Sa, 16. Dezember 2017

Causa Jungwirth

02.09.2009 10:27

Ex-ÖOC Generalsekretär wollte Salzburg-Job

Später Paukenschlag rund um die gescheiterte Olympia-Bewerbung Salzburgs für 2014: Denn ausgerechnet der frühere ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth, gegen den jetzt der Staatsanwalt ermittelt, wollte selbst Geschäftsführer der Bewerbungs-Gesellschaft werden. Das bestätigte Bürgermeister Heinz Schaden der "Krone" (siehe auch Interview in der Infobox).

Jungwirth war bis vor wenigen Wochen als Generalsekretär des ÖOC im Amt – inzwischen hat das Olympische Komitee selbst Anzeige gegen ihn erstattet und alle Akten in Salzburg Staatsanwältin Dr. Eva Danninger-Soriat zur Verfügung gestellt.

Sie ermittelt bei fünf Männern wegen Verdachtes der Untreue – neben Heinz Jungwirth sind das Berater Erwin Roth und die früheren Olympia-Chefs Fedor Radmann, Gernot Leitner und Rudolf Höller (für sie alle gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung).

Unzählige Aktenordner
Der Akt bei der Staatsanwaltschaft wächst, schilderte Dr. Marcus Neher der "Krone": Inzwischen sind es fünf Aktenbände mit jeweils mindestens 300 Seiten, dazu unzählige Aktenordner mit den Original-Unterlagen, um eventuelle Geldflüsse zu beweisen. Von der Bewerbungsgesellschaft liegen 52 Ordner bei der Justiz, dazu kommen die Dokumente aus dem "Olympia-Förderverein", in dem Jungwirth & Co. das Sagen hatten.

Jungwirth, der jetzt heftig ins Kreuzfeuer geraten ist, wollte zu Beginn sogar selbst Geschäftsführer der Olympia-Bewerbung 2014 werden – das bestätigte Bürgermeister Heinz Schaden jetzt der "Krone". Sogar ÖOC-Boss Leo Wallner hatte für Jungwirth interveniert – vergeblich.

"Der Verein ist der Schlüssel"
Dafür zog Jungwirth in diesem Förderverein die Fäden, wo auch der 1,2 Millionen teure Beratervertrag mit dem Lobbyisten Erwin Roth abgeschlossen wurde. Diesen Verein wollten die Olympier – alle Funktionäre kamen aus dem ÖOC – im März liquidieren. Übrigens nicht allzu lang, nachdem es erstmals Wirbel um 300.000 Euro Sponsorgeld gab.

"Der Verein ist der Schlüssel", ist auch Max Tischler als Chef des städtisches Kontrollamtes überzeugt, der selbst die Geldflüsse rund um die Kandidatur untersucht. "Unterlagen aus dem Förderverein bekommen wir aber nicht zu sehen", schildert Tischler.

Auch im Verein war Geld der öffentlichen Hand: "Es geht um etwa 480.000 Euro der Olympia-Gesellschaft, die von Sponsoren gezahlt wurden", bestätigt Schaden. "Diese Firmen wollten vermeiden, dass ihre Namen bekannt werden, darum bekam der Förderverein das Geld, um damit zu arbeiten."

Schaden: Erst spät von Darlehen erfahren
Was der Verein damit tat, darauf hatten weder Stadt noch Bewerbungs-Firma einen Einfluss. Zum Beispiel bei 300.000 Euro, die auf dem Umweg über den Verein an einen Sponsor gingen – als sich ein Minus abzeichnete, bekam Salzburg bloß 100.000 Euro vom Verein retour. Weitere 50.000 Euro vom ÖOC flossen "erst nach einigen Interventionen von mir", erklärt Schaden. "Dabei haben wir erst im September 2007 vom Darlehen über 300.000 Euro erfahren - die Überweisungen erfolgten aber schon im Februar!"

Er rechnet: "So gesehen, ist dem Steuerzahler natürlich ein Schaden entstanden, weil Sponsorbeiträge an den Verein umgeleitet wurden." Denn das Minus mussten ja Stadt, Land, Bund und Bewerber-Gemeinden zahlen.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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