Mo, 11. Dezember 2017

Tödliche Radtour

17.06.2009 11:57

Raser gesteht Drogenkonsum

"Ich nehme seit einem Jahr Cannabis und habe am Vorabend einen "Bong" geraucht. Ich kann es nie wieder gutmachen“ – das reumütige Geständnis des Todeslenkers kommt zu spät für Kerstin und Herbert Kaufmann: Drogenrausch und Tempowahn haben Vater und Kind umgebracht.

Er habe sich vom Opel Astra provoziert gefühlt, der keine 300 Meter vorm Unfallort überholt hätte, sagte Gerald Sch. aus Altheim. Der 24-Jährige sei dem unbekannten "Konkurrenten“ nachgefahren. Mit Tempo 130. Dann erfasste er die am Straßenrand radelnden Vater und Tochter. "Ich hab’ sie im Rückspiegel durch die Luft fliegen sehen“, erinnert sich Lukas F. (20) aus Altheim, der den Honda Civic des Todeslenkers überholt hatte. "Ich habe mich eingeordnet, dann die Radler überholt. Er hätte sie sehen müssen“, so der Fahrer, der drei Freunde im Auto hatte.

Geschwister stehen zu verhafteten Todeslenker
"Ich hab’ umgedreht, bin mit dem Verbandspackerl zu den Opfern. Beim Mann hat man gesehen, dass nichts mehr zu machen war. Dem Mädchen konnten wir leider auch nicht mehr helfen“, erzählt Lukas F., der vor einem halben Jahr schon Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls geworden war: "Damals ist ein Mann in meinen Armen gestorben.“ Die beiden Geschwister des verhafteten Todeslenkers, die durch Krankheit bereits die Eltern verloren haben, sind geschockt: "Es tut uns so leid. Aber wir stehen zu unserem Bruder.“

Im 630-Seelen-Ort mischt sich Trauer und Wut
"Wieso sagt denn keiner was?“ Im Kindergarten Mühlheim ist einem Spielkameraden der getöteten vierjährigen Kerstin die Stille unheimlich. Im 630-Seelen-Ort mischt sich Trauer mit Wut über den 24-jährigen Autoraser.  "Es wurde wegen Tatbegehungsgefahr die U-Haft verhängt“, bestätigte Ernestine Heger, Sprecherin der Rieder Staatsanwaltschaft am Tag nach dem Vatertagsdrama von Mühlheim.

Tränen und Stille überall
Um die 36-jährige Mama, die zum Unfallzeitpunkt mit dem sechs Monate alten Sohn etwa einen halben Kilometer entfernt daheim geblieben war, scharte sich am Montag die Großfamilie. Tränen und Stille überall, die Angehörigen nahmen sich gegenseitig in die Arme. Es wurde nur geflüstert. Trotz der übermenschlichen Trauer lässt es sich die 36-Jährige nicht nehmen, das Begräbnis zu organisieren, die Fotos für die Parten auszusuchen.

Familie vom Schicksal heimgesucht
An der Unfallstelle, wo Blumen, Kerzen und ein Teddybär an die Tragödie erinnern, traf Bürgermeister Johann Strasser einen Freund des Verunglückten, der diesen vor 16 Jahren gerettet hatte, als er nach einem Sturz mit schweren Verbrennungen unter seinem brennenden Moped gelegen war. Auch der Unfalltod von Schwester und Vater des nun Verunglückten kommen immer wieder zur Sprache: "Man weiß nicht, warum das Schicksal die Familie so straft“, sagt der Bürgermeister. Die Familie, die durch die Aufräumarbeiten geschockten Feuerwehrleute und die Kindergarten-Spielkameraden von Kerstin wurden psychologisch betreut. Die Kinder müssen erst begreifen, warum ihre so beliebte Freundin nie mehr kommt.

von Markus Schütz („OÖ-Krone“) und ooe.krone.at
Bild: Der Badesee, zu dem Vater und Tochter radeln wollten

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