Fr, 24. November 2017

Neues Sprachrohr

07.09.2009 12:31

„Roboter werden zum Handy-Nachfolger“

Mit seinem Roboter-Zwilling "Geminoid" hat der japanische Forscher Hiroshi Ishiguro das allseits verbreitete Konzept vom selbstständigen, menschenähnlichen Roboter neu gedacht, noch bevor dieses überhaupt realisiert wurde: "Es wird nie künstliche Intelligenz geben, die dem Menschen perfekt gleich kommt", sagt Ishiguro während der Ars Electronica in Linz. Daher sieht Ishiguro für Roboter eine ganz andere Aufgabe: "Wir werden alle Roboter haben - als Telepräsenz-Geräte, die uns im sozialen Umfeld vertreten werden. Roboter werden ein neues Informations-Medium wie Handys und Computer."

Große Menschentrauben, vor allem Kinder, versammelten sich an den bisherigen Tagen des Ars-Electronica-Festivals vor Ishiguros Roboter. Derzeit im neuen Ausstellungsraum des Ars Electronica Centers sitzend, sieht der Roboter seinem Erbauer (links im Bild) durchaus ähnlich, und antwortet geduldig auf Hunderte Fragen.

Doch wider Erwarten steckt keine wie auch immer geartete Sprachsoftware im "Geminoid" - ein paar Meter entfernt sitzt jeweils ein Mitglied von Ishiguros Team mit Kopfhörern und Mikro und spricht durch den Roboter. Auch die Bewegungen werden vom Menschen ferngesteuert. Wer sich eine technische Meisterleistung im Bereich Künstliche Intelligenz erwartet hat, wird unweigerlich enttäuscht sein.

Der Roboter als Nachfolger von Telefon und Co
Doch Ishiguro will mit seinen Forschungen etwas ganz anderes aufzeigen. Ihm geht es um neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen Menschen - der Roboter wird gleichsam zum erweiterten Nachfolger von Telefon, Web-Chat und Video-Telefonie. "Wenn ich in Linz einen Vortrag halte, dann kann meine Kopie bei meiner Familie zu Hause sein und ich kann durch ihn sprechen", so der Japaner. Denn Menschen reagieren auf eine dreidimensionale Präsenz bei weitem authentischer als auf ein zweidimensionales Bild, das etwa über kleine Webcams übertragen wird, so Ishiguro.

"Stellen Sie sich vor, ein Roboter, der Ihnen stark ähnlich sieht, sitzt bei Ihrer Großmutter, und Sie können sich mit ihr unterhalten", so Ishiguro. "Ebenso möglich wäre der Einsatz ihm Geschäftsleben - Sie könnten mit Ihrem Boss durch einen Roboter reden. Und wenn Sie eine Kopie zu Ihrer Freundin schicken, wäre die nicht auch zufriedener?"

Forschungsplattform für menschliche Interaktion
Für die kommenden paar Jahre werde es noch "sehr leicht zu unterscheiden sein, was ein Roboter ist und was ein Mensch". Für Ishiguro ist auch das "menschenähnliche Aussehen nicht entscheidend". Der "Geminoid" ist für ihn eine "Forschungsplattform, um die vielen Faktoren der Interaktion zwischen Menschen zu erforschen. Und aus diesen können wir dann die wichtigsten auswählen, um billige Roboter zu bauen, die als Kommunikations-Medien geeignet sind."

Derzeit benötige der Geminoid rund 60 Bewegungselemente, dies könne man auf zehn reduzieren. Denn sollten derartige Kommunikationssysteme für den Massenmarkt gebaut werden, müsse man Kosten reduzieren: Den "Geminoid" nachzubauen würde 500.000 Euro kosten. "Aber selbst Handys sind heute bereits Computer mit Sensoren - fast wie ein Roboter."

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