Mo, 20. November 2017

Neue Verordnung

21.07.2009 11:32

Reiter müssen Mist der Pferde mitnehmen

Liegengelassene Pferdeknödel auf Wohnstraßen soll es in Zukunft in der Flachgauer Gemeinde Lamprechtshausen nicht mehr geben. Die Gemeindevertretung hat eine "Pferdemist"-Verordnung beschlossen, die seit 1. Juli 2009 in Kraft ist. Die Reiter könnten das Corpus Delicti mit Hilfe einer Schaufel in einen Müllbeutel stecken und den Sack mit einem Strick am Sattel befestigen, erklärte Bürgermeister Johann Grießner (ÖVP) am Dienstag. Die Verordnung stößt bei Reitern allerdings auf Kritik.

"Wir sind zwar eine Landgemeinde, wo man für Tiere grundsätzlich mehr Verständnis hat, es kann aber nicht sein, dass durch Wohnstraßen geritten wird und der Pferdemist liegen bleibt. Besonders in Kurven kann das vor allem für Radfahrer und Mopedfahrer durchaus gefährlich werden. Es kann nicht sein, dass Reiter gegenüber Hundehaltern einen Sonderstatus haben", rechtfertigte der Ortschef die etwas ungewöhnliche Verordnung, die von drei Parteien einstimmig beschlossen worden ist.

Mehr als 100 Pferde in Lamprechshausen
Der Bürgermeister hofft nun, dass sich die Reiter an die Wegräum-Pflicht halten. Immerhin gebe es in der 3.600-Einwohner-Gemeinde vier Reitställe mit insgesamt mehr als 100 Pferden. Dass das Problem in letzter Zeit schon kleiner geworden ist, stimmt ihn zuversichtlich. "Wie der Mist wegzuräumen ist, klingt zwar nicht ganz praktikabel, müsste aber funktionieren." Rigoros strafen wolle man nicht.

In der Praxis überhaupt machbar?
Die Rossknödel-Verordnung bringt die Besitzerin des Turnierreitstalles SRC Lamprechtshausen, Doris Göllner, allerdings zum Lachen. "In der Praxis lässt sich das kaum durchführen. Pferde sind Fluchttiere. Sportpferde lassen sich nicht so leicht in der Hand halten, werden auf Straßen nervös und rennen weg. Wenn der Reiter abgestiegen ist, muss er schauen, wie er wieder hinaufkommt - das schaffen 80 Prozent ja nur mit einem Stockerl." Die am Sattel baumelnden Müllsäcke würden auch viele Pferde irritieren.

Reitwege wären bessere Lösung
Die beste Lösung sei die Schaffung von Reitwegen, darüber sind sich der Bürgermeister und die Reitstallbesitzerin einig - was in Lamprechtshausen bisher am Widerstand einiger Grundbesitzer gescheitert ist. Reitwege wären der nächste Schritt, dafür werde er sich einsetzen, versprach der Ortschef. "Dann hätte sich das Problem von alleine erledigt", meinte Göllner, in deren Stall knapp 80 Pferde stehen. Nun werde man beim Ausreiten darauf achten, dass die Tiere auf einer Wiese oder im Wald ihre Knödel fallen lassen.

Vorbild Hof
Lamprechtshausen hat sich die Flachgauer Gemeinde Hof bei Salzburg zum Vorbild genommen. Dort gibt es bereits seit dem Jahr 2000 eine "Hundekot- und Pferdeäpfelverordnung". Bisher hat sich niemand beschwert, es mussten auch keine Strafen verhängt werden, hieß es aus der Gemeindestube.
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