Mi, 22. November 2017

„Kenne sie alle“

07.06.2009 14:32

Ex-Geisel Wolfgang Ebner über das Wüstendrama

Er ist acht Monate in Gefangenschaft der Al-Kaida gewesen – doch der Salzburger Wolfgang Ebner hat 252 Tage Höllen-Hitze und ständige Todesangst überlebt. Nach der Exekution eines Österreichers in Mali erreichte die "Krone" den 52-jährigen am Samstag beim Spazierengehen.

Herr Ebner, Sie sind jetzt fast schon so lange wieder in Freiheit wie Sie in Gefangenschaft waren. Haben Sie noch Albträume?

Nein, die habe ich nicht. Aber natürlich kommen jetzt alle Erinnerungen an diese Zeit wieder hoch.

Edwin Dyer, ein Engländer der 30 Jahre in Oberösterreich gelebt hat, wurde von den Terroristen geköpft. Wieso haben Sie überlebt und er nicht?

Sein einziger Fehler, wenn man das so sagen kann, war, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft nicht angenommen hat. Die hätte ihm vielleicht das Leben gerettet.

Österreicher sind mehr "wert" als Briten?

Juden, Amerikaner, Engländer und Dänen sind für Terroristen ein rotes Tuch. Sie werden sofort getötet.

Es gibt ein Foto, das die "Krone" bereits veröffentlicht hat. Ein erschöpfter Edward Dyer im Vordergrund, dahinter stehen zwei Al-Kaida-Terroristen. Erkennen Sie vielleicht die Gesichter?

Ich erkenne die Männer auf dem Foto alle. Über ihre Spitznamen möchte ich keine Auskunft geben. Den berüchtigten Mokhtar Belmokhtar haben Andrea Kloiber und ich allerdings nie persönlich getroffen.

Wie sieht so ein Tag in Gefangenschaft aus?

Das Wüsten-Gefängnis im Mali ist riesig. Man ist am Tag unterwegs, im Jeep. Fefoltert oder gequält wird man allerdings nicht. Ich glaube auch nicht, dass die andere Geisel aus der Schweiz die Enthauptung mit ansehen musste.

Muss der Schweizer als Nächster sterben?

Ich glaube, er kommt frei.

von M. Pommer und G. Brandl, Kronen Zeitung

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