Mo, 20. November 2017

40.000 feierten

23.08.2009 09:50

Das war das Frequency 2009

Waren die ersten beiden Tagen des Freuqency 2009 noch eine echte Hitzeschlacht, sollte der Samstag Abkühlung bringen. Ab dem frühen Nachmittag musste das Publikum feuchtes Wetter in allen Variationen hinnehmen - vom Nieselregen bis zum heftigen Guss. Die meisten ließen sich davon jedoch nicht die Laune verderben und pilgerten auch durch Lacken, Matsch und Schlamm vor die Bühnen, um Bands wie Thomas D., Mando Diao oder The Prodigy zu sehen.

Unter dem schlechten Wetter hatten natürlich vor allem die Bands am Nachmittag zu leiden, was sich vor allem in einem eher mäßigen Besucherandrang bei Alfonso und Port O’Brien auf der Race Stage ausdrückte. Den kalifornischen Folkrockern gelang es trotzdem, die mitunter intime Lagerfeuer-Atmosphäre ihrer Lieder in einen großen Rahmen zu verpacken. Dabei setzten die Kalifornier geschickt Kontrapunkte mit der E-Gitarre zu den sonstigen Mandolinen- und Banjoklängen. Erst gegen 16 Uhr ließ der Regen etwas nach und The Sounds bedankten sich dafür mit einem poppigen Indie-Rock-Set, in dem sich besonders Sängerin Maja Ivarsson dank ihrer offensiven Performance hervortat

Spaß gegen Regen
Danach erklärte Billy Lunn von The Subways: "Ich liebe Österreich". Und Österreich liebt offensichtlich ihn. Denn die Fans des Trios ließen sich auch vom Regen nicht abhalten, den starken Auftritt der Briten am späten Nachmittag richtig abzufeiern. Songs wie "Shake! Shake!" und besonders die letzte Nummer "Rock'n Roll Queen" brachten das Festival zum Hüpfen und Schreien, als gäbe es kein Morgen. Die Punkrocker bewiesen jedenfalls großartige Entertainerqualitäten und außerdem überraschend gute Deutschkenntnisse.

Auf der Green-Stage spielten zur gleichen Zeit die deutschen Hitparadenstürmer Polarkreis 18 (siehe auch Video!). Und auch während ihres Auftritts goss es wie aus Kübeln. Dennoch hatte sich eine beachtliche Menschenmenge vor der Bühne eingefunden. "Wir hätten lieber Schnee mitbringen sollen", fand Sänger Felix Räuber rasch die passende Pointe.

Die Editors wiederum auf der Race-Stage zeigten sich mit ihrem stark von Depeche Mode inspirierten Alternative-Rock nicht als absolute Stimmungskanonen. Und obwohl es der Himmel mit dem Publikum vor der Bühne wieder etwas besser meinte und während des Konzerts keine Tränen vergoss, vermochte der Funke nicht wirklich überzuspringen. Trotzdem spielten sich die Briten routiniert durch ihr Set. Der Unterhaltungsfaktor der studierten Musiker um Frontman Tom Smith hielt sich dennoch in Grenzen.

Hip-Hop auf der Green-Stage
Auf der Greenstage bekamen die Anhänger des deutschen Hip-Hops dagegen mit Thomas D. von den Fantastischen Vier ein besonderes Schmankerl geboten. Der 41-Jährige verwöhnte das Publikum dann auch mit seinen Hits, während das Wetter jedoch beschloss, sich wieder von seiner ernsten Seite zu zeigen. Ganz unbeeindruckt ließ das die Meute vor der Bühne nicht, denn die großteils chilligen und nachdenklichen Nummern des Rappers scheinen besser zu einem lauen Sommerabend denn zu den ersten Vorboten des Herbstes zu passen. Wie nebenbei verkündete "der Krieger" dabei, dass es das letzte Konzert mit seiner jetzigen Live-Band in Österreich sei. Nummern wie "Liebesbrief" und "Thank you for the Music" hörte man den Abschiedscharakter jedoch nicht an.

Gleichzeitig gaben sich die Berliner Mia. auf der Race-Stage alle Mühe, die Leute das Regenwetter vergessen zu machen. Gut gelaunt spielten sie sich deshalb durch ihren sonnigen Elektro-Pop und vermochten damit auch den einen oder anderen zum Tanzen zu verleiten. Sängerin "Mieze Katz" beherrschte dabei klar die Bühne und ließ ihren Charme sprühen. Vielen war die Musik auf Dauer allerdings etwas zu eintönig und auch der Regen drückte weiter auf die Stimmung der Anwesenden.

Eine Viertelstunde zu spät - aber doch - enterten Mando Diao um 21.45 Uhr die größte Bühne des Festivals. Die Chart-Senkrechtstarter begannen ihre groß angelegte Show inklusive Backgroundsängerinnen und Percussionisten im Nebel mit "Sheepdog". Das Publikum zeigte jedoch überraschend verhaltene Reaktionen auf die Schweden und auch Hits wie "Down in the Past" und natürlich "Dance with Somebody" konnten den Großteil des Publikums nicht dazu bringen, wirklich mitzugehen. Die Müdigkeit dürfte nach drei Tagen Frequency doch noch zugeschlagen haben. Wem die Band aus Borlänge mit ihrer erweiterten Liveband und wabernden Keyboards zu wenig von der Essenz des Rock’n Roll versprühten, hatte mit The Black Box Revelation auf der Weekender-Stage in der Halle eine echte und auch trockene Alternative. Das Duo spielte wie Mando Diao von den Rolling Stones inspirierten Rock, verzichtete dabei jedoch auf jedwede Schnörkel. Fazit: Pur und dreckig.

Das Frequency tanzt
Bei The Prodigy wurde dann klar, warum das Publikum Mando Diao nicht so richtig abfeiern wollte: Die Fans hatten auf richtig fette Beats gewartet. Und spätestens ab dem zweiten Lied - "Breath" - war klar, dass das Frequency tanzen wollte. Mit einer als psychotisch und vor allem hektisch zu bezeichnenden Lightshow ausgestattet und unter den ständigen Aufforderungen von Sänger Maxime Reality, endlich alles zu geben, hatte der Großteil des Publikums richtig Spaß. Allein die Jacke von Keith Flint, auf der in großen Lettern "Drugs will kill you" geschrieben stand, sorgte für Schmunzeln unter den Anhängern des harten Elektroniksounds, den die Briten live wie immer mit Gitarre und Drums aufzufetten wussten. Die Jungs rockten jedenfalls das Haus und zu Überhits wie "Firestarter" - das an diesem Abend seltsam zahm geriet - oder "Smack my Bitch up" tanzten die Anwesenden bis in die späte Nacht.

Gelungene Übersiedlung
Insgesamt erlebte das Frequency 2009 somit eine gelungene Premiere in St. Pölten: Zwei Tage bestes Sommerwetter, Anrainer, die die seltsamen Gäste mehr als willkommen hießen und ein Publikum, das auch noch im Regen Spaß hatte. Natürlich wäre es leichter und auch lustiger gewesen, das Festival als reine Schönwetterveranstaltung durchzuziehen. So war es aber ein allen Widernissen trotzender Klassiker, der keinen Salzburgring braucht, um weiterhin als echtes Highlight in der österreichischen Musiklandschaft seinen Fixplatz zu haben. Und Schnürlregen gibt’s in St. Pölten offensichtlich auch.

Text: Stefan Taferner und APA
Fotos: Andreas Graf

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