Sa, 18. November 2017

Linz09

13.09.2009 14:13

Brucknerfest Linz mit Schelte für Politiker eröffnet

Das Brucknerfest Linz 2009 ist mit einer Schelte für Politiker - in deren Anwesenheit - am Sonntag eröffnet worden. Der Festredner, der Schriftsteller Robert Menasse hat unter anderem den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ) wegen seiner Gesinnung als "Skandal" bezeichnet und dafür Applaus des Publikums geerntet. Zuvor hatte u.a. auch Bundespräsident Heinz Fischer geredet. Das Brucknerfest ist heuer in Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009 eingebunden und dauert bis zum 5. Oktober.

Menasse, der sich zuvor bereits mehrfach gegen Graf im Amt des Nationalratspräsidenten ausgesprochen hatte - trug eine "Kritik der Sonntagsrede" vor. Darin spricht ein Künstler über den "Skandal", dass diese Republik einen Parlamentspräsidenten habe, der offen mit dem Nationalsozialismus sympathisiere. Für Graf sei "Niemals vergessen" ein Synonym für die Treue, niemals die Nazi-Ideologie zu vergessen. Er sei von Repräsentanten der staatstragenden Parteien gewählt worden. Diese hätten den Staat, Abgeordnete der Republik, das Parlament, die Republik auf eine Weise beschädigt, die sie selbst ganz offensichtlich nicht begreifen würden und es gebe keine Konsequenzen.

Demokratie-Defizite in der EU
Menasse kritisierte darüber hinaus demokratiepolitische Defizite in der EU sowie, dass von Wohlstand von jenen geredet werde, die den Wohlfahrtsstaat abbauen würden, sowie von Sicherheit von jenen, die die Idee der Grundsicherung nicht begreifen würden, aber in buchstäblich tödlichem Ernst glauben, dass "Sicherheit" davon abhänge, wie gut Flüchtlinge in den Tod getrieben würden. Er fragte weiters, warum es kein "Skandal" sei, "wenn die politischen Repräsentanten die Mörder vom Tienanmen-Platz hofieren oder wenn sie eine Demokratiebewegung im Iran im Stich lassen ?"

Bundespräsident im "Haus der Geschichte"
Die Rede von Menasse war im Programm der Eröffnung die letztgereihte. Die Politiker konnten deshalb darauf nicht reagieren. Bundespräsident Heinz Fischer war zuvor für ein sogenanntes "Haus der Geschichte" eingetreten. Zu dessen Wichtigkeit verwies er darauf, dass sich in diesen Tagen der Ausbruch des 2. Weltkrieges zum 70. Mal gejährt und zuvor der 20. Jahrestag der politischen Wende auf der zeitgeschichtlichen Tagesordnung gestanden habe. Das zeige, was ein "Haus der Geschichte" neben vielen anderen Aufgaben für Bewusstsein, junge Menschen und Wissenschaft leisten könnte und sollte.

Linz09 gewürdigt
Darüber hinaus würdigte das Staatsoberhaupt die zahlreichen Veranstaltungen und diversen Kulturbauten, die aus Anlass von Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009 verwirklicht wurden und werden. Ähnlich äußerten sich - außer Programm - der EU Kultur-Kommissar Jan Figel, weiters Landeshauptmann Josef Pühringer (V) und der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (S). Kulturministerin Claudia Schmied (S) betonte, dass das Brucknerfest seine Devise "Klassisch Anders" lebe, indem es an Wertvollem festhalte und Neues entwickle. Als Auftragswerk zur Eröffnung erlebte "InnenDonner" von Klaus Pruenster seine Uraufführung durch den Komponisten, das Bruckner Orchester Linz und den Chor Ad Libitum unter Dennis Russel Davies.

Das Brucknerfest präsentiert bis 5. Oktober ein vielschichtiges Programm, das die Grenzen klassischer Konzerte überschreitet. Kompositionen des Namensgebers Anton Bruckner treten heuer in den Hintergrund und machen Platz für den Jahresregenten Joseph Haydn sowie neue Programme in Richtung Jazz, Performance und Visualisierung mit dem Projekt "Augenmusik".

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