Di, 17. Oktober 2017

"Weiße Krise"

18.09.2009 11:39

Salzburgs Landwirte sind enttäuscht von der EU

Bitterer Beigeschmack in den Milchkannen! Der Literpreis ist so tief unten, wie seit dem EU-Beitritt nicht mehr. Aus Brüssel kamen aber auch am Donnerstag nur fadenscheinige Angebote. Salzburgs Bauern sind ratlos. Gottfried Schwab aus Bergheim: „Ohne Mengensteuerung werden ganze Regionen zugrunde gehen.“

Aus Deutschland kennt der Kerathbauer aus Bergheim die riesigen Brachflächen: „Wir haben bei Kassel einem Bauern, der aufgibt, einen Milchstand abgekauft. Ganze Regionen gehen dort kaputt“, erzählt er. Und auch bei uns stehen die Alarmzeichen auf „weiß“: „Alle Bauern haben Probleme. Die EU beharrt auf einen freien Markt.

"Wir wollen Bauern bleiben"
Es muss aber eine Mengenregelung geben“, fordert er und weiß: „Ein Bauernhof ist erst ab 40 Cent pro Liter zu erhalten.“ Allein in Bergheim steigen im Moment mehrere Bauern auf Biogas um. „Der letzte Ausweg. Viele werden auch zurück auf den Arbeitsmarkt drängen“, befürchtet Schwab. „Schade, wir wollen ja Bauern bleiben“.

Experte Hans Költringer von den österreichischen Milchverarbeitern kennt die Gründe für den extremen Preisverfall: „Viele Verarbeiter sind auf billige Ersatzprodukte umgestiegen. Gerade die Eis-Industrie oder Backwaren verwenden Pflanzenfette.“ Dazu kommen Spekulationen mit Milchprodukten und ein Boom in Asien. Költringer: „Der Markt ist leider sehr labil.“ Die EU muss dringend eingreifen. Von Maßnahmen, wie Quotenkauf durch den Staat, hält Költringer aber nichts: „Wir müssen die Mengen wegbekommen.“

Problem: Billigimporte
Österreich ist im EU-Vergleich nur ein kleiner, weißer Fleck: Die Milchmenge macht gerade einmal zwei Prozent aus. Bei einem Exportanteil von 45 Prozent geht aber knapp jeder zweite Liter ins Ausland. Költringer: „Zu schaffen machen uns Billigimporte aus Deutschland oder Holland.“ Einzige Chance für die Zukunft: „Den Konsumenten mit hoher Qualität überzeugen!“

Gerade in Krisenzeiten müssen viele Menschen aber bei den Grundnahrungsmitteln genauso sparen und es drängen laufend Diskontmarken herein. Erster Erfolg in den Regalen: „Das Wort Käse ist nur mehr echten Milchprodukten erlaubt“, ist Kammer-Boss Franz Eßl erleichtert.

von Sabine Salzmann, "Salzburg Krone"

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden