Mi, 25. April 2018

Etikettenschwindel

29.05.2009 08:35

"Steirisches" Kürbiskernöl stammt oft aus China

Billigware aus Fernost statt "Grünem Gold" aus der Steiermark: Eine groß angelegte Untersuchung der Zeitschrift "Konsument" hat jetzt enthüllt, dass der Großteil des Kürbiskernöls aus Rohstoffen gewonnen wird, die nicht aus Österreich stammen. Zumeist kommen die Samen aus China und osteuropäischen Ländern. Doch mit vollmundigen Slogans versuchen viele Hersteller den Kunden vorzugaukeln, dass das Produkt ein original steirisches sei. Allerdings erfüllen lediglich fünf von 26 Ölen die strengen Qualitätskriterien des EU-Gütesiegels "Geschützte geographische Angabe" (g.g.A.).

Ein steirischer Kürbiskernbauer, der namentlich nicht genannt werden will, bestätigte gegenüber krone.at die Einfuhr von Billigkernen: "Insider wissen schon lange, dass Kernöl, das aus dem Ausland stammt, als steirisches Kernöl gekennzeichnet wird. Viele steirische Bauern haben Felder in Ungarn oder kaufen die Kürbiskerne in Asien ein, weil das um bis zu 50 Prozent billiger kommt. Offiziell bekannt war das bisher nicht, aber es wurde Zeit, dass das endlich rauskommt."

Mit Slogans wie "Originalrezept aus der Steiermark", "In steirischer Tradition" und "Schonend gepresst in unserem österreichischen Traditionsbetrieb" versuchen die Hersteller von minderwertigem Kürbiskernöl den Eindruck zu erwecken, dass ihre Produkte aus dem "Grünen Bundesland" stammen. Doch all diese Sprüche haben eines gemein: Sie verschleiern die wahre Herkunft der Kerne, die für das Öl verwendet wurden. Denn die stammen zumeist aus Fernost und osteuropäischen Ländern. Konsistenz, Geschmack und Farbe der Öle lassen dann oft zu wünschen übrig.

Riesige Mengen an Kürbiskernen werden importiert
"Die Hersteller verzichten zum großen Teil gänzlich auf die Angabe, aus welchem Land die Kerne stammen, aus denen sie ihr Öl gewinnen. Selbst auf Nachfrage schweigen sich viele dazu aus. Insider berichten allerdings, dass der Großteil aus Ländern wie China, Kroatien und Ungarn importiert wird", so "Konsument"-Ernährungswissenschaftlerin Birgit Beck.

Dass es beim Kürbiskernöl oft nicht mit rechten Dingen zugehen kann, zeigt ein kurzes Rechenbeispiel: Für die Menge des in Österreichs gepressten Öls sind etwa 18.000 Tonnen Kürbiskerne nötig. Doch die Ernte in unserem Land beträgt gerade einmal 9.000 Tonnen, also die Hälfte. Und auch die Preise sollten Konsumenten stutzig machen. "Gutes inländisches Öl kostet pro Liter etwa 16 Euro. Beim Discounter gibt es das Produkt bereits zu einem Literpreis von zehn Euro. Um diesen Preis ist es nur schwer vollstellbar, ein hochwertiges Öl aus heimischen Kernen zu produzieren – egal, was auf den schön gestalteten Flaschen draufstehen mag: Man sollte sich von blumigen Aussagen nicht in die Irre führen lassen und genau auf das Etikett achten", so der Rat von Beck.

"Schuld sind die Ölmühlenbetreiber!"
Rosi Wilhelm von der Landwirtschaftskammer sieht als Schulduige nicht die Landwirte, sondern die Betreiber der heimischen Mühlen: "Es sind nicht unsere Bauern, die diesen Kundennepp betreiben, sondern Besitzer von Ölmühlen. Viele wittern das große Geschäft, kaufen billige Kürbiskerne aus China, Rumänien oder Ungarn zu. Leider haben wir noch kein Gesetz, das die Herkunftskennzeichnung der Hauptzutaten für Lebensmittel vorschreibt."

Der Konsumentenschutz rät den Verbrauchern bis dahin, sich auf das blau-gelbe Gütesiegel "g.g.A." zu verlassen. Es stellt sicher, dass die für das Öl verwendeten Kürbiskerne nur aus bestimmten Gebieten in der Steiermark, in Niederösterreich und im Burgenland stammen dürfen.

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