So, 22. April 2018

Zapft das Handy an

17.01.2018 10:17

Bisher höchstentwickelter Staatstrojaner entdeckt

Der russische IT-Sicherheitsanbieter Kaspersky hat den in puncto Funktionsumfang bisher wohl am weitesten entwickelten Trojaner für Android-Geräte entdeckt. Die Spyware namens „Skygofree“ soll von einem italienischen Unternehmen entwickelt worden sein und dürfte angesichts ihres Entwicklungsstands von Staaten und Regierungen eingesetzt werden, um Bürger zu überwachen.

Laut Kaspersky-Forschern soll die Spionagesoftware von einem Unternehmen namens Negg International in Italien stammen und bereits seit 2014 in Umlauf sein. Die Firma fülle offenbar die Lücke, die der Mailänder Staatstrojaner-Entwickler Hacking Team geöffnet hat, als er 2015 gehackt wurde und allerlei geschäftsschädigende Firmengeheimnisse ins Internet durchgesickert sind, berichtet „WinFuture“.

Bei „Skygofree“ handelt es sich um die funktionsreichste Spionagesoftware für Android-Geräte, die bisher entdeckt wurde. An einer Windows-Version soll gerade gearbeitet werden. Die mutmaßlich von Staaten und Regierungen eingesetzte Malware nimmt unbemerkt Fotos und Videos auf, zeichnet Telefonate auf und saugt die Positionsdaten ab. Sie kann das Smartphone-Mikrofon einschalten, Gespräche belauschen und solche Aktivitäten beispielsweise mit bestimmten Orten verknüpfen, sodass das Handy nur in der Wohnung oder am Arbeitsplatz zur Wanze wird.

„Skygofree“ kann sogar WhatsApp anzapfen
Selbst WhatsApp-Nachrichten – eigentlich verschlüsselt der Messenger – kann „Skygofree“ abfischen, offenbar arbeitet man hier mit einer Hintertür in den Accessibility-Funktionen von Android. Damit der Versand der Daten an die Kommandoserver nicht auffällt, hält die Spionagesoftware unterwegs nach WLAN-Netzwerken Ausschau, über die der Upload stattfindet. Das soll vermeiden, dass Nutzer durch erhöhten mobilen Datenverbrauch bemerken, dass ihr Smartphone infiziert wurde.

Verbreitet wurde „Skygofree“ in den letzten Jahren offenbar über öffentliche WLAN-Netzwerke. Dort sollen gefälschte Landing-Pages mit Mobilfunker-Logo deponiert worden sein, in denen Code eingebaut war, der die Malware unter Nutzung bestimmter Sicherheitslücken auf das Handy holte. Welche Staaten sich bei Negg International mit Abhörsoftware eingedeckt haben, ist zur Stunde noch nicht bekannt. In der Vergangenheit wurde jedoch immer wieder öffentlich, dass Spionagesoftware nicht nur an demokratische Länder, sondern auch an Diktaturen verkauft wird.

 krone.at
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