Di, 21. November 2017

Endgültiges Aus

16.06.2009 12:23

Conti schließt Reste von Traditions-Reifenwerk

Die Wirtschaftskrise hat ihr nächstes Opfer: Continental schließt die Reste des ehemaligen Semperit-Reifenwerks in Traiskirchen. 195 Mitarbeiter werden per Jahresende gekündigt. Das teilte der deutsche Reifenkonzern am Dienstagvormittag mit. Begründet wird der Schritt mit den Einbrüchen im Erstausrüstungs- und Ersatzgeschäft mit Pkw-Reifen in Europa. Für die betroffenen Mitarbeiter stehen eine Arbeitsstiftung und Sozialfonds bereit, die laut Conti mit 14 Millionen Euro dotiert sind.

Bei dem Standort handelt es sich um die Reste des ehemaligen Semperit-Reifenwerks, das Continental im Jahr 2002 geschlossen hatte. Damals hatten mehr als 1.000 Arbeitnehmer ihre Stelle verloren. An dem Standort geblieben war die Produktion von Vormaterialien. Diese wird nun auch zugesperrt.

20-prozentige Überkapazität bei Autoreifen
"Kurzarbeit würde uns nicht weiterhelfen, weil absehbar ist, dass wir die nächsten vier, fünf Jahre die Kapazität nicht brauchen", versuchte Pkw-Reifen-Manager Bernhard Trilken am Dienstag die bevorstehende Schließung zu rechtfertigen. Bei Autoreifen gebe es derzeit eine rund 20-prozentige Überkapazität, Traiskirchen sei das einzig verbliebene selbstständige Werk zur Herstellung von Vormaterialien in Europa gewesen. Die Produktion soll künftig auf mehrere Werke verteilt werden, um Kosten zu sparen, so Trilken.

Bürgermeister geschockt
"Traiskirchen trägt heute Schwarz", reagierte Bürgermeister Fritz Knotzer (SPÖ) auf die endgültige Stilllegung der Mischungsproduktion im ehemaligen Semperit-Reifenwerk. Damit schließe sich schmerzlich ein Stück Identitätsgeschichte der Stadt. Am einst so mächtigen Standort und der Gründungsstätte der Semperit werde künftig nur mehr der Angestelltenbereich mit Vertrieb und Continental-Kundendienst übrigbleiben.

"Semperitler sind stolzer Bestandteil unserer Geschichte"
Einmal mehr zeige sich außerdem, "wohin das Streben nach mehr Profit und höheren Dividenden im Interesse einiger Weniger führt", so Knotzer in Richtung des deutschen Reifenkonzerns Continental. Immerhin habe der kleine Betrieb, der noch vorhanden gewesen sei, positiv gewirtschaftet, sagte der Bürgermeister. Und: Die Semperit als Betrieb und somit alle "Semperitler waren, sind und werden stets ein stolzer Bestandteil unserer Stadtgeschichte bleiben".

"Land steht nun Gewehr bei Fuß"
Das Land Niederösterreich hat unterdessen die bestmögliche Unterstützung für die von der Kündigung betroffenen 195 Mitarbeiter zugesagt. Die für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrätin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bezeichnete in diesem Zusammenhang eine Arbeitsstiftung als wirksames Instrument, damit die Betroffenen so rasch wie möglich am Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen könnten. Das Land stehe "Gewehr bei Fuß".

Continental beschäftigt 133.000 Mitarbeiter
Der selbst mit der Krise ringende Continental-Konzern beschäftigt mit einem Umsatz von mehr als 24 Mrd. Euro weltweit 133.000 Mitarbeiter (Stand von Ende 2008). Der Zulieferkonzern war im vergangenen Jahr auch im Zug der Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe in die Schlagzeilen geraten.

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