Fr, 27. April 2018

Unfall beim Rodeln

18.01.2018 07:12

Urlauber überlebte Schneesturm am Berg

Es ist schier unfassbar: Ein deutscher Urlauber (51), der am Wildkogel im Salzburger Bramberg beim Rodeln verunglückt ist, hat eine eisige Nacht mit Schneesturm mitten am Berg überlebt. Helfer suchten am Dienstag bis Mitternacht verzweifelt nach ihm, Mittwochfrüh konnte der Mann von Vierbeiner „Djuke“ aufgestöbert werden.

Der Deutsche war am Dienstag gegen Mittag mit seiner Frau zu einer Rodelpartie aufgebrochen. Seine Frau wartete in Talnähe in der „Zwischenzeit“-Hütte auf ihn, während er mit der Smaragd-Bahn bis zur Bergstation fuhr und von dort mit der Rodel ins Tal startete. Im unteren Drittel kam er aber im Schneetreiben von der Strecke ab. Er schlitterte über mehrere Hügel und blieb 50 Meter unter der Rodelbahn reglos liegen. Seine Frau wartete bis 18 Uhr auf ihn. Da sie fürchten musste, dass dem Mann etwas passiert ist, benachrichtigte sie schließlich die Einsatzkräfte.

Sucheinsatz mit mehr als 20 Mann und Hunden
„Die Rodelstrecke ist 14 Kilometer lang. Wir haben uns mit den Bergbahnen zusammengesprochen. Die haben für uns den Lift wieder eingeschaltet“, schildert Bergrettungseinsatzleiter Gerfried Walser. 20 Mann, darunter zwei Hundeführer mit ihren Vierbeinern und drei Alpinpolizisten, fuhren zur Bergstation. „Wir sind die Rodelstrecke, in kleineren Gruppen aufgeteilt, drei- bis viermal abgegangen. Der Sturm wurde immer ärger, deswegen mussten wir die Suche um Mitternacht abbrechen.“

Bei Tagesanbruch ging es wieder los. Diesmal unterstützten Bergretter aus Neukirchen die Kameraden. Hundeführer Erik van Leerdam gelang es nach kurzer Suche, den Vermissten ausfindig zu machen. Sein Vierbeiner „Djuke“ hatte den richtigen Riecher gehabt. Er zeigte zwar keinen Fund an, sprang aber immer wieder an dieselbe Stelle. Der Deutsche war zwar völlig unterkühlt, aber ansprechbar. Er wurde ins Spital nach Zell gefahren. Ein Hubschrauberflug war wegen der Sturmböen nicht möglich.

Viel bewegen, um zu überleben
Landesarzt Joachim Schiefer von der Bergrettung erklärt, wie man sich über Nacht am Berg am besten verhält. Wichtig ist Bewegung.

"Krone": Ab welcher Temperatur wird es am Berg gefährlich?
Joachim Schiefer: Das hängt davon ab, wie fit die Person ist. Definitiv gefährlich wird es unter 0 Grad.

Wie verhält man sich in solch einer Situation?
Eine Schutzausrüstung sollte jeder Alpinist mithaben, sprich eine passende Bekleidung, Handy und Rettungsdecken. Wenn das Handy nicht funktioniert, mit Licht ein Warnsignal abgeben oder in der Umgebung Unterschlupf suchen. Solange man in Bewegung bleibt und zittert, kann sich der Körper warm halten.

Wie lange schaffen es körperlich Fitte bei Temperaturen von minus zehn Grad?
Sechs bis sieben Stunden. Ein top-trainierter Alpinist überlebte am Dachstein drei Tage.

Was passiert, wenn die Unterkühlung einsetzt?
Der Mensch verfällt in eine geistige Dämmerfunktion, die Puls- und Atemfrequenz sinkt - und irgendwann ist es vorbei.

Manuela Kappes und Sandra Aigner, Kronen Zeitung

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