Wie fühlen Sie sich als Dompteur, Herr Denkmaier?
Denkmaier:  Ich bin der Koordinator und Motivator. Im Zirkus steht immer das Staunen und Lachen im Vordergrund – bei mir steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.

„Krone“: Wie lernt man das eigentlich, ein Wahlkampf-Manager zu sein?
Denkmaier: Ich organisiere seit meiner politischen Jugend. Wahlkampf braucht Choreografie, so wie beim Linzer Pflasterspektakel, das ich gemanagt habe.

„Krone“: Der Wahlkampf – ein Pflasterspektakel?
Denkmaier (lacht): Bei beidem geht’s ums Motivieren der Akteure.

„Krone“: Und Sie, Herr Strugl – wie haben Sie ’s gelernt?
Strugl: Wahlkampf ist Handwerk, das man lernen muss. Ich mach’ das seit meiner Uni-Zeit, wo ich mehrere Hochschul-Wahlkämpfe gemanagt habe. Es geht immer um Strategie, sauberes Umsetzen und das Gespür, den Nerv zu treffen.

„Krone“: Hatten Sie dafür Lehrmeister?
Strugl: Ich habe bei vielen Kampagnen – etwa bei Helmut Kohl in Deutschland – viel gelernt.
Denkmaier: Die größte Erfahrung war für mich meine Bürgermeisterwahl 2003 in Neumarkt, wo es mir gelang, eine schwarze Hochburg politisch substanziell zu verändern.

„Krone“: Wie führt man einen Wahlkampf, der vermeintlich schon gelaufen ist?
Strugl: Es ist ein fundamentaler Irrtum, zu glauben, es wäre gelaufen. Wir sind sehr skeptisch, speziell, was Umfragen betrifft.
Denkmaier (an Strugl): Warum gebt ihr dann so viele Umfragen in Auftrag?
Strugl: Wir erforschen Wahl-Motive. Wir lehnen uns jedenfalls nicht zurück. Noch ist nichts entschieden. Es kann eine reale Bedrohung sein, wenn Sympathisanten meinen, das Rennen sei gelaufen.
Denkmaier: Ein skurril anmutender Widerspruch, wenn man bedenkt, dass die ÖVP monatelang Umfragen veröffentlicht, die deutlich machen sollen, wie gut es ihr geht. Das ist halt das Zauberlehrlings-Syndrom – die „Umfrage-Geister“, die ich rief, werd’ ich plötzlich nicht mehr los.

„Krone“: So ein Wahlkampf ist eine teure Angelegenheit.
Strugl: Ich halte nichts davon, Zahlen zu veröffentlichen, weil ich auch jene anderer Parteien nicht glaube. Aber teurer als 2003 ist’s bei uns nicht. Eher billiger.
Denkmaier: Ich gehe davon aus, dass die ÖVP wesentlich mehr ausgibt als wir.
Strugl: Originell – wenn man mit offenen Augen durchs Land geht, sich die Plakate anschaut und weiß, dass allein die EAV-Tournee eine Million Euro kostet.
Denkmaier: „Originell“ kann ich nur zurückgeben. Eine Million? Da sieht man, dass du das nicht einschätzen kannst. Ich habe bessere Konditionen ausgehandelt.
Strugl: Das kann ich dir nur wünschen.
Denkmaier: Ihr habt doch Plakate in der Größe von Einfamilienhäusern.

„Krone“: Und beide Parteien gehen auf Bezirks-Tourneen.
Strugl: Die SPÖ ist auf Tournee mit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Das ist für mich eine symbolische Geste, weil sie mit Verunsicherungen – Ausverkaufsdiskussionen – wirbt.
Denkmaier: Dieses Bonmot hat’s doch schon vor 20 Jahren gegeben.
Strugl: Aber da geht’s um Politik und Verunsicherung.
Denkmaier: Das ist wirklich konstruiert!
Strugl: Na – aufg’legt.

„Krone“: Müssten Sie für die andere Partei Wahlkampf führen: Was würden Sie anders machen als IhrGegenüber?
Denkmaier: Vieles. Aber Tipps gebe ich keine.
Strugl: Ich hätte die persönlichen Untergriffe auf Pühringer bleiben lassen.
Denkmaier: Aber ihr verunglimpft doch Haider!

„Krone“: Klingt nach Schmutzwäsche im Wahlkampf!
Denkmaier: Na, im Ansatz hat sich die ÖVP schon an „Dirty-Campaigning“-Methoden bedient.
Strugl: Aber wir haben genügend Belege, dass solche Methoden von der SPÖ gegen die ÖVP verwendet werden. Das hat es in dieser Form in Oberösterreich noch nie gegeben.
Denkmaier: Geh, Anschmieren von Plakaten, sowas hat’s noch bei jedem Wahlkampf gegeben. Da toben sich Witzbolde aus.

„Krone“: In Ihren ersten freien Minuten nach der Landtagswahl – was tun Sie da?
Strugl: Da schlaf’ ich mich aus, freu mich aufs Frühstück mit meiner Renate und dem Felix.
Denkmaier: Ich koste einfach mein junges Familienglück aus!

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