Sa, 18. November 2017

„Es reicht“

14.09.2009 12:33

Bauern protestieren am Linzer Hauptplatz

Um die 50 Traktoren sind im Rahmen der Protestaktion der IG-Milch gegen die niedrigen Milchpreise als Begleitaktion zum angelaufenen Lieferstreik Montagvormittag am Linzer Hauptplatz aufgefahren (Bild). Dort verschenkten die Bauern ihre Milch an Passanten. Zwischenfälle gab es keine.

Die Bauern waren mit ihren Zugmaschinen und zum Teil mit Anhängern aus der Umgebung in die Landeshauptstadt gefahren. Das sorgte im Frühverkehr für Behinderungen. Auf den Traktoren waren Schilder angebracht, die um Verständnis ersuchten. Am Hauptplatz wurden die Landwirte bereits von der Polizei erwartet. Die Beamten wiesen sie auf bereits reservierte Plätze unter anderem vor der Dreifaltigkeitssäule ein.

"Es reicht"
Auf Transparenten auf den Anhängern stand unter anderem "Es reicht", "Lebensmittel zum Spottpreis", "Unsere Forderung: Kostendeckender Milchpreis" und "Wir sind keine Knechte der Agrarpolitik". Zu den Bauern gesellte sich der frühere FPÖ-Landtagsabgeordnete und nunmehr für das BZÖ kandidierende Herbert Aspöck.

Aus mitgebrachten Milchbehältern wurde an die wegen des Regenwetters wenigen Passanten frische Milch vom Hof verschenkt. Sie konnten sie aus Plastikbechern gleich trinken oder mitnehmen. Die Organisatoren der Protestaktion planten, anschließend zur Landwirtschaftskammer und zu Agrarlandesrat Josef Stockinger (V) im Landhaus zu fahren.

Stockinger warnte in einer Stellungnahme davor, dass sich ein neuerlicher Lieferboykott als Bumerang für die Milchbauern erweisen könnte, weil holländische und norddeutsche Molkereien die Chance nutzen und noch mehr ihrer Produkte in österreichischen Regalen platzieren würden. Anstatt dass die Bauern ihr Einkommen wegschütten, müsse sich der gesamte politische Druck auf die neue EU-Kommission konzentrieren, so der Landesrat.

Preise extrem schlecht
Der Landesobmann des ÖVP-Bauernbundes und Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Hannes Herndl, erklärte in einer Presseaussendung, als Milchbauer verstehe er die Sorgen und Nöte in den Betrieben. Die Preise seien extrem schlecht. Unüberlegte Maßnahmen lehne er jedoch ab.

Der Landesvorstand des Bauernbundes, dem Vertreter aller Bezirke angehören, habe sich in einer Sondersitzung in einem einstimmigen Beschluss gegen einen Milchlieferboykott zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Auch er befürchtet Schleuderimporte aus Norddeutschland, Frankreich und den Niederlanden. Dadurch gerate der Preis für heimische Milch noch mehr unter Druck, warnte Herndl. Der Bauernbund fordere hingegen unter anderem ein Umdenken der Europäischen Kommission und finanzielle Mittel für die Bauern.

Wichtiges Alarmsignal
Der Vorsitzende der SPÖ-Bauern, Franz Hochegger, stellte fest, der Lieferstreik der Milchbauern sei ein wichtiges Alarmsignal. Er forderte die heimische Agrarpolitik zum Handeln auf, unter anderem eine Verdoppelung von Milchkuhprämie und Milchzuschuss sowie keine Mehrbelastung beim Einheitswert. Es sei richtig, dass die EU handeln müsse, aber erste Schritte müssten sehr wohl national in Österreich gesetzt werden.

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