Di, 21. November 2017

War es Mord?

08.07.2009 16:37

Schlimmer Verdacht nach Tod im Drogen-Milieu

Mörderischer Verdacht nach einem Todesfall im Salzburger Drogen-Milieu: Christian X. (39) starb vor fünf Jahren an einer Überdosis. Der Fall schien eindeutig und landete daher schnell bei den Akten. Jetzt aber lenkte ein Bekannter zufällig die Aufmerksamkeit der Behörden auf die Ehefrau (41) des Toten. Er sagt, sie habe ihren Gatten getötet. Mögliches Motiv: eine Erbschaft. Auffällig: Schon 1993 starb der Bruder der Frau in deren Wohnung an einem "goldenen Schuss".

Eigentlich schien die Sachlage klar: Ende Februar 2004 starb Christian X. an einer Morphin-Überdosierung, wie das Gutachten zeigte, in einer Wohnung in Salzburg. Er war wie seine Frau schwer abhängig, Drogen waren bei den Eltern eines minderjährigen Sohnes überhaupt an der Tagesordnung.

Bekannter gab entscheidenden Hinweis
Der Fall landete nach Einvernahme der Gattin daher schnell und wenig überraschend bei den Akten. Doch "Kommissar Zufall" brachte die Polizei auf eine neue, mörderische Spur. Im August 2008 führte Inspektorin Alexandra Hopfgartner von der Polizeiinspektion Alpenstraße in einer anderen Angelegenheit ein Verhör mit einem Bekannten der Ehefrau. Da fiel der Satz: "Die hat doch damals ihren Mann um die Eck’n gebracht!"

Erbschaft als Motiv?
Die engagierte Beamtin wurde hellhörig und begann nachzufragen - unter anderem bei der Mutter (62) des Drogen-Opfers. "Das ist meine Pflicht", sagt sie. Diese berichtete, dass ihr Sohn aus der Szene aussteigen und sich daher von seiner süchtigen Frau trennen wollte. Und von einer Erbschaft in der Höhe von 11.000 Euro, die Mitte Februar 2004 auf das Konto der Ehefrau bei einer Bank in Grödig überwiesen wurde. Genau neun Tage vor dem Tod von Christian X.

In Widersprüche verstrickt
"Außerdem verstrickte sich die Frau damals in viele Widersprüche", resümiert Opfer-Anwalt Dr. Stefan Rieder nach Studium der früheren Akten. So habe die 41-Jährige gegenüber mehreren Bekannten verschiedene Versionen zur Todesursache ihres Mannes erzählt, außerdem bei der Summe der Erbschaft und den Kosten für das Begräbnis falsche, niedrigere Summen genannt. Dazu habe sie eingeräumt, das Suchtgift immer selbst zubereitet zu haben.

Antrag auf weitere Ermittlungen
"Der Sachverhalt in dieser Causa scheint noch nicht ausreichend erhoben", stellte Rieder im Namen des Sohnes und dessen erziehungsberechtigter Großmutter über die Opfer-Organisation "Weißer Ring" einen Antrag auf weitere Ermittlungen. Rieder: "Die Oma und der Bekannte sollen offiziell befragt werden!" Die Entscheidung liegt nun beim Oberlandesgericht Linz.

Bruder starb ebenfalls an Überdosis
Auch brisant: Am 16. Jänner 1993 starb der drogenabhängige Bruder (damals 31) der Frau an einer Überdosis. In ihrem Beisein, in ihrer Wohnung. Auch er wollte aus dem Suchtgift-Milieu aussteigen

von Max Grill, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden