Fr, 20. April 2018

Knusprige Proteinbombe

24.01.2018 10:28

Wiener Unternehmen bietet Insekten-Kochkurse an

Für viele Menschen bedeutet der Kontakt mit Insekten reinen Ekel. Christoph Thomann strahlt, wenn er Heuschrecken, Heimchen oder Mehlwürmer sieht - vor allem dann, wenn Haubenkoch Sebastian Müller daraus feine Kreationen wie Salzheuschrecken-Tartar oder Wurm-Karamell-Schmarrn zaubert. Ekel? "Das ist alles nur im Kopf", will der Verkäufer von Speiseinsekten Vorurteile nehmen.

Vor vier Jahren begann der Wiener, über das Thema nachzudenken. "Das war ein Blick über den Tellerrand", sagt Thomann, Gründer von "Zirp Insects". Seither vertreibt er die "nussig-knusprig" schmeckenden Mehlwürmer, Heuschrecken sowie Heimchen (Grillen) und arbeitet mit seinem Team daran, Speiseinsekten bekannter zu machen und Leute aufzuklären. Mit Events wie etwa regelmäßigen Kochkursen im Studio von Ernährungsexpertin Hanni Rützler in Wien will man kulinarisch zeigen, dass Insekten "richtig gut schmecken können". Mit Kreationen wie Mehlwürmer-Pesto auf Weißbrot, Bienen-Drohnen-Suppe, Heimchen-Gemüse-Rösti oder Buffalo-Karamell-Schmarrn mit Birnen lockt er Interessierte hinter den Herd.

"Die Würze macht es aus"
Das Verarbeiten der Insekten ist am ehesten mit dem von Garnelen oder auch Hühnerfleisch zu vergleichen. Egal ob salziges oder süßes Gericht, Insekten seien vielfältig einsetzbar, da sie "relativ neutral schmecken". "Die Würze macht es aus", klärt Müller auf. Die Zutat übernimmt den Gesamtgeschmack, sagt der gebürtige Berliner. Die Garzeit ist relativ kurz. Müller rät, der Kochanleitung auf der Verpackung der Speiseinsekten zu folgen. "Dann funktioniert das auf jeden Fall ganz gut", ist er zuversichtlich.

Hoher Proteinanteil
Ziel ist es, vor allem Sportler und fitnessaffine Menschen, die auf die Ernährung achten, mit den Produkten anzusprechen. Der Proteingehalt - elementar für den Muskelaufbau - ist bei Insekten deutlich höher als bei anderen Fleischsorten. Grillen haben etwas mehr als 60 Prozent Proteinanteil, bei Rind sind es nur knapp 20 Prozent. Vorsicht ist nur geboten, wenn man auf Hausstaubmilben, Krusten- oder Schalentiere allergisch ist, dann können allergische Reaktionen die Folge sein.

Ein Kilo Heuschrecken um 300 Euro
Das Unternehmen "Zirp" bezieht die Speiseinsekten von einem Züchter in Vorarlberg, der seit vergangenem Jahr die Zulassung dafür hat, Insekten als Lebensmittel zu züchten. Dabei muss er dieselben Vorgaben erfüllen wie für andere Lebensmittel. "Wir züchten noch nicht selbst", sagt Thoman, "aber das ist auch im Plan in den nächsten Jahren." Der Grund: Ein Kilogramm getrockneter Heuschrecken hat einen stolzen Preis von 300 Euro. Mehlwürmer sind laut Thomann sogar einfach zu züchten, da gibt es mittlerweile Zuchtstationen für zu Hause, mit denen man pro Woche etwa ein halbes Kilo ernten kann. Die Tiere brauchen wenig Platz und wenig Futtermittel. "Man kann ihnen alles verfüttern, Obst, Gemüse, Bananenschalen", so Thomann.

Süße Bienendrohnenlarven als Snack
Für helle Begeisterung bei den Teilnehmern des Insekten-Kochkurses sorgen übrigens Bienendrohnenlarven, die normalerweise von den Imkern als Abfall entsorgt werden. Nach dem Abkochen der Waben schwimmen die Larven im Kochtopf an der Oberfläche und werden mit einem Sieb herausgefischt. In einer eher herb schmeckenden Selleriecremesuppe bilden die Larven einen angenehm süßen Kontrast. Eine Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: "Als ob eine Honigblase im Mund zerplatzen würde!"

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