Mo, 18. Dezember 2017

Vater erstochen

11.08.2009 21:05

Depressiver Landwirt zu 7 Jahren Haft verurteilt

Ein wegen Mordes an seinem Vater angeklagter Salzburger Landwirt aus dem Flachgau ist am Dienstagabend am Landesgericht Salzburg zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Die Geschworenen folgten der Argumentation des Verteidigers Kurt Jelinek (im Bild) und sahen in der Bluttat keinen Mord, sondern entschieden einstimmig auf Totschlag. Der Angeklagte meldete dennoch Berufung wegen der seiner Meinung nach zu hohen Strafe an, der Staatsanwalt wiederum berief wegen Nichtigkeit. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Der mittlerweile 53-jährige Beschuldigte hatte seinem 83-jährigen Vater nach einem 20 Jahre langen Streit am 29. März 2009 fünf Messerstiche in den Oberkörper versetzt und so getötet. Sein Vater habe ihn und seine Familie terrorisiert, schilderte der an Depressionen leidende Mann am Dienstag vor Gericht gegenüber Richter Manfred Seiss. Die Tat tue ihm leid, unmittelbar danach habe er sich aber "irgendwie erleichtert" gefühlt, so der Angeklagte (Bild, sitzend). "Ich ging zu meiner Frau und sagte: Jetzt seid ihr frei."

Lebenslauf durch Vater geprägt
Eine Stunde lang las der bisher unbescholtene Mann mit monotoner Stimme dem Gericht seinen Lebenslauf vor und schilderte, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. Auf Wunsch seines Vaters musste er Bauer werden, obwohl er "zu viel Gefühl hatte" und eigentlich Goldschmied werden wollte. Abermals auf Wunsch des Vaters nahm er mit 16 Jahren die Stelle eines Totengräbers an. "In fünf Jahren grub ich 157 Tote ein." Dennoch habe er sich damals keinen besseren Vater wünschen können.

Altbauer tyrannisierte Familie
Doch als er 1987 seine Frau heiratete und den Hof übernahm, erzählte der dreifache Familienvater weiter, begann der offene Konflikt zwischen Vater und Sohn. Der Altbauer habe nicht nur seine Schwiegertochter dauernd kritisiert - "er beschimpfte sie als Schlampe, meine Kinder nannte er faule Fratzen" -, er habe seine eigene Frau geschlagen und die Tochter vom Hof gejagt. Dem Jungbauern wurde offensichtlich alles zu viel. Er litt an Depressionen, erkrankte 1991 an Brustkrebs, flüchtete von 2005 bis 2007 in den Alkohol und suchte mehrmals eine psychiatrische Klinik auf.

Eskalation nach dem Tod der Mutter
Zugespitzt hat sich der Familienkonflikt, als im März dieses Jahres die Mutter des Angeklagten starb. "Der Vater nahm den Tod emotionslos hin. Er kam nicht zum Begräbnis, er warf währenddessen sechs bis sieben Blumenstöcke von der Terrasse." Verzweifelt habe er die Polizei, den Hausarzt und den Pfarrer um Hilfe gebeten. "Doch keiner half mir. Ich hatte ja schon jahrelang Angst vor meinem Vater und keine Freude mehr beim Aufstehen."

Misslungener Selbstmordversuch
Einen Tag vor der Bluttat wollte er sich am Heuboden aufhängen, doch der Selbstmordversuch misslang. In der Nacht zum 29. März sei ihm der Gedanke gekommen, mit seinem Vater ein sachliches Gespräch zu führen. "Damit er zur Vernunft kommt." Um zu zeigen, dass er es ernst meint, steckte er das Messer mit 18 Zentimeter Klingenlänge in den Anorak und ging gegen 9.30 Uhr zum "Zuhaus", wo der Vater im Schlafzimmer im Bett lag. Doch auf die Bitte, "Papa, ich will mit dir reden", "fing er an zu schreien, ich soll das Haus nicht mehr betreten. In mir hat sich alles aufgebaut, der Hass und die Verzweiflung. War ich schon dem Wahnsinn nahe?", fragte er in die Richtung des Vorsitzenden Richters Manfred Seiss. "Dann stach ich mehrmals auf seinen Oberkörper ein." Er würde jetzt viel darum geben, um es wieder gut zu machen. "Ich habe Gewalt immer verabscheut. Leider ist es passiert. Ich bin schuldig des Totschlages, nicht des Mordes."

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